TV-Kritik zum Landkrimi „Endabrechnung“

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Endabrechnung
Severin Verginer (Harald Windisch) will es brennen lassen. (Foto: Oliver Oppitz/ZDF / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Carsten Rave

Österreichs Grenzen waren früher einmal großzügiger gesteckt als heute. Einst gehörte zum Reich der Habsburger auch Südtirol - doch das ist seit 100 Jahren Geschichte.

Die österreichische Rundfunkgesellschaft ORF sieht dies schon mal etwas großzügiger: Denn für eine Ausgabe des sogenannten Landkrimis ermittelt Kommissar Höllbacher, gespielt von Robert Palfrader, in der Gegend von Meran. 90 Minuten ist Südtirol in der Hand österreichischer TV-Ermittler. Danach ist die „Endabrechnung“, zu sehen an diesem Montag (1. Juli) um 20.15 Uhr im ZDF, aber vorbei, und Südtirol ist wieder fest in italienischer Hand.

Nicht selten profitieren Fernsehkrimis von ihren starken Kommissarfiguren, und mit einem unverwechselbaren hartleibigen Charakter zieht auch der Höllbacher in das leichenreiche Spektakel. Erst lässt er sich nach dem Debakel um den Selbstmord eines Geistlichen von seiner Tätigkeit beurlauben, dann wird der kantig-kauzige Kommissar wieder magisch in seinen Job zurückgesaugt.

Denn in Meran mit seinem wunderschönen Berg-Panorama passieren fürchterliche Dinge, die einen ehrenwerten Polizisten nicht ruhen lassen können. In Österreich wurden bereits vor zweieinhalb Jahren gut 700.000 Zuschauer Zeugen davon, denn im Sommer 2016 wurde gedreht - ein langer Weg bis zur Deutschland-Premiere.

Der Moment, als Höllbacher wieder rückfällig wird, ist der brutale Mord an dem Chef der Vienna-Sparkasse. Ein Motorradfahrer hat ihn bei einer öffentlichen Ansprache einfach mit der abgesägten Schrotflinte umgelegt. Kurz danach wird die Vorstandsvorsitzende der Bank im Bett erschossen.

Fürchterliche Ahnungen kommen den ermittelnden Behörden, allen voran dem arroganten und selbstverliebten Staatsanwalt Nicoletti (Tobias Moretti), der bei einer Pressekonferenz islamistischen Terrorzellen die Schuld in die Schuhe schiebt.

Doch Höllbacher, der Nicoletti nicht ausstehen kann, ist mit seinen Gedanken und seinem Riecher schon ganz woanders. Denn da wäre noch sein guter alter Freund Severin (Harald Windisch). Mit ihm leert Höllbacher das ein oder andere Gläschen Rotwein, bis er bemerkt, dass Severin eine Last mit sich herumschleppt. Seine Eltern sind einst von der Viennabank über den Tisch gezogen worden.

Höllbacher ahnt erst allmählich, dass der Weggefährte eng mit den aktuellen Mordfällen verstrickt ist. Der Zuschauer hat längst von der Täterschaft des zurückgezogen lebenden Hoteliersohns erfahren. Der lange Weg Höllbachers bis zum Ermittler-Triumph, aber auch zur persönlichen Niederlage und dem Ende einer langen Freundschaft gerät zum Psychoakt.

Der Montagabend im ZDF ist einer der quotenstarken Abende des Senders, der gelegentlich im Winter bis zu acht Millionen Zuschauer mit seinen Krimis vor die Bildschirme holt. Doch ein Publikumsrenner dürfte dieser Film nicht werden, denn zu speziell ist vor allem die Sprache.

Trotz synchrontechnischer Nachbearbeitung ist der Dialekt schwer zu verstehen - Untertitel wären teilweise recht sinnvoll gewesen. „Palfrader artikuliert ein derart makelloses Südtirolerisch, als hätte er tagaus, tagein eine Handvoll Alpendolomiten im Mund stecken“, schrieb der Wiener „Standard“ zur österreichischen TV-Premiere.

Palfrader hat sich in Österreich unter anderem Meriten mit der TV-Satire „Wir sind Kaiser“ erworben, in der er als österreichischer Herrscher prominente Zeitgenossen empfängt und sie zum Diener oder Knicks zwingt. Zum Schluss belohnt ihn Drehbuchautor Peter Probst mit einem intensiven Filmkuss mit einer Zeugin. Regisseur des Stücks ist Umut Dag, als Sohn eines kurdischen Ehepaars 1982 in Wien geboren - er erhielt für die „Endabrechnung“ bei der Verleihung des österreichischen Fernsehpreises Romy 2017 den Preis für die beste TV-Regie. Dag inszenierte unter anderem auch den „Tatort“ mit dem Titel „Das Monster von Kassel“.

Wer beim Abspann noch dabei ist, wird die Worte „In Erinnerung an Isi Wimmer“ lesen. Für den im Herbst 2016 gestorbenen Ausstatter Isidor Wimmer war dieser Film eine seiner letzten Arbeiten.

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