Uraufführung der Auto-Oper „Die Jagd“

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Schwäbische Zeitung

Stuttgart (dpa) ­ Autotüren klappern im Takt, Hupen tönen im Chor ­ wo sonst Autos verkauft werden, führt die Staatsoper Stuttgart ein unkonventionelles Musikexperiment auf.

In der Auto-Oper „Die Jagd“ unter der musikalischen Leitung von Bernhard Epstein werden Autos als Instrumente genutzt. Sie sind Klangkörper und Kulisse für einen motorisierten Familienausflug, der im Gefühls-Chaos endet. Die Familie sucht in dem von Marianne Freidig geschriebenen und von Marios Joannou Elia komponierten Werk das Naturerlebnis und reibt sich auf im Spannungsverhältnis zwischen Ehe-Streit und der Pubertät der Tochter.

Nebenschauplatz ist ein Wald, in dem jeder der Protagonisten im Laufe des Stücks einmal verschwindet, um wilde Tiere zu jagen. Bis zum Ende des Stücks sind dann auch alle Protagonisten blutverschmiert. Tochter Isa, gespielt von der 32-jährigen Valerie Oberhof, erlebt in diesem Familienurlaub zwischen Camping und Jagdausflügen ihren ersten Vollrausch und kommt dem Autohändler Cem näher; der will sie aber nur ausnutzen, um an den Vater ein Auto zu verkaufen.

Ein Aston Martin und ein Mustang Shelby kommen in der Auto-Oper genauso vor wie ein altes Familienauto. Kurze Dialoge wechseln ab mit einer wohlkomponierten Vielfalt an Klängen aus ungewöhnlichen Klangkörpern. Musikalischer Höhepunkt ist dann auch das Hupkonzert direkt zu Anfang des Werks, das irgendwo zwischen profanem Rush-Hour-Sound und gelungener Geräusch-Komposition anzusiedeln ist.

Als vor einem Jahr die Idee zur Auto-Oper entstand, die in der Reihe „zeitoper“ aufgeführt wird, konnte man im Kulturbetrieb noch nicht ahnen, dass man den bühnenartig gebauten Verkaufsraum eines Stuttgarter Autohauses sinnvoll für die Oper nutzen kann. Das Publikum reagierte allerdings nur mit verhaltenem Applaus auf das Stück. Noch bis zum 31. Dezember wird die Auto-Oper in der Schwabengarage in Stuttgart aufgeführt.

www.staatstheater-stuttgart.de

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