Ultraschicker Alltagslook in Paris

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Deutsche Presse-Agentur

Allzu „Verkopftes“, Kunstgewerbliches oder Schräges hat keinen Platz bei den Trendsettern der Modebranche, die stimmige Konzepte gegen die Krise brauchen. Gut geschnittene graue Tageskleider, Mäntel mit Bindegürteln in Cameltönen, fließende Hosen, Shirt-artig geschnittene Blusen und nicht zuletzt das gute alte „Kleine Schwarze“ gelten demnach in der kommenden Saison als Schlüsselelemente weiblicher Kleidung. Alles muss einfach zu tragen und zu kombinieren sein: Gut angezogen, aber niemals abgehoben, lautet die Devise.

Perfekt auf den Punkt brachte es Yves Saint Laurent-Designer Stefano Pilati in seinem Defilee am Montagabend. Er startete mit edlen schwarzen Lederjacken und -mänteln im Bikerstil zu nach unten sich verjüngenden, lockeren Flanellhosen. Dann kamen schmal geschnittene Nadelstreifenmäntel oder -kostüme mit leicht betonten Schultern, spitz zulaufendem Revers und knapp knielangem Bleistiftrock, strahlend weiße Blusen mit weiten, gerafften Ärmeln oder sanft glitzernde Etuikleider in Braungrautönen. Die Stoffe waren allesamt weich und schmeichelnd, die Entwürfe zeugten von höchster Finesse. Selbst Pilatis Steppmäntel wirkten nicht grob und allzu sportlich sondern ausgehfein.

Auch Karl Lagerfeld setzte am Dienstagvormittag bei Chanel auf eine relativ schlichte Grundlinie, versah diese dann aber mit allerlei Details aus dem Fundus der Kostümgeschichte. Schwarze schmal geschnittene Kleider endeten eine Handbreit über dem Knie und waren mal mit cremefarbenen Rüschen, mal gestrickten Säumen oder Blüten aus Leder am Handgelenk verziert. Einige von ihnen zeigten rasante, spitze Ausschnitte bis zum Bauchnabel. Daneben gab es hautenge Catsuits mit abstraktem Muster, roséfarbene Stricktulpen über lockeren Hosen und schwarze, unterhalb der Hüfte plissierte Abendkleider. Handtaschen wurden wie Tornister auf dem Rücken getragen oder in eine transparente tragbare Hartplastikhülle verpackt. Häkelhüte in Topfform erinnerten ein wenig an Eierwärmer.

Stella McCartney kommt die neue Entspanntheit entgegen. Schon seit vielen Saisons folgt die britische Designerin dem Anspruch, Alltagstauglichkeit und Flexibilität mit Eleganz und Weiblichkeit zu verbinden. Am Montag inszenierte sie ein gekonntes Spiel von maskulinen und femininen Elementen, zeigte softe Blusen aus gewaschener Seide zu auf der Hüfte sitzenden grauen Herrenhosen, Miniröcke in Hahnentrittmuster, weite Lackmotorradjacken und lässige Trenchcoats. Viele Entwürfe zierte ein Band von schwarzer Spitze, die fließenden Lingerie-Gewänder am Abend wirkten dadurch noch verführerischer.

Die Kunst des Drapierens setzte das holländische Duo Viktor & Rolf in Szene. In kunstvolle Bahnen geschnittene Mäntel in Steinfarben oder Tabakbraun wirkten jedoch steif, Kleider mit kurvenförmig gerundeten Satinstufen erinnerten an Tagesgardinen. Überzeugender waren fließende blassgraue Entwürfe aus Seide mit feinen Details wie bezogenen Knöpfen oder schmale Tunika-Hose-Ensembles mit leichten Wellenformen. Die Gesichter der Models waren nach Art von Marmorstatuen weiß geschminkt. Und allein das zeigte, dass diese allzu konzeptionelle Schau am Leitbild der Saison vorbeischrammte: am wahren Leben echter Frauen.

Bildergalerie: Gut angezogen, nicht abgehoben

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