VW stellt elektrisches SUV-Coupé ID.5 vor

Sie sind neu und sie sind anders, aber wie alle VW sind auch die ID-Modelle bislang eher pragmatisch. Jetzt leisten sich die Niedersachsen ein bisschen Unvernunft und locken mit dem ID.5 auch die Schöngeister an die Steckdose. Denn während sie Tiguan und Touareg jahrelang das lautstark geforderte Coupé verwehrt haben, bekommt der ID.4 (Verkaufsstart Ende Mai) einen schrägen Ableger. Als wäre das nicht schon verwegen genug, kommt der auch gleich noch als GTX und mischt ein wenig Sportsgeist in den Schönheitswettbewerb. Wie jedes Coupé ist dabei natürlich auch der ID.5 ein bisschen teurer als das Grundmodell: Bei mindestens 46 515 Euro für den ID.5 pro und 53 615 Euro für den ID.5 GTX liegen zwischen Pragmatismus und Prestige genau 1600 Euro – so viel weniger kostet der ID.4.

Dafür gibt es vor allem die coolere Kehrseite. Denn während die Länge auf 4,61 Meter wächst, duckt sich das Dach auf 1,61 Meter und das Heck fällt in einem schmucken Schwung, den keine Tarnfolie der Welt kaschieren kann. Während man im Rückspiegel kaum einen Unterschied erkennt, wird der ID.5 aus allen anderen Perspektiven zum Schönheitskönig unter den Stromern aus der VW-Familie.

Der Platzverlust lässt sich verschmerzen

Natürlich hat diese Schönheit auch ihren Preis, den wie immer die Hinterbänkler und Lademeister zahlen. Doch weil die ID-Modelle mit ihrer im Wagenboden versteckten MQB-Technik ohnehin das Platzangebot der nächstgrößeren Klasse bieten, lässt sich der Verlust ganz gut verschmerzen. Bei 2,77 Metern Radstand kann VW die Rückbank auch ohne Einbußen bei der Kniefreiheit so weit nach vorne ziehen, dass das Haupthaar nicht am Himmel schleift. Der Kofferraum ist mit 549 Litern in der Grundkonfiguration exakt so groß wie im ID.4. Nur wer bis unters Dach stapelt, verliert ein paar Liter.

Technisch gibt es keine Unterschiede – erst recht nicht beim GTX, der als sportliche Speerspitze den Start macht. Das Kürzel steht in der ID-Familie für zwei Motoren mit zusammen 299 PS, einem vereinten Drehmoment von 460 Nm und einem Akku, der 77 kWh leistet, 490 Kilometer weit kommt und mit bis zu 125 kW geladen werden kann.

Flotter Antritt

Was für den ID.5 spricht und vor allem für das Sportabzeichen GTX, das ist der spontane und lineare Antritt, der mit den zwei Motoren natürlich nochmal mehr Punch bietet und mit dem Allrad auch noch besser auf die Straße kommt. Für die Generation E mag das selbstverständlich sein – wegen der gut sechs Sekunden von 0 auf 100 bekommt dort keiner mehr Herzrasen. Doch wer sonst Tiguan fährt und den auch noch vollgeladen hat, der ist überrascht, wie flott dieser 2,5-Tonner in Fahrt kommt. Um wenigstens ein bisschen aus der Reihe zu schlagen und ein wenig Sportsgeist auf die Electric Avenue zu bringen, ziehen die Niedersachsen erst bei 180 km/h den Stecker. So bekommt das SUV gar vollends ein Happyend.

Gegen den ID.5 spricht sein Gewicht, das auch der stärkste E-Motor nicht komplett kompensieren kann. Ja, die MEB-Modelle sind ungewöhnlich handlich, und natürlich macht der Fahrdynamikregler einen prima Job, in dem er alle elektronischen Regelsysteme orchestriert und immer für maximalen Grip der 21-Zöller sorgt. Der tiefe Schwerpunkt ist auch kein Schaden. Doch die mehr als zwei Tonnen lasten schwer auf der Straße und bringen sich vor allem auf kurvigen Strecken doch ein wenig in Erinnerung.

Mit Betriebssystem 3.0

Weil Sportlichkeit und Fahrdynamik aber ohnehin an Bedeutung verlieren, wird es den ID5 nicht nur als GTX geben. Wem 160 km/h reichen, wer 30 Kilometer weiter fahren will und wer auf den kleinen Akku verzichten kann, der bekommt den ID5 auch mit 170 oder 204 PS.

Der ID.5 wird ab Werk mit dem Betriebssystem 3.0 geliefert und bald sogar mit 3.1, das bei den anderen ID-Modellen erst noch aufgespielt werden muss. Es bietet eine verständigere Sprachsteuerung und schlauere Assistenten, die sich zum Beispiel komplizierte Parkmanöver merken oder beim Spurwechsel auf Schwarmintelligenz setzen; zugleich wird auch das Laden schneller und unkomplizierter. VW erspart den Kunden künftig die Anmeldung und schaltet die entsprechenden Säulen per „Plug&Charge“ frei.

Zwar geht es beim ID5 in erster Linie um Eleganz und L ifestyle. Trotzdem ringen die Wolfsburger der schnellen Silhouette auch einen praktischen Vorteil ab: Weil das flache Heck den cw-Wert drückt, steigt die Reichweite und mit der gleichen Batterie schafft der ID.5 immerhin 15 Kilometer mehr.

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