Unzertrennlich nach Verona

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Unzertrennlich nach Verona
Das einstige Traumpaar Ulla (Veronica Ferres) und Jan (Heiner Lauterbach) sind als Biker auf dem Weg nach Verona. (Foto: Mark Popp/ARD / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Klaus Braeuer

Kinder werden nun mal groß und ziehen aus. Wenn aber eine Tochter gleich richtig Reißaus nimmt, dann packt die Eltern sofort wieder der Beschützerinstinkt, und sie fahren ihr hinterher.

Wie das zu- und ausgeht, ist ausgerechnet an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) im Ersten zu sehen - in der Komödie „Unzertrennlich nach Verona“.

Nach 20 Ehejahren ist die Luft raus, jedenfalls bei Ulla (Veronica Ferres) und Jan (Heiner Lauterbach). Die eher verkrampfte und kontrollsüchtige Untersuchungsrichterin und der viel impulsivere, lebenslustige verdeckte Ermittler haben sich getrennt. Zum 17. Geburtstag ihrer Tochter Julia (Paulina Rümmelein) schenkt Papa ihr eine Reise nach Verona, zum Konzert ihrer Lieblingsband.

Statt im Zug fährt sie aber mit ihrer Freundin Lea (Olivia Müller-Elmau) und deren Freund Daniel (Nick Romeo Reimann) im Jeep dorthin, denn in Verona will Julia vor allem ihren bis dahin unbekannten Romeo (Lukas Schmidt) aus dem Internet treffen. Als Jan daheim einen Schwangerschaftstest findet, fahren sie Julia kurzentschlossen mit dem Motorrad hinterher. Unterwegs wird gekabelt, gestritten und geflucht.

Damit ist die Handlung völlig hinreichend umrissen, größere Konflikte gibt es keine. Veronica Ferres (53, „Lena Fauch“, „Liebe auf den ersten Trick“) und Heiner Lauterbach (65, „Spuren der Rache“, „Gift“) machen den Ulk brav mit, samt Mehlbestäubung und Polizeigewahrsam. Die kurzen Szenen auf dem Motorrad sind noch die besten - was auch daran liegen könnte, dass Lauterbach selbst gern aufs Zweirad steigt und sie beide jeweils Kinder im Alter ihrer Filmtochter haben. Geholfen haben mag auch, dass das Schauspieler-Paar schon mehrfach gemeinsam vor der Kamera stand, so in „Rossini“ (1997) und zuletzt in „Meister des Todes“ sowie in „Unter deutschen Betten“.

Regisseur Andreas Herzog (51, „Die Patin - Kein Weg zurück“, „Trakehnerblut“) ist hier eine ganz nette Komödie gelungen, deren Hauptdarsteller nahezu ständig im Bild sind. Vor allem Lauterbach spielt überzeugend, auch die diversen jungen Darsteller können sich gut behaupten. Schön, dass Herzog ihnen so viel Raum lässt. „Der Zuschauer darf selbst entscheiden, wann er lacht“, sagte Herzog im ARD-Gespräch. „Bei der in deutschen Komödien oft üblichen Ankündigungsdramaturgie ist das nicht immer selbstverständlich. Es war mir also gerade deshalb sehr wichtig, die Figuren nicht zu Stichwortgebern für billige Schenkelklopfer zu machen.“

Das ist nur bedingt gelungen. Das Lachen bleibt dem Zuschauer oft im Halse stecken, sind doch die meisten Dialoge einfach zu einfallslos („Warum bin ich eigentlich ausgezogen? Weil ich dich rausgeschmissen hab’“) - sie sprechen einfach so, wie kaum jemand reden würde. Nur wenige Szenen sind echt komisch, die Charaktere zu unoriginell; dann geistern noch ein Möchtegern-Verbrecher und eine komische ältere Dame durchs Bild. Zudem ist das Ende der Handlung vorhersehbar, denn schließlich haben sich alle ganz furchtbar lieb und sind unzertrennlich. Aber die Stadt Verona - samt schmachtender Julia auf dem Balkon - ist immerhin hübsch ins Bild gesetzt.

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