Videospiel-Held „Sonic The Hedgehog“ kämpft gegen Jim Carrey

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Sonic the Hedgehog
Sonic rast wie wild durch die Gegend. (Foto: Paramount Pictures/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Patrick T. Neumann

Videospielklassiker ins Kino zu bringen, ist immer ein Wagnis. Werden die Spielefans die Umsetzung ihres interaktiven Lieblings als Filmfigur akzeptieren? Taugt das Ganze auch für normale Kinogänger, die das Spiel nicht kennen? Und nicht zuletzt: Gibt es überhaupt eine Geschichte, die auf Spielfilmlänge trägt?

Bei „Tomb Raider“ mit Actionstar Lara Croft hat das hervorragend geklappt; auch die Handy-Spiel-Lieblinge „Angry Birds“ flogen erfolgreich über die Leinwand. Nun stürmt „Sonic The Hedgehog“, der blaue Überschall-Igel, erstmals in die Kinosäle - und nach einem stotternden Start wegen zahlreicher Fan-Proteste hat das Endergebnis ordentlich Schwung.

Für die Story setzt Regisseur Jeff Fowler („Wo die wilden Kerle wohnen“) mit seinen beiden Drehbuchautoren Pat Casey und Josh Miller auf ein bewährtes Rezept: Er geht ganz an den Anfang der Geschichte von Sonic. Der außerirdische Igel musste demnach im Alter von fünf Jahren auf der Flucht vor Bösewichten seinen Heimatplaneten verlassen und auf der Erde Zuflucht suchen. Hier hat er zehn Jahre praktisch unentdeckt gelebt, doch jetzt quält den Teenie die Einsamkeit.

Und damit beginnt das große Sonic-Abenteuer, das den Alien-Igel im realen Videospielleben bereits seit 29 Jahren durch ungezählte Level hüpfen und rennen lässt. Der Software- und Konsolenkonzern Sega hatte Sonic 1991 als sein Maskottchen erschaffen und damit eine der bekanntesten Figuren der Videospielwelt kreiert - quasi in direkter Konkurrenz zu Nintendos erfolgreichem Klempner Super Mario. Mittlerweile stellt Sega keine Wohnzimmer-Spielkonsolen mehr her, so dass Mario und Sonic in manchen Videospielen wie den „Olympischen Spielen“ gemeinsam auf Punktejagd gehen.

Doch zurück zum Film: Sonic ist nicht nur unglaublich schnell, er kann beispielsweise auch Blitze erzeugen - und löst damit einen großflächigen Stromausfall aus. Die US-Regierung tritt auf den Plan und mit ihr der genial-verrückt-boshafte Dr. Robotnik, (im Sonic-Universum auch als Dr. Eggman bekannt). Wie in so vielen Videospielen macht der nun Jagd auf den Igel. Sonic wendet sich in seiner Not an den gutmütigen Kleinstadt-Polizisten Tom (James Marsden), und zusammen kämpfen sie gegen den technisch hochgerüsteten Erfinder, der von Jim Carrey verkörpert wird.

Ein rasanter Actionfilm nimmt seinen Lauf, der Grundschulkindern ebenso viel Spaß machen dürfte wie älteren Sonic-Fans. Witzige Dialoge, schöne Zeitlupen-Ideen (Sonic ist einfach so schnell, dass aus seinem Blickwinkel selbst eine Kneipenschlägerei extrem langsam abläuft) und die liebevolle Animation des Titelhelden machen den Film sehenswert. Letzteres scheint nicht zuletzt den Fans zu verdanken.

Denn als im März 2019 die ersten Filmausschnitte veröffentlicht wurden, hagelte es Proteste. Sonic sei zu dünn, zu strubbelig, zu tierisch - zu wenig Comic-Charakter, fast zu real, lautete die Kritik. Die Filmemacher reagierten und überarbeiteten den Film - jetzt sieht Sonic seinem Videospiel-Alter-Ego viel ähnlicher: Große Comic-Augen, glatteres Fell, insgesamt dynamischer und freundlicher. Sicherlich auch wichtig für den Erfolg bei jungen Fans: Sonic wird in der deutschen Fassung von Youtube-Star Julien Bam gesprochen, dessen Hauptkanal mehr als 5,7 Millionen Abonnenten hat.

Mancher erwachsene Zuschauer könnte sich an der Figur des Dr. Robotnik stören, der in seiner genialischen Bösartigkeit zuweilen albern und arg überzogen wirkt. Doch erstens handelt es sich um Jim Carrey, von dem man sich solche Exaltiertheit ja durchaus wünscht, und zweitens ist das Ganze eine Videospielverfilmung vor allem für Kinder, da darf dann auch übertrieben werden.

Und am Ende hat der Film sogar eine pädagogische Komponente. Wie bekommt man Kinder vom Sofa und von ihren elektronischen Geräten weg? In dem man ihnen ihren Videospielhelden zeigt, der wie wild in der Gegend herumrennt, so dass sie selbst Lust aufs Herumrennen bekommen. Bei den ersten Vorführungen beispielsweise in Berlin ist genau das passiert: Kaum war der Film zu Ende, stürmten einige von ihnen raus auf die Straße und lieferten sich Sonic-Wettrennen.

Sonic The Hedeghog, USA 2019, 100 Min., FSK ab 6, von Jeff Fowler, mit Jim Carrey, James Marsden, Julien Bam (deutsche Stimme von Sonic)

Sonic The Hedeghog

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