„Wölfe sind nicht am Menschen interessiert“

Lesedauer: 4 Min
„Wölfe sind nicht am Menschen interessiert“
(Foto: FVA/Thomas Weidner)

Jetzt wird der Wolf zur Staatsangelegenheit: Der Bund will mit dem Aufbau eines Beratungszentrums die Rückkehr des Tieres nach Deutschland wissenschaftlich und moderierend begleiten und so den Landesbehörden unter die Arme greifen. Der Freiburger Wildbiologe Micha Herdtfelder ist zuständig für die wissenschaftliche Beobachtung der Wölfe in Baden-Württemberg. Simon Haas hat mit ihm über reale und vermeintliche Gefahren gesprochen.

Gibt es im Südwesten bereits sesshafte Wölfe?

Aktuell haben wir neben den zwei im Jahr 2015 überfahrenen Tiere keine sicheren Wolfsnachweise. Es gibt allerdings eine ganze Menge vermeintlicher Wolfssichtungen. Diesen gehen wir auch im Einzelfall nach und versuchen herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen Wolf oder nur einen wolfsähnlichen Hund handelt. Das lässt sich nicht immer klären.

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich im Wald einem Wolf begegne?

Man braucht auf jeden Fall keine Angst zu haben, irgendetwas falsch zu machen. Wölfe sind am Menschen nicht interessiert. Gut ist, das Tier laut anzusprechen und ruhig zu bleiben. Wenn das Tier zu nah kommen sollte, kann man einen Stock oder Stein werfen. Aber so ein Szenario ist sehr unwahrscheinlich.

Wie will man verhindern, dass Jäger die Wölfe schießen?

Wichtig ist generell, die Jäger beim Management einzubeziehen, Wissen zu vermitteln, falsche Vorstellungen zu korrigieren und somit auch für Akzeptanz zu werben. Luchs und Wolf sollten nicht zu Stellvertretern in bestehenden Konflikten zwischen Jagd und Naturschutz werden.

Wie sieht es mit Entschädigungen bei Wolfsrissen aus?

Ausgleichszahlungen sind seit 2013 in einem Handlungsleitfaden klar geregelt. Übergriffe sind zwar nicht zu vermeiden, aber reduzierbar, wenn man gut vorbereitet ist. Hier gilt: Prävention ist besser als Ausgleichszahlungen.

Im Schweizer Kanton St. Gallen gibt es die erste Abschussbewilligung für zwei Wölfe, da dort ein Rudel angeblich die Scheu vor Dorfbewohnern verloren hat. Wie geht man mit „Problemwölfen“ am besten um?

Der Umgang mit auffälligen Tieren ist in dem Leitfaden beschrieben: Diese Tiere stehen unter ständiger Beobachtung und können im Zweifel vergrämt oder in einem zweiten Schritt entnommen werden.

Ist es ein „auffälliges“ Verhalten, wenn wie in der Schweiz die Wölfe durch die Dörfer ziehen?

Dass Tiere nachts durch die Dörfer abkürzen, ist erst einmal nicht auffällig. Problematisch wird es erst, wenn die Tiere aktiv die Nähe zu Menschen suchen.

Viele Schäfer im Südwesten wollen sich jetzt vermehrt Herdenschutzhunde anschaffen. Ist das sinnvoll?

Schnellschüsse sind nicht zu empfehlen und häufig reichen Zäune aus. Werden Hunde eingesetzt ist unter anderem die Erfahrung des Schäfers mit Hunden und die Auswahl der Tiere wichtig. Bei Hunden muss sichergestellt sein, dass sie gegenüber Menschen nicht aggressiv sind.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen