Vorsicht Glätte: Zahlreiche Unfälle durch Schnee und überfrierende Nässe

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 Bei Schnee, Eis und Glätte gilt: Winterreifen drauf.
Bei Schnee, Eis und Glätte gilt: Winterreifen drauf. (Foto: Thomas Warnack)
Digitalredakteurin
Schwäbische Zeitung
Deutsche Presse-Agentur
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Winterliche Bedingungen haben in der Nacht zum Mittwoch in Deutschland für Verkehrschaos gesorgt. Meist blieb es bei Blechschäden und Leichtverletzten, wie die Polizeistellen mitteilten. Allerdings gab es bis zum Mittwochmorgen auch mindestens einen Toten und mehrere Schwerverletzte.

Im Norden Niedersachsens wurde sogar ein ganzer Autobahnabschnitt wegen mehrerer Glatteis-Unfälle gesperrt, im Süden und Westen kam es zu zahlreichen Verkehrsbehinderungen aufgrund liegen gebliebener Fahrzeuge.

Auch tagsüber kann es glatt sein

In Baden-Württemberg kann es auch noch tagsüber rutschig auf den Straßen werden. Gefrorene Nässe sorgt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für Glatteis.

Insbesondere in den Höhenlagen des Allgäus, des Linzgaus und der Schwäbischen Alb haben laut Polizei liegengebliebene Lkw auf schneeglatten Fahrbahnen für Staus gesorgt. Auf der A96 zwischen den Anschlussstellen Wangen und Kißlegg kam der Verkehr beginnend ab gestern Nachmittag über Stunden zum Erliegen.

Bis heute Morgen 8 Uhr kam es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Ravensburg zu 50 Verkehrsunfällen durch Schnee und Glätte. Meistens blieb es glücklicherweise bei Sachschäden.

21 Unfälle davon ereigneten sich im Landkreis Ravensburg, hier wurde eine Person leicht verletzt. Im Bodenseekreis kam es zu zehn Unfällen, wobei drei Personen leicht verletzt wurden. Im Landkreis Sigmaringen verzeichnete die Polizei 19 Witterungsunfälle, wobei eine Person leichte Verletzungen erlitt.

Das Polizeipräsidium appelliert dringend an alle Verkehrsteilnehmer:

  • Benutzen Sie Ihr Fahrzeug nur wenn unbedingt nötig
  • Winterreifen sind Pflicht und müssen eine ausreichende Profiltiefe aufweisen
  • Fahren Sie stets mit an das Wetter angepasster Geschwindigkeit
  • Schneeglätte oder auch überfrierende Nässe kann plötzlich auftreten - fahren Sie vorausschauend, beschleunigen Sie sanft und bremsen Sie mit Bedacht
  • Halten Sie großen Abstand zum Vorausfahrenden

Zahlreiche Unfälle in ganz Baden-Württemberg

Im Alb-Donau-Kreis sind mehrere Fahrzeuge auf glatter Fahrbahn gerutscht und haben Unfälle verursacht. In Richtung Hörvelsingen ist beispielsweise ein 19-Jähriger gegen ein anderes Auto geprallt. Der Fahrer verletzte sich leicht. 

Bei Merklingen sind drei Fahrzeuge im Schnee stecken geblieben. Die Lkw und Sattelzüge waren in Richtung Hohenstadt unterwegs. Zur Bergung der Fahrzeuge war die Straße zwischen Merklingen und Hohenstadt für etwa drei Stunden voll gesperrt.

Ein 28-jähriger Autofahrer ist in Ulm auf die Gegenfahrbahn gerutscht und mit einem entgegenkommenden Auto frontal zusammengestoßen. Der entgegenkommende 39-Jährige erlitt leichte Verletzungen und kam in ein Krankenhaus.

Bei Crailsheim ist ein 29-Jähriger mit seinem VW-Bus in den Gegenverkehr geschleudert. Der Mann kam ins Schlingern und dann auf die Gegenfahrbahn. Er kollidierte mit einem entgegenkommenden Wagen Fahrerin. Sie wurde leicht verletzt.

Ein Lkw-Fahrer hat auf der Bundesstraße 464 im Kreis Böblingen die Kontrolle über seinen Lastwagen verloren und eine Leitplanke durchbrochen. Der Lastwagen war auf glatter Fahrbahn ins Schleudern geraten, wodurch sich der Anhänger quer zur Fahrtrichtung stellte, wie die Polizei mitteilte. Der Anhänger durchbrach daraufhin die Leitplanke und kam auf ihr zum Stehen.

Ebenso im Kreis Böblingen wurde einem Streufahrzeug die glatte Straße zum Verhängnis. Das Winterfahrzeug rutschte in den Graben. Dabei riss die große vordere Schneeschaufel samt Gestänge ab. Der Fahrer des Streuwagens blieb unverletzt.

Ein Müllfahrzeug ist bei Vellberg (Landkreis Schwäbisch Hall) auf glatter Fahrbahn in einen Straßengraben gekippt. Der Wagen kippte nach derzeitigen Erkenntnissen ohne Fremdeinwirkung um, teilte die Polizei mit. Der Fahrer sei unverletzt und befreite sich selber aus dem Müllfahrzeug. 

Ein Auto ist bei Neulingen (Enzkreis) auf spiegelglatter Straße von der Fahrbahn abgekommen und hat sich überschlagen. Wie die Polizei mitteilte, wurde der Fahrer bei dem Unfall am frühen Morgen schwer verletzt und musste in ein Krankenhaus gebracht werden.

In Bayern warnt der Deutschen Wetterdienst auch am Mittwochmorgen noch vor Schnee und Glätte. Vor allem im westlichen Teil des Freistaats werde der Schnee in Regen übergehen. Größere Mengen Neuschnee seien, abgesehen von den Gebirgslagen, vor allem im Bayerischen Wald und dem Donautal zu erwarten.

In ganz Bayern berichtete die Polizei von Verkehrsunfällen, die überwiegend zu Blechschäden, teils auch zu größeren Verkehrsbehinderungen und Verletzungen führten. 

Schwer verletzt wurde nach Polizeiangaben etwa eine Fahrerin, die im schwäbischen Marktoberdorf (Landkreis Ostallgäu) auf die Gegenfahrbahn rutschte und mit einem Laster kollidierte. Die 22-Jährige wurde mit ihrem Auto auf eine Wiese geschleudert und kam ins Krankenhaus.

Im mittelfränkischen Roßtal (Landkreis Fürth) kam laut Polizei eine Fahrerin in einer Rechtskurve von der Straße ab und überschlug sich. Die 33-Jährige musste mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus. Am Autobahnkreuz Altdorf (Landkreis Nürnberger Land) kam am Dienstagvormittag ein Laster ins Rutschen und blieb quer zur Fahrbahn liegen. Die Unfallstelle musste für mehrere Stunden gesperrt werden.

In der Nähe der niederbayerischen Stadt Viechtach (Landkreis Regen) kam nach Polizeiangaben ein Laster von der Straße ab und wäre beinahe in ein Wohnhaus gerutscht. In Ortenburg (Landkreis Passau) sei ein Lkw gegen ein Postauto geschlittert, wodurch der Lasterfahrer leicht verletzt wurde.

Weitere Meldungen von Unfällen erwartet

Ein tödlicher Unfall ereignete sich in Mecklenburg-Vorpommern. Ein 18-jähriger war laut Polizei vermutlich zu schnell gefahren, mit seinem Fahrzeug von der Straße abgekommen und in mehrere Leitplanken und einen Baum gekracht — der junge Mann starb noch am Unfallort, sein Beifahrer wurde schwer verletzt.

Laut Polizei dürfte sich die Zahl der Verletzten im Laufe des Tages noch deutlich erhöhen, sobald alle Unfälle aus der Nacht erfasst wurden. Auch tagsüber war für Mittwoch in vielen Teilen Deutschlands wieder Schnee und Glätte vorhergesagt.

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