Was das Abwasser über Drogenkosum verrät

Lesedauer: 6 Min
Vor allem in West- und Südeuropa gehört Kokain zu den am meisten konsumierten Drogen. Rückschlüsse darauf lassen sich ziehen, we
Vor allem in West- und Südeuropa gehört Kokain zu den am meisten konsumierten Drogen. Rückschlüsse darauf lassen sich ziehen, wenn man das Abwasser untersucht. (Foto: dpa)
Schwäbische Zeitung
Die Drogenrückstände gelangen über Ausscheidungen, etwa Urin, in den Abwasserkreislauf und können dort mittels einer Mischung aus Massenspektrometer und Flüssgkeitschromatografie nachgewiesen werden. Die ermittelten Werte rechnen die EU-Forscher dann auf die Anzahl der an die Kläranlage angeschlossenen Personen hoch und zuletzt auf je 1000 Personen um, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten.

In 60 europäischen Städten hat die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht das Abwasser untersucht und einige Rückschlüsse über den Konsum von Kokain, Amphetaminen wie Pep oder Speed, Methamphetamin (Crystal Meth) und Ecstasy (MDMA) gewonnen. Während Kokain vor allem in West- und Südeuropa verstärkt im Abwasser nachgewiesen wurde, seien in Nord- und Osteuropa vor allem Amphetamine und Crystal Meth (Methamphetamin) gefunden worden.

In Deutschland wurden 16 Städte untersucht, darunter auch Stuttgart. Die Landeshauptstadt liegt im europaweiten Drogen-Ranking meist im Mittelfeld, lediglich die nachgewiesenen Amphetamin-Werte liegen im oberen Drittel.

Auffällig: An Wochenenden nahmen die Drogenrückstände im Abwasser teils deutlich zu. Europaweit lagen in drei Vierteln der untersuchten Städte die Rückstände von Kokain und Ecstasy (MDMA) über den Vergleichswerten von Wochentagen. Amphetamine waren dagegen der Studie zufolge über die ganze Woche eher gleich verteilt. Stuttgart ist da keine Ausnahme: An Wochenenden wurden demnach mehr als drei Mal so hohe Ecstasy-Rückstände im Abwasser gefunden wie an Wochentagen. Die Kokain-Rückstände nahmen um mehr als ein Drittel zu.

 

Deutlich höher als in Stuttgart liegen die Kokain-Werte in der Schweiz. So wurden für Zürich fast fünf Mal so hohe Werte gemessen, in St. Gallen liegen die Werte rund vier Mal über denen von Stuttgart. Am Wochenende weist das Züricher Abwasser den europaweit höchsten Wert für Kokain aus. In Zürich gehöre die Droge längst zum Alltag, auch weil sie vergleichsweise billig zu beschaffen sei, sagen Ermittler. Sie schätzen die Zahl der Konsumenten harter Drogen auf rund 4500, berichtet die NZZ. An so genannten Drug-Checking-Stationen können Kosumenten ihre Drogen direkt auf Partys testen lassen. Durch diese Tests sollen gesundheitliche Schäden durch gestreckte Drogen vermindert werden.

Die Menge der Drogenrückstände weist aber auch deutschlandweit zum Teil große Unterschiede auf - und lässt so Rückschlüsse auf die Konsumgewohnheiten in einzelnen Regionen zu. Das oft aus osteuropäischen Drogenküchen stammende Crystal Meth (Methamphetamin) ist beispielsweise in Ostdeutschland in deutlich höherer Konzentration nachweisbar als im Westen der Republik - dort wird der Studie zufolge vor allem Kokain konsumiert. 

 

Drogenrückstände im Abwasser Ranking

Die Drogenrückstände gelangen über Ausscheidungen, etwa Urin, in den Abwasserkreislauf und können dort mittels einer Mischung aus Massenspektrometer und Flüssgkeitschromatografie nachgewiesen werden. Die ermittelten Werte rechnen die EU-Forscher dann auf die Anzahl der an die Kläranlage angeschlossenen Personen hoch und zuletzt auf je 1000 Personen um, um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen