Weitwandern im Steuerparadies

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Übrigens: Der Name Escapardenne Trail setzt sich aus den Worten „escapade“ (französisch für Ausflug) und „Ardennen“ zusammen. Der Weitwanderweg hat die Auszeichnung „Leading Quality Trails – Best of Europe“, für die strenge Auflagen gelten. Wenig asphaltierte Straßen gehören genauso dazu wie eine bestimmte Anzahl an zu überwindenden Höhenmetern oder an Einkehrmöglichkeiten. Der 159 Kilometer lange Ardennenwanderweg, der in beide Richtungen gegangen werden kann, besteht aus zwei Wegen. Zum einen ist es der kleinere Lee Trail, der sich über 53 Kilometer durch die stillen Flusstäler von Sauer und Wiltz und durch unberührte Waldlandschaften schlängelt und der sich danach dem grenzüberschreitenden großen Bruder, dem Eislek Trail, anschließt. Für beide Trails gibt es Etappen- und Übernachtungsvorschläge. Interessant ist auch das „Lee trail hiking package“ mit Gepäcktransfer.

Weitere Informationen im Internet unter www.visitluxembourg.com, visit-eislek.lu und www.stephany.lu

Die Recherche wurde unterstützt von Luxembourg for Tourism.

Luxemburg besteht aus mehr als nur einer Stadt. In dem kleinen Land mitten in Europa kann man nicht nur gut leben, sondern auch wunderbar wandern. Der prämierte Escapardenne Trail führt durch den Norden Luxemburgs bis nach Belgien.

Die Luxemburgerin Carole Ewert ist immer noch ein bisschen erstaunt. „Viele meiner Mitstudenten in Köln dachten, dass Luxemburg nur eine Stadt ist.“ Von einem Land oder gar einer gleichnamigen Provinz in Belgien hätten viele noch nie etwas gehört. Jetzt ist das kleine EU-Land mit seinen 600 000 Einwohnern und dem höchsten Lohnniveau in ganz Europa gerade dabei, sich einen Ruf als Wanderdestination zu schaffen. Das Großherzogtum, dessen höchster Berg 560 Meter hoch ist, befindet sich schließlich zwischen bergigen Wanderregionen – der deutschen Eifel und den Ardennen. Wer zum Wandern kommt und nicht nur günstig Kaffee und Benzin kaufen will, kann viel über das Land und seine Bewohner erfahren. „Kaum jemand weiß“, sagt Carole, die für das regionale Tourismusbüro arbeitet, „dass wir extrem viele Portugiesen hier haben, und dass es von Nord nach Süd lediglich 80 Kilometer sind“. Ihr Deutsch ist perfekt, ihr Englisch und Französisch sind es auch. Nicht von ungefähr gelten Einheimische als Sprachgenies – schließlich gibt es hier drei offizielle Landessprachen. Neben Deutsch und Französisch kommt noch „Luetzebuergesch“ dazu, also Luxemburgisch, das sich für deutsche Ohren wie eine Mischung aus Saarländisch und Holländisch anhört. „Moien“ hört man auch spät am Abend und wer „neitschen“ (niesen) muss, hat Glück, wenn er ein „Nuesschnappech“ (Taschentuch) zur Hand hat.

Prämierte Wege

Wanderer auf dem „Escapardenne“ sollten es zücken, wenn sie einen der vielen giftigen Fingerhüte anfassen, die mannshoch zu Hunderten am Waldrand stehen. Ihr Violett passt besonders gut zum saftigen Grün. Der Regen scheint hier bis tief in den Boden gedrungen zu sein, Holunder, Schachtelhalme und junge Buchen sprießen um die Wette. Wer da vor lauter Frische plötzlich singen oder schreien möchte, muss sich keinen Zwang antun. Kaum jemand wird es hören. Auf dem Fernwanderweg, der mit einer Gesamtlänge von 159 Kilometern von Ettelbruck in Luxemburg bis nach La Roche-en-Ardenne in Belgien führt, ist man meist allein.

Eigentlich sind es zwei Wege, die diesen prämierten Weitwanderweg ausmachen. Bereits der kleinere, der Lee Trail mit 53 Kilometern à drei Etappen, hat es in sich. „Da braucht man schon ein bisschen Kondition“, sagt die Holländerin Mirjam Petry, die seit vielen Jahren in Luxemburg lebt und Touristen auf Wanderungen begleitet. Von Hoscheid nach Kautenbach zum Beispiel sind für die 15 Kilometer als Tagesetappe etwa fünf Stunden veranschlagt, Schwierigkeit: mittel. Auf Stöcke sollte der sportlich ambitionierte Wanderer nicht verzichten, schließlich gilt es allein auf dieser Etappe fast 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Dafür belohnen immer wieder grandiose Ausblicke, wenn sich auf den zahlreichen Schieferfelskämmen („Lee“ heißt „Fels“) plötzlich der Wald auftut, ein Weg am Steilhang zu enden scheint oder sich auf dem nächsten Hügel eine Burg präsentiert. Und sich weit unten ein Fluss oder die Bahn durch die Landschaft schlängeln.

„Wer mal weniger machen will, nimmt einfach den Zug“, empfiehlt Petry. Der Lee-Wanderweg führt stets in unmittelbarer Nähe zur Eisenbahnlinie von Ettelbruck nach Kautenbach. Jede Stunde fährt ein Zug, in beide Richtungen. Ein fast zu verlockendes Angebot. „Bei uns“, sagt Petry, „lässt sich alles mit allem ganz einfach verbinden.“

Luxemburg ist klein. Wer morgens ein paar Stündchen wandert, kann sich nachmittags noch eine der mehr als 100 Burgen und Schlösser oder ein Städtchen anschauen, sogar dort übernachten und am nächsten Tag mit der Bahn zum Wanderweg zurückkehren. Vianden würde sich hierfür bestens eignen. Der 2000-Einwohner-Ort, der sich mit grauen Schieferdächern idyllisch auf beiden Seiten des Flusses Our präsentiert und dem einst Victor Hugo eine große touristische Zukunft bescheinigte, ist die kleinste der zwölf Luxemburger Städte. Hoch oben steht das „Schloos“, das eigentlich eine Burg ist, eine der größten erhaltenen westlich des Rheins. Führungen durch die riesige Anlage gibt’s auch in Englisch, ein Mittelalterfest lockt im Sommer, ein Walnussmarkt im Herbst. Hinauf führt eine alte Sesselbahn, in der schon Mick Jagger saß.

Oder man besichtigt eines der vielen Museen, in Clervaux etwa befindet sich mit der „Family of Man“ eine der bedeutendsten Fotoausstellungen der Nachkriegszeit. Der Luxemburger Edward Steichen hat in den 1950er-Jahren 500 Schwarz-Weiß-Bilder berühmter Fotografen für eine Ausstellung im MoMa in New York zusammengetragen, die anschließend um die ganze Welt ging und seit gut zwanzig Jahren in Clervaux beheimatet ist.

Übernachten im Fass

Ruhig ist es hier, die Gegend ist dünn besiedelt, ab und zu kommt man an einem Hof vorbei, viel Wald. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es immerhin am Ende jeder Etappe. Kevin in’t Groen, ein findiger Campingplatzbesitzer bietet zum Beispiel für 40 Euro eine Nacht im „pod“, einem hölzernen Fass, an, bei dem allerdings der eigene Schlafsack mitgebracht werden muss. Ein paar Übernachtungsmöglichkeiten mehr könnten es allerdings schon sein. Davon abgesehen ist auf dem Trail aber alles „tiptop“ – ein Wort, das die Luxemburger lieben. Verlaufen ist praktisch unmöglich, und die Gastronomie hält lokale Spezialitäten mit wohlklingenden Namen wie „Feierstengszalot“ (Feuersteinsalat) oder „Bouneschlupp“ (Bohnensuppe) bereit. Und außerdem gibt’s noch die Hauptstadt. Das Zugtagesticket fürs ganze Land kostet vier Euro. Alles wirklich sehr verlockend.

Übrigens: Der Name Escapardenne Trail setzt sich aus den Worten „escapade“ (französisch für Ausflug) und „Ardennen“ zusammen. Der Weitwanderweg hat die Auszeichnung „Leading Quality Trails – Best of Europe“, für die strenge Auflagen gelten. Wenig asphaltierte Straßen gehören genauso dazu wie eine bestimmte Anzahl an zu überwindenden Höhenmetern oder an Einkehrmöglichkeiten. Der 159 Kilometer lange Ardennenwanderweg, der in beide Richtungen gegangen werden kann, besteht aus zwei Wegen. Zum einen ist es der kleinere Lee Trail, der sich über 53 Kilometer durch die stillen Flusstäler von Sauer und Wiltz und durch unberührte Waldlandschaften schlängelt und der sich danach dem grenzüberschreitenden großen Bruder, dem Eislek Trail, anschließt. Für beide Trails gibt es Etappen- und Übernachtungsvorschläge. Interessant ist auch das „Lee trail hiking package“ mit Gepäcktransfer.

Weitere Informationen im Internet unter www.visitluxembourg.com, visit-eislek.lu und www.stephany.lu

Die Recherche wurde unterstützt von Luxembourg for Tourism.

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