Zwei Dutzend Tote bei Einsturz von U-Bahnbrücke

Deutsche Presse-Agentur
Nick Kaiser und Andrea Sosa und Denis Düttmann

Beim Einsturz einer U-Bahnbrücke in Mexiko-Stadt sind mindestens 24 Menschen ums Leben gekommen. Insgesamt 79 Personen wurden bei dem Unglück im Südosten der Millionenmetropole verletzt ins Krankenhaus gebracht.

27 der Verletzten mussten auch mehr als zwölf Stunden später noch behandelt werden, wie die Chefin der Zivilschutzbehörde der Stadt, Myriam Urzúa, in einer Pressekonferenz mitteilte. Ihr zufolge waren 21 Opfer vor Ort gestorben, die übrigen drei erlagen in Kliniken ihren Verletzungen.

Zwei Waggons einer Bahn der Metro-Linie 12 waren am späten Montagabend einige Meter in die Tiefe gestürzt und miteinander zusammengestoßen, wie auf Videos in sozialen Medien zu sehen war. Unter dem eingestürzten Abschnitt der Überführung am Bahnhof Olivos am südöstlichen Rand der Metropole waren viele Autos unterwegs gewesen.

Ersten Erkenntnissen zufolge hatte ein Teil der Brücke nachgegeben. Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum kündigte Ermittlungen zu dem „bedauerlichen und schwerwiegenden Vorfall“ an. Unter anderem werde sie ein internationales Gutachterbüro mit einer statischen Untersuchung der Brücke beauftragen.

„Wir haben alle geschrien und sind dann in die Tiefe gestürzt“, zitierte die Zeitung „Reforma“ die Überlebende Itzel Yolitzin García. „Es war schrecklich.“ Die 26-jährige Mariana erzählte in einem von der Zeitung „Univeral“ veröffentlichten Video: „Wir hörten nur ein lautes Donnern und das Licht ging aus. Wir sind alle übereinander gestürzt. Viele Menschen haben um Hilfe gerufen.“

Ein Großaufgebot an Rettungskräften holte die Menschen zunächst mit einer Leiter aus den herabhängenden Waggons. Mit einem Kran hoben Einsatzkräfte am Dienstag die verunglückten Waggons von der zusammengebrochenen Brücke.

„Ich habe auf mein Handy geschaut, als der Zug gebremst hat. Es hat sich so angefühlt, als würde man mich wegziehen. Ich bin auf die Leute gefallen und die Leute sind auf mich gefallen“, sagte der 21-jährige Alejandro Porcayo im Fernsehsender Televisa. „Danach habe ich mich aus der halboffenen Tür gelehnt und bin rausgesprungen.“ Das Blut auf seinem Hemd stamme von einer Person, die bei dem Unglück die Hand verloren habe.

Anwohner hatten Berichten zufolge bereits vor Jahren Schäden an Pfeilern entlang der Strecke der U-Bahnlinie 12 angeprangert. Nach dem schweren Erdbeben im September 2017 hätten Bürger sich gesorgt, das Bauwerk könne einstürzen, hieß es. Demnach waren nach dem Erdstoß der Stärke 7,1 unter anderem Risse aufgetreten.

Die Linie 12 wurde im Jahr 2012 eingeweiht und ist damit die neueste Metro-Linie der Stadt, in deren Großraum etwa 22 Millionen Menschen leben. Nach Angaben der Metro-Direktorin Florencia Serranía vom Dienstag fahren jeden Tag im Schnitt 220.000 Passagiere mit der sogenannten Goldenen Linie. Bei der letzten Überprüfung der Strecke vor einigen Monaten seien keine Probleme festgestellt worden.

Die Linie 12 stand auch im Zentrum eines der größten Skandale der vergangenen Jahre in Mexiko-Stadt. Schon rund 15 Monate nach der Einweihung musste der Betrieb ab März 2014 für mehr als eineinhalb Jahre eingestellt werden, nachdem schwerwiegende strukturelle Mängel festgestellt wurden. Unter anderem gab es eine starke Abnutzung der Schienen und Probleme an Brücken und Kurven.

Darüber hinaus wurde bei einer Untersuchung festgestellt, dass ein Teil der von der Bundesregierung für das Projekt bereitgestellten Mittel nicht gerechtfertigt waren. Mehr als 60 Beamte wurden später wegen Unregelmäßigkeiten sanktioniert. Zur Bauzeit war der heutige Außenminister Marcelo Ebrard Bürgermeister von Mexiko-Stadt. Als die Ermittler auch ihn ins Visier nahmen, setzte er sich für rund drei Jahre nach Paris ab. Nach dem Unfall vom Montag sagte Ebrard, er stehe den Ermittlungsbehörden zur Verfügung.

© dpa-infocom, dpa:210504-99-457366/12

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