Viel Beifall für Uraufführung des Theaterstückes „Tank“

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Deutsche Presse-Agentur

Eine schöne Familie: Der Vater ein bedingungsloser Fitness- und Leistungsfreak, die Mutter eine sexuell frustrierte Hausfrau und der Sohn Tankred, genannt Tank, der nur „im größten Notfall“ sein Zimmer verlässt.

Das Einzige, was Tankred halbwegs interessiert, ist Gewalt. Das ist dann auch zentrales Thema des mehrfach preisgekrönten Theaterstückes von Almut Baumgarten, das im Pfalztheater in Kaiserslautern uraufgeführt wurde. „Tank“ macht nachdenklich und legt bei aller Düsterkeit doch auch einen befreienden Witz an den Tag. Das Publikum belohnte die Aufführung mit langanhaltendem Applaus.

Verkörpert wird die Gewalt von Lizzi und Minni, zwei Schwestern: Die eine überschminkt und im Ballerina-Outfit, die andere komplett in schwarz - zwei moderne Todesengel ohne jede Barmherzigkeit. Wer bei ihnen zur falschen Zeit am falschen Ort ist, hat Pech gehabt. Das sind zum Beispiel ein vorbeikommender Obdachloser, ein spielender Junge und zuletzt gar Tanks Vater: Es braucht nicht viel, damit die Schwestern ihre Messer zücken und zustechen. Dabei wird jede Gewalttat säuberlich mit der Handy-Kamera aufgezeichnet. Alles in allem ein großer Spaß - „wie Comedy gucken“, sagen die Schwestern.

Auf den phlegmatisch wirkenden Tank üben die rücksichtslosen Schwestern einen Reiz aus. Der Junge verbringt die meiste Zeit mit seiner Kamera in seinem Zimmer. Er hat keine Idee, kein Ziel, beklagt sein Vater. Für den zählt nur der Leistungsgedanke, er ist immer auf dem Sprung. Seine Frau hat er schon länger nicht mehr angerührt. Diese sucht die körperliche Nähe bei einem Lehrer mit Schwabbelbauch, der sein Haar zum Pferdeschwanz gebunden hat. Und dann ist da noch der Familienhund, auch er ein trostloses Exemplar: Er kann nicht bellen und riecht nicht einmal nach Hund.

Almut Baumgarten, Jahrgang 1969, hat für „Tank“ den Else Lasker- Schüler-Stückepreis 2008 bekommen und den Jugendtheaterpreis Baden- Württemberg. Es ist ein hochaktuelles Stück: Die Frage, warum aus Kindern und Jugendlichen scheinbar gefühllose Schläger und Mörder werden, kocht immer wieder hoch in Deutschland - wenn ein Jugendlicher Amok läuft oder ein Rentner in der U-Bahn von jungen Männern zusammengeschlagen wird.

Eine definitive Antwort auf diese Frage kann und will Almut Baumgarten nicht geben. Das wäre wohl auch zu viel verlangt. In „Tank“ sei Vieles zugespitzt und überzeichnet, erläutert die Autorin in einem Begleittext. Ihr Erklärungsansatz: „Was ich um uns her sehe, ist eine ständige und unerschöpfliche Verfügbarkeit jedenfalls von Bildern der Gewalt. Und ich glaube nicht, dass die Bilderflut spurlos über uns hinweg geht.“ Wahrscheinlicher sei, dass sie Ängste schüre und die Aggressivität erhöhe.

Lizzi und Minni erklären ihre Gewaltexzesse so: Letztlich sei es der Schmerz in einem selbst, den man mit dem Messer an einen anderen Menschen weiterzugeben versuche. Angestachelt von Tank, der den Fitnesswahn und die Reinlichkeit seines Vaters hasst, nehmen sich die Schwestern am Schluss Tanks Vater vor. Den selbst gedrehten Film von der Gewalttat schickt Tankred an seine Mutter. Am Ende muss auch noch der Hund dran glauben: Er könnte doch einen Ausflug machen, begleitet von den beiden mörderischen Schwestern, schlägt die Mutter vor. Eine schöne Familie - jetzt ist sie am Ende.

www.pfalztheater.de

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