Tscheche gewinnt Hirschruf-Europameisterschaft

Lesedauer: 4 Min
Deutsche Presse-Agentur

Bedrohlich tief und grimmig seufzend röhrt es durch die Messehalle. Schließt man die Augen, wähnt man sich fast auf einer Waldlichtung: Die besten 24 Hirschrufer Europas haben am Samstag bei der Jagdmesse „Jagd & Hund“ um die Wette geröhrt.

Die acht Juroren, allesamt gestandene Jäger, waren sich schließlich einig: Der 23-jährige Volkswirtschaftsstudent Jan Brtnik aus der Nähe des tschechischen Marienbad vermag die Brunftschreie der Rotwild-Männchen am besten nachzuahmen.

Die Männer meinen es ernst. In traditioneller Jagdkleidung treten sie nacheinander vor das Mikrofon und legen los - ungesehen von den Kampfrichtern. Dabei pusten sie in längenverstellbare Plastikröhren, fast fußballgroße Meeresschnecken mit einem Loch an der Spitze oder hohle Ochsenhörner, einen halben Meter lang. Konzentriert geht es zur Sache. Mehrmals wird angesetzt. Die Aufgaben sind schwer: In der ersten Runde sollen die 24 Teilnehmer einen alten Hirsch nachahmen, der mit ein paar weiblichen Tieren, dem sogenannten Kahlwild, abseits des Brunftplatzes steht.

Zweck der kurios anmutenden Lautäußerungen ist, während der Brunftzeit des Rotwildes von September bis Anfang Oktober dem „Platzhirsch“ einen Nebenbuhler vorzutäuschen. Damit will der Jäger ihn aus der Deckung locken, um das Tier für einen möglichen Abschuss beurteilen zu können. Die Kunst, den Hirsch zu rufen, sei „anspruchsvolles jagdliches Handwerk“, lässt der Veranstalter wissen. Die Lock- und Rufjagd habe eine jahrhundertelange Tradition.

Die mehr als 500 Zuschauer sind durchaus angetan. „Es ist sehr realistisch“, sagt ein 47-jähriger Jäger aus dem nordrhein-westfälischen Spenge, der auch schon echte Hirsche röhren hörte. Natürlich sehe es ein wenig komisch aus, aber teilweise seien die Hirschrufer sehr gut. Ein 57-Jähriger pflichtet ihm bei. Skurril findet er das Hirschrufen nicht. „Jeder soll sein Hobby haben“, sagt er. Er selbst gehe durch den Wald und sammele abgeworfene Hirschgeweihe. Eine Frau aus den Niederlanden, die zuvor noch nie vom Hirschrufen hörte, fand es lustig anzusehen.

Jüngster Teilnehmer in Dortmund war der 14-jährige Julian Hochleitner aus Goldegg im Salzburgerland. Zusammen mit seinem Vater und seinem Onkel repräsentierte er die österreichischen Hirschrufer. Er schaffte es auf Platz 12 - noch vor seinem Vater - und war nicht enttäuscht. „Ich habe viel zu hell geschrien.“ Er sei gerade im Stimmbruch und seine Stimme noch nicht so tief. Er will aber weitermachen. Onkel Christian Hochleitner, Berufsjäger in Werfen bei Salzburg, wurde Dritter. Wie er sich vorbereitet hat? „In den letzten zwei Wochen habe ich jeden zweiten Tag etwa 20 Minuten gerufen“, sagt der 46-Jährige. „Im Wohnzimmer, meistens, wenn niemand zu Hause war - damit es die Familie nicht stört.“ Auch er will weitermachen. In früheren Jahren war er bereits zwei Mal österreichischer Meister.

www.jagdundhund.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen