Unter Herrenmenschen

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Unter Herrenmenschen
Vekuii Rukoro, traditioneller Führer der Herero, kommentiert, was der deutsche Kolonialismus in Namibia bedeutet hat und spricht über die Folgen bis heute. (Foto: Christel Fomm/Gruppe 5 / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Klaus Braeuer

Die unrühmliche Geschichte des deutschen Kolonialismus in Namibia hat gut 30 Jahre gedauert und das ganze Land radikal verändert. Darüber berichtet die Doku „Unter Herrenmenschen“. Arte strahlt sie am Dienstag (7. Januar, 20.15 Uhr) aus.

Sie ist Teil eines Themenabends. Ab 21.05 Uhr folgt eine weitere dreiteilige Doku („Entkolonisieren“), die von Algerien über Indien bis nach Vietnam die Geschichte der Dekolonisierung aufzeigt.

Swakopmund an der Küste des Atlantiks ist eine hübsche Stadt, die 1892 von deutschen Kolonisten gegründet wurde. Vor dem Stadthaus steht ein Marinedenkmal, das an die früher dort stationierten deutschen Soldaten erinnern soll und für einige heutige Stadtvertreter und Bürger die reinste Provokation darstellt. Sie fordern die Rückgabe an Deutschland. Das mag ein symbolischer Akt sein, doch er ist offenbar genauso wichtig wie die Frage, ob die Ursachen der Armut im Stadtteil Mondesa auf die frühere Kolonialzeit zurückzuführen sind.

Der Film reflektiert die Vergangenheit samt ihrer Folgen, die bis heute reichen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die Bevölkerung und der Bedarf an Lebensmitteln in Europa rasant, da schien Afrika wie gerufen, um sich dort ungeniert breit zu machen - zudem lockten viele Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und reichlich Platz für Siedler. Nachdem England, Frankreich, Italien und Portugal sich bereits bedient hatten, stieg auch Deutschland zur Kolonialmacht auf, in Ostafrika, Kamerun, Togo und Deutsch-Südwest (das heutige Namibia). Die rasch voranschreitende Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung der Bevölkerung hat die Gesellschaft dort geprägt, was im Film insbesondere durch kurze Lesungen aus alten Briefen deutlich wird.

Die Autorin Christel Fromm („Kap der Stürme - Land der Hoffnung“, „Ach, Europa!“) zeigt, dass Zehntausende in Namibia unter Entwürdigung, Entrechtung und Enteignung litten. Nachfahren tun es laut Doku noch heute.

Das Oberhaupt der Herero, Vekuii Rukoro, erklärt im Film: „Es gibt immer noch Hunger nach Land. Diejenigen, die von ihrem Land und Besitz vertrieben worden sind, haben sich bis heute nicht davon erholt. Dieser Verlust hat dazu geführt, dass ganze Generationen für mehr als hundert Jahre ruiniert worden sind“.

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