Urteil zu Zwangsabfindung bei T-Online erwartet

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Deutsche Presse-Agentur

Vor dem Frankfurter Landgericht geht es für die Deutsche Telekom AG am Freitag um viele Millionen Euro. Das Gericht will seine Entscheidung bekanntgeben, ob die von der Telekom zwangsabgefundenen Aktionäre der früheren Internet-Tochter T-Online einen finanziellen Nachschlag erhalten.

T-Online war im Jahr 2000 als eigenständige Aktiengesellschaft an die Börse gebracht und 2005 gegen den Willen vieler Anleger wieder mit dem Mutterkonzern verschmolzen worden. Die Mehrheitseigentümerin Telekom hatte den Aktionären zunächst freiwillig bis zum Februar 2005 pro T-Online-Aktie 8,99 Euro angeboten, ziemlich exakt ein Drittel des ersten Ausgabepreises der Aktie von 27 Euro aus dem April 2000.

Mit dem Verschmelzungsvertrag beider von der Telekom beherrschten Unternehmen wurde schließlich am 8. März 2005 ein exaktes Umtauschverhältnis der Aktien festgelegt, gegen das sich mehr als 300 Aktionäre juristisch zur Wehr gesetzt haben. Für eine T-Online-Aktie gab es 0,52 Papiere der Muttergesellschaft, was zu damaligen Kursen einen Wert von 8,22 Euro darstellte. Grundlage waren Gutachten zum Unternehmenswert beider Aktiengesellschaften.

In dem Spruchverfahren geht es ausschließlich um die Höhe der Abfindung. Der Düsseldorfer Anlegeranwalt Peter Dreier zeigte sich am Donnerstag optimistisch, dass der Richter eine bare Zuzahlung festlegen wird. Das Gericht hatte bereits einen Vergleich vorgeschlagen, bei dem die Telekom pro Aktie 5,25 Euro nachzahlen sollte. Dies hatte das Unternehmen abgelehnt. Man gehe weiterhin davon aus, dass die Bewertung beider Unternehmen zur Verschmelzung rechtmäßig war, erklärte ein Telekomsprecher.

Ein Beschluss zugunsten der Anleger könnte für das ehemalige Staatsunternehmen teuer werden. Eine zusätzliche Barabfindung stünde grundsätzlich jedem zwangsabgefundenen T-Online-Aktionär zu, erklärte ein Justizsprecher. Die Ansprüche müssten allerdings individuell geltend gemacht werden. Bei einem Nachschlag von 5,25 Euro ergäben sich bei 120 Millionen Aktien eine Summe von 630 Millionen Euro.

Gegen den erwarteten Beschluss der ersten Instanz ist die Beschwerde beim Oberlandesgericht Frankfurt möglich, so dass eine endgültige Lösung des Rechtsstreits nicht zu erwarten ist. Denkbar ist auch ein Beschluss, weitere Beweise zu erheben.

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