Undercover in Tokio: Christoph Peters' neuer Thriller

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Christoph Peters
Christoph Peters hat Spaß am Genre-Mix. (Foto: Uwe Zucchi / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Johannes von der Gathen

Seine Gegner eliminiert er mit messerscharfer Genauigkeit, ohne mit der Wimper zu zucken. Der japanische Auftragskiller Fumio Onishi ist ein Meister seines Fachs, effizient, intelligent, nicht unsympathisch.

Auf seiner Brust sind keine Schwerter tätowiert, sondern ein Blumenmeer. Und verliebt hat er sich auch. In eine Deutsche.

Ausgedacht hat sich diese ungewöhnliche Figur der 1966 am Niederrhein geborene Romancier und Erzähler Christoph Peters („Herr Yamashiro bevorzugt Kartoffeln“). In seinem coolen Berlin-Thriller „Der Arm des Kraken“ (2016) schickte der profunde Japan-Kenner Peters seinen Helden Onishi in die deutsche Hauptstadt, um den Mord an einem Japaner aufzuklären. Onishi richtet mitten im kuscheligen Prenzlauer Berg ein Blutbad unter Vietnamesen an, und muss schließlich mit seiner Freundin Nikola nach Tokio fliehen.

An diesem Punkt setzt Peters' neuer, sprachlich gewohnt ausgefeilter Gangsterroman „Das Jahr der Katze“ ein. Onishi und Nikola müssen in Tokio untertauchen, später suchen sie Zuflucht auf dem Land. Wegen der Ereignisse in Berlin steht Onishi auf der Abschussliste des jähzornigen, ständig betrunkenen Yakuza-Paten Takeda. Verlassen kann sich der kaltgestellte Killer nur noch auf seinen alten Meister Harada, der schon lange die Dekadenzerscheinungen innerhalb der japanischen Mafia beklagt.

Erzählt wird diese Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von Onishi und Harada. Schüler und Meister verbindet ein unsichtbares Band - sie können sich blind aufeinander verlassen. Ganz rührend dagegen erscheint es dann, wie der knallharte Karate-Meister, der seine Zöglinge stundenlang trainieren lässt, sich als fürsorglicher Familienvater outet, der alles für seine Frau Natsuko und den gemeinsamen Sohn Nobu tut. Sein Karma ist ihm wichtig.

Einerseits jongliert Christoph Peters in seinem „Culture-Clash“-Thriller gekonnt mit Genremustern aus japanischen Gangsterfilmen, in denen sich todesmutige Gangster tummeln und melancholisch in Pose setzen. Man fühlt sich erinnert an die Filme von Takeshi Kitano aus den 1990er Jahren. Aber auf der anderen Seite tragen die Figuren den Konflikt zwischen Tradition und Moderne, Gehorsam und Emanzipation aus und werden so zu Individuen.

Onishis deutsche Gefährtin Nikola kann mit dem ganzen Machismo der Mafia wenig anfangen, und Onishsi weiß selber, wie lächerlich das Männlichkeitsgehabe ist. Also zügelt er sich, um seine Freundin nicht zu verlieren. Die beiden sind schon ein denkwürdiges, fast stummes Pärchen. Über die Fitness-Trainerin Nikola erfahren wir kaum etwas, auch Onishis angebliche Samurai-Herkunft bleibt eher diffus. Aber wir bangen mit ihnen, wenn sie sich tapfer gegen dummdreiste Gangsterbanden schlagen. Gut möglich, dass es ein Wiedersehen mit den beiden gibt - auf einem anderen Kontinent.

- Christoph Peters: Das Jahr der Katze, Luchterhand Verlag, München, 2018, 351 Seiten, 22,00 Euro, ISBN 978-3-630-87476-0.

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