Walser hofft auf reinigende Wirkung der Krise

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Schwäbische Zeitung

München (dpa) ­ Schriftsteller Martin Walser fällt zu der aktuellen Wirtschaftskrise nur ein Wort ein: grotesk. Grotesk, sei die Profitjägerei, die dazu geführt hat.

Grotesk, sei auch Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine, „der redet wie ein Wasserfall, als bestätige die Krise seine Ansichten“, sagte der 81 Jahre alte Autor („Ein fliehendes Pferd“, 1978) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in München. Und: „Grotesk ist es, diese Krise mit der großen Weltwirtschaftskrise 1929 zu vergleichen.“

Von Kritikern selbst als Meister der Beschreibung von Krisen und Zerwürfnissen gefeiert, betrachtet der 81-Jährige den weltweiten Zusammenbruch der Finanzmärkte „fasziniert wie bei einem Krimi“. „Ich begreife aber nicht, wie das hat passieren können.“ Schließlich sei es doch vorhersehbar gewesen: „Wer je in Amerika war, der weiß, wie windig in Amerika die Immobilien sind, die milliardenhaft mit Hypotheken begabt wurden.“ Diejenigen deutschen und europäischen Banker, die diese Anleihen aus den Vereinigten Staaten bündelweise aufgekauft haben, seien „unfassbar naiv“ gewesen.

Der Bestseller-Autor hofft auf die reinigende Wirkung der derzeitigen Situation: „Diese Krise ist ein Produkt des Systems und das System wird daraus lernen und es wird danach besser sein, als es vorher war.“ Durch schärfere Regeln werde künftig weniger möglich sein, also werde auch weniger passieren, sagte Walser. „Und schon in fünf Jahren wird man sagen: "Die große Finanzkrise? Schön. Abgehakt".“

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