TV-Star Oliver Kalkofe rechnet nach Küblböck-Verschwinden mit TV-Geschäft ab

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Oliver Kalkofe
Medienkritiker, Moderator und TV-Satiriker Oliver Kalkofe kritisiert die Entwicklung der Medien. (Foto: Jens Kalaene / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Schwäbische Zeitung

Am Montag war die Suche nach dem in der Labrador See vermissten Sänger Daniel Küblböck eingestellt worden. Der Sänger, der auf einer Reise an Bord eines Aida-Schiffes war, hat sich wohl das Leben genommen, eine Suizidabsicht gilt als wahrscheinlich.

Jetzt hat sich der TV-Satiriker Oliver Kalkofe ebenfalls zu Wort gemeldet: Küblböcks Suizid stimme ihn „unendlich traurig“, und wenn er „die unglaublich vielen dummen, abartigen und emotionslosen Witze lese“, werde er wütend. Auch er habe oft über ihn gespottet. „Jedoch nicht über ihn als Person, sondern nur über seine Aktionen und Auftritte — wo er natürlich auch bewusst zu solchen Reaktionen provozierte.

Und glücklicherweise gehörte er zu den Menschen, die auch selbst über sich lachen konnten.“ Küblböck habe zu den Menschen gehört, „die bunt und anders sind, die ihr Publikum begeistern und auch nerven können. (…) Lebewohl, Daniel, Du warst ein lustiger Verrückter, der diese Welt zumindest bunter und vielfältiger gemacht hat.“

Im gleichen Post griff Kalkofe aber auch die Fernseh-Macher scharf an. Auf tragische Weise sehe man anhand der Anfeindungen gegen Küblböck die Auswirkungen der Casting-Shows und des immer seelenloser werdenden Fernsehens, so Kalkofe weiter.

"Junge Menschen, die Bestätigung suchen, werden innerhalb kürzester Zeit zu gefühlten Superstars, werden bejubelt oder auf einmal ausgebuht, urplötzlich lieben oder hassen sie Tausende oder gar Millionen von Menschen. Und genauso schnell sind sie wieder vergessen, werden nicht mehr beachtet und von anderen für ihr kurzes Kratzen am Ruhm ausgelacht und abgelehnt", prangerte Kalkofe an. 

Sein Facebook-Post verbreitete sich rasend schnell, am späten Dienstagabend hatte der Satiriker zehntausende Facebook-User mit seinem Appell erreicht. Doch dieser blieb nicht ohne Kritik. Einige User kommentierten, Kalkofe selbst hätte zu den Lebzeiten von Daniel Küblböck diesen mit Häme begleitet.

Daniel Küblböck
Daniel Küblböck. (Foto: Jörg Carstensen/Archiv / DPA)

Kalkofe reagierte darauf und stellte heraus, er habe nie über die Privatperson Daniel Küblböck Witze gemacht, sondern lediglich über seine öffentlichen und beruflichen Auftritte.

Wann der Sänger für tot erklärt wird, ist offen. Geht jemand über Bord eines Schiffes und wird vermisst, kann ein Gericht auf Antrag den Tod erklären oder die Todeszeit feststellen. Dies regelt das Verschollenheitsgesetz. Das Gesetz sieht für eine Todeserklärung unterschiedliche Fristen vor, die verstrichen sein müssen. Als verschollen gilt jemand, von dem es seit längerer Zeit kein Lebenszeichen gibt und ernstliche Zweifel an seinem Fortleben bestehen. Allgemein kann jemand für tot erklärt werden, wenn er seit zehn Jahren als verschollen gilt. Wenn Menschen bei einer Fahrt auf See verschwinden — bei einem Schiffsuntergang oder durch einen Sturz vom Schiff — dann gilt eine kürzere Frist von sechs Monaten.

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