Umjubelte „Effi Briest“-Premiere

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Deutsche Presse-Agentur

Die mit großer Spannung erwartete Neuverfilmung des Theodor-Fontane-Romans „Effi Briest“ von Hermine Huntgeburth („Die weiße Massai“) hat am Montagabend in Anwesenheit von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsminister Bernd Neumann auf der Berlinale ihre Weltpremiere erlebt.

Der Film lief außer Konkurrenz in der Sonderreihe „Berlinale Special“ im größten Festivalkino, dem Friedrichstadtpalast. Die Regisseurin und ihr gesamtes Filmteam, darunter die Hauptdarsteller Julia Jentsch in der Titelrolle sowie Sebastian Koch, Barbara Auer, Rüdiger Vogler und Juliane Köhler, wurden mit starkem Applaus bedacht.

Berlin ist genau der richtige Ort für den Film, genauso wie die Berlinale“, sagte die Regisseurin nach der Vorstellung. „Ich freue mich, dass wir eingeladen wurden.“ Die Regisseurin veränderte den Schluss des Romans. Anders als bei Fontane stirbt Effi in dem Ehebruchdrama nicht, sondern geht erhobenen Hauptes einem neuen, selbstbestimmten Leben entgegen, genau so wie das historische Vorbild der Romanfigur, Elisabeth von Plotho (1853-1952), die Großmutter des Physikers Manfred von Ardenne.

Mit dieser neuen Verfilmung stand nicht der erste „Effi Briest“- Film auf einem Berlinale-Programm. Es gab bereits einen berühmten Vorgänger von Rainer Werner Fassbinder mit Hanna Schygulla in der Titelrolle. Er lief 1974 in Berlin sogar im offiziellen Wettbewerb, die Berlinale spricht rückblickend von einem „Meisterwerk“, die Jury sah das damals allerdings anders. „Dass Fassbinders Film bei der Preisvergabe leer ausging, stieß auf ebenso einhelliges Unverständnis und brachte der Jury harsche Kritik ein“, heißt es im Berlinale- Archiv rückblickend auf den Jahrgang 1974.

Andere „Effi Briest“-Filme drehten Gustaf Gründgens mit Marianne Hoppe („Der Schritt vom Wege“, 1939), Rudolf Jugert mit Ruth Leuwerik („Rosen im Herbst“, 1955) und der DDR-Regisseur Wolfgang Luderer mit Angelica Domröse („Effi Briest“, 1968) in der Titelrolle.

Vor der Aufführung am Montagabend hatte Kulturstaatsminister Neumann dem Produzenten des Films, Günter Rohrbach, die ihm von den Internationalen Filmfestspielen verliehene Berlinale-Kamera übergeben. In seiner Laudation sagte der frühere Fassbinder- und Hollywood-Kameramann Michael Ballhaus, Rohrbach habe in seiner langjährigen Produzententätigkeit bei Film und Fernsehen unendlich viel für den neuen deutschen Film getan und ein Gespür für viele Talente wie Edgar Reitz oder Wim Wenders gehabt. Rohrbach ist Präsident der Deutschen Filmakademie.

www.berlinale.de

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