US-Schriftsteller John Updike gestorben

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Deutsche Presse-Agentur

Der Schriftsteller John Updike, seit Jahrzehnten einer der bedeutendsten Vertreter der amerikanischen Literatur, ist am Dienstag im Alter von 76 Jahren gestorben. Der zweifache Pulitzer-Preisträger erlag nach Angaben des Alfred A. Knopf Verlags einem Lungenkrebsleiden.

Er verbrachte seine letzten Tage in einem Pflegeheim nördlich von Boston, berichtete der „Boston Globe“. Zu seinen berühmtesten Büchern gehören die fünf Rabbit-Romane von „Hasenherz“ 1960 bis zu „Rabbit, eine Rückkehr“ 2002.

Updike, der sich schon in jungen Jahren zum Ziel gesetzt hatte, jedes Jahr ein Buch zu veröffentlichen, kam im Laufe seiner brillanten Karriere auf etwa 60 Bände, außer Romanen auch Kurzgeschichten und Gedichte. Er galt seit langem als Anwärter für den Literaturnobelpreis.

In seinen mehr als 20 Romanen entwarf Updike ein meisterhaftes Porträt der amerikanischen Mittelstandsgesellschaft. Satirisch, aber nie hämisch deckte er ihre Lebenslügen auf und schaute hinter die Fassade. Liebe und Leidenschaft, Untreue und Verrat, Sex und Ehebruch - das waren die Themen, die er mit unnachahmlicher Beobachtungsgabe virtuos erzählte.

Zu seinen bekanntesten Werken neben den Rabbit-Romanen gehört „Die Hexen von Eastwick“, das 1987 mit Jack Nicholson, Susan Sarandon, Cher und Michelle Pfeiffer hochkarätig verfilmt wurde. Sein Kollege Nicholson Baker war so fasziniert von Updikes elegantem Stil und spritzigen Intellekt, dass er der literarischen Ikone 1991 ein ganzes Buch widmete: „U and I“.

Andere Kollegen, unter ihnen Norman Mailer und Gore Vidal, hielten dagegen, dass Updike mit seinem großartigen Stil nur einen Mangel an inhaltlicher Substanz zu verbergen versuche. Suspekt machte ihn in den Augen weniger erfolgreicher Literaten, dass Updike vom Schreiben leben konnte - und zwar gut.

Updike kam am 18. März 1932 als Sohn eines Mathematiklehrers und seiner künstlerisch ambitionierten Frau im ländlichen Pennsylvania zur Welt. Seine Begeisterung für den Baseball-Star Ted Williams und die Liebe zum Meer zogen ihn 1957 in die Gegend von Boston, wo er sich bis an sein Ende wohlfühlte.

Während eines Studienjahres in England, begann er für das renommierte Literaturmagazin „The New Yorker“ zu schreiben. Er blieb der Zeitschrift, die auch Beiträge seiner Mutter (unter ihrem Mädchennamen) und später seines Sohnes David veröffentlichte, ein Leben lang treu.

Seine frühen Geschichten erinnerten Kritiker an die emotionale Empfindsamkeit seines Landsmannes J.D. Salinger („Der Fänger im Roggen“). Die stilistische Virtuosität seiner späteren Werke wurde mit denen von Vladimir Nabokov verglichen. Aller literarischen Anerkennung zum Trotz scheute sich Updike nicht, über die von ihm verehrte Doris Day oder Golf zu schreiben: „Golf spricht den Idioten in uns an und das Kind.“

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