Waldemar Otto: Faszination menschlicher Körper

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Deutsche Presse-Agentur

Als Waldemar Otto den großen Neptunbrunnen für den Domshof mitten in Bremen geschaffen hat, war die Stadt gespalten.

Kritiker bezeichneten den Bildhauer wegen seines kompromisslosen Festhaltens an der Figur als „ewig Gestrigen“. Andere erregten sich über die rückseitig offenen Bronzen. Das war 1991. Heute gilt Otto als einer der international bekanntesten Bildhauer der gegenständlichen Kunst. Seine Skulpturen stehen in Städten wie Berlin, Stuttgart, Rostock und in Chile.

Als erstem zeitgenössischen Künstler aus Deutschland wurde ihm nach der Wende in der Eremitage in St. Petersburg eine eigene Ausstellung gewidmet. Anlässlich von Ottos 80. Geburtstag Ende März stellt das Gerhard-Marcks-Haus in Bremen 65 Bronzen des Altmeisters der deutschen Bildhauerei aus. In den hellen Museumsräumen treffen die Besucher nicht nur auf die für Otto typischen antiken Themen, wie das Motiv der Aphrodite oder trunkener Anhänger des römischen Gottes Bacchus. In seinen jüngsten Arbeiten lotet der Berliner Bildhauer, der in Bremen Professor für Bildhauerei war und seit langem im Künstlerdorf Worpswede lebt, ironisch das Älterwerden aus.

2008 hat er sich und seinen Hund modelliert. Der Titel: „Mara und ich ganz deprimiert“. Andere Bronzen zeigen ihn stehend, dynamisch, mit Blick nach oben. Dabei zeigt die Schau vor allem Bronzegüsse aus dem Besitz des Künstlers, Werke, die sonst in seinem Atelier stehen, weil sie ihm als Begleiter in seinem Alltag wichtig sind.

Seine Torsos, die innen hohl sind und somit an Vasen erinnern, ein wie eine Schaukel geschwungener Frauenkörper und der in einem Gerüst eingespannte Mann - immer steht bei Otto der menschliche Körper im Mittelpunkt. Dieses Festhalten an ein- und demselben Thema verteidigte Otto während eines Rundgangs durch die thematisch geordnete Präsentation: „Ich weiß, dass Abstraktion allzu schnell in die Banalität abgleitet. Eine Figur, ihr Widerstand, den sie leistet, ist für mich viel interessanter als die Geometrie, die ja viel banaler und oftmals zum Gähnen langweilig ist.“ Wichtig sei ihm dabei der Raum, in dem der Mensch agiert. „Großer bekleideter Mann zwischen Wänden“ von 1973 spielt für ihn auf „die Alltagszwänge des Menschen in einer arbeitsteiligen Gesellschaft“ an.

Nach Angaben der Ausstellungsmacher ist die Bremer Präsentation ganz bewusst keine Rückschau auf Ottos Gesamtwerk, weil der Künstler nach wie vor hochproduktiv sei. Noch heute arbeite er in der Regel zehn Stunden am Tag, fügte Otto hinzu. Insgesamt hat der Bildhauer, der auch in Berlin und den USA gelebt hat, inzwischen mehr als 600 Werke geschaffen. „Waldemar Otto - Keine Retrospektive“ ist vom 8. März bis zum 10. Mai zu sehen.

www.marcks.de

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