Warum Terence Hill keine Brücke in Worms erhält

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Terence Hill
Terence Hill tourt mit seinem neuen Film durch Deutschland. Auch in Worms macht er Station. (Foto: DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Wolfgang Jung

Einst kam er als tragischer Nibelungen-Held. Ein halbes Jahrhundert ist das her. Nun kehrt der Mann mit den stahlblauen Augen als Italo-Western-Legende nach Worms zurück: Mario Girotti, besser bekannt als Terence Hill.

Offiziell präsentiert der 79-Jährige an diesem Freitag (24. August) in der Kaiserstadt seinen neuen Film „Mein Name ist Somebody - Zwei Fäuste kehren zurück“, der seit Donnerstag (23. August) in den Kinos läuft. Aber der Star betritt am Freitag auch eine Brücke, die nach ihm benannt werden sollte. Das Problem: Das Bauwerk hatte bereits einen anderen Namen. Was klingt wie aus einer Terence-Hill-Komödie, sorgt weit über Worms hinaus für Wirbel.

Die Geschichte trägt skurrile Züge. Aus einer Laune heraus taufte der Wormser Musiker Peter Englert das Bauwerk kurz nach der Eröffnung im August 2016 im Internet auf den klingenden Namen Terence-Hill-Brücke. Begründung: Hill habe in einem Nibelungen-Film von 1966 doch den Giselher gespielt und bei der Premiere auch Worms besucht. „Der Name hat demnach einen völlig plausiblen Bezug zur Stadt“, sagt Englert nicht ohne Augenzwinkern. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die kuriose Bezeichnung in der Kommune mit 83.000 Einwohnern. „Mit einer solchen Resonanz hatten wir nicht gerechnet“, räumt Englert ein.

Allerdings trug die Fußgängerbrücke über die Bundesstraße 9 bereits einen Namen: Pate stand der Unternehmer Karl Kübel (1909-2006), einst einer der größten Möbelhersteller Europas. Was tun? Oberbürgermeister Michael Kissel (SPD) votierte für einen Kompromiss. „Der Name 'Terence Hill' hat sich inzwischen eingebürgert“, sagte er im Juni, „die Brücke wird deshalb quasi einen Doppelnamen erhalten: Karl-Kübel-Terence-Hill-Brücke.“ Der Volksmund jubelte - und scherzte: Der Name sei ja fast länger als die 48 Meter lange Brücke.

Auch die deutsche Fangemeinde von Terence Hill frohlockte: Endlich werde ihrem Idol eine ähnliche Ehre zuteil wie seinem kongenialen Filmpartner Bud Spencer in Schwäbisch Gmünd, war die einhellige Meinung. Die schwäbische Stadt hatte 2011 ihr Freibad nach dem bärtigen Haudrauf Spencer benannt, weil er dort 1951 unter seinem richtigen Namen Carlo Pedersoli bei einem Länderwettkampf die 100 Meter Freistil schwamm. Auch Terence Hill war über den Jux von Worms aus dem Häuschen. „Ist es wirklich wahr, dass ihr einer Brücke meinen Namen gegeben habt? Ich komme sehr gerne“, sagte er euphorisch.

Vielleicht aber hätte sich Worms nicht am recht fernen Schwäbisch Gmünd, sondern am benachbarten Ludwigshafen orientieren sollen. Dort fielen die Stadtväter nämlich mit dem Versuch, ohne vorherige breitere Abstimmung die Umbenennung einer Straße nach Altkanzler Helmut Kohl anzukündigen, vor Jahresfrist böse auf die Nase.

Eine Brücke für 900.000 Euro mit dem Namen des Darstellers von Figuren wie „Nilpferd“? Das ging einigen in Worms zu weit. Kissel musste zurückrudern. Die Ankündigung, der Brücke einen neuen oder zumindest einen zweiten Namen zu geben, habe Karl Kübels Angehörige und die Verantwortlichen der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie brüskiert, sagte der Oberbürgermeister. Eine Umbenennung werde dem vorbildlichen Wirken des sozial engagierten Unternehmers Kübel und seiner Stiftung nicht gerecht. Zudem seien bei vielen Terence-Hill-Fans unerfüllbare Erwartungen geweckt worden.

Terence Hill kommt trotzdem zum diesjährigen Backfischfest nach Worms. Er trägt sich ins Gästebuch der Stadt ein, dann zeigt er auf dem Trainingsplatz von Fußball-Viertligist Wormatia bei einer Open-Air-Vorstellung seinen neuen Film. Daneben besucht der gebürtige Venezianer auch das mittlerweile zu Ruhm gekommene Bauwerk. Ganz Worms freut sich, und am Ende dürfte es so sein: Ob nun Terence Hill oder Karl Kübel - bessere Werbung hätten sich weder Stadt noch Schauspieler wünschen können.

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