True Story

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True Story
James Franco (r) als Christian Longo und Jonah Hill als Journalist Michael Finkel in einer Szene des Films "True Story - Spiel um Macht". (Foto: Barry Wetcher / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Marco Krefting

Seitenlanges Versagen. Immer wieder gescheitert. Mal sah es gut aus, doch dann ging es erneut schief. Christian Longos Leben ist eine Art Anti-Bewerbung. Nun sitzt er im Gefängnis, weil er seine Familie umgebracht haben soll. Die Frau und die drei kleinen Kinder. Die Leichen in Koffer gepackt und im Wasser versenkt.

Seine Geschichte schildert er einem anderem Gescheiterten: Journalist Michael Finkel, der beim „New York Times Magazine“ rausflog, weil er zum Aufpeppen einer Geschichte die Wahrheit verdrehte. Aus mehreren Biografien eine machte, damit der Protagonist spannender wird.

Ihm hat Longo sein Leben geschickt: Zig Seiten Text, garniert mit teils düsteren Kritzeleien. Finkel will ein Buch schreiben und so seinen Ruf rehabilitieren. Ein Buch über den mutmaßlichen Mörder und seine wahre Geschichte. Das ZDF zeigt „True Story - Spiel um Macht“ auf Basis einer wahren Geschichte am Samstagabend um 23.00 Uhr.

Die beiden verbindet die Lüge: Longo hat sich vor seiner Verhaftung als Finkel ausgegeben, den preisgekrönten Star-Reporter. „Während Sie meinen Namen benutzt haben, hat man ihn mir gleichzeitig genommen“, sagt der. „Vielleicht können Sie mir ja sagen, wie es ist, ich zu sein.“ Finkel besucht Longo im Gefängnis, sie schmieden den Plan für das Buch. Im Gegenzug möchte der Angeklagte, dass Finkel ihm das wohlklingende Schreiben beibringt. Lange, kammerspielartige Gespräche über Wahrheit, Schuld und das Leben der beiden folgen. Zwei Leben, die so unterschiedlich sind und doch oft so parallel verlaufen.

James Franco spielt Longo, der ruhig, aber manipulativ spricht, Mitleid erweckt. Die Seite passt nicht zu dem skrupellosen Scheusal, für das die Staatsanwaltschaft ihn hält. Der Zuschauer kann nicht hinter die Fassade schauen - aber merkt die ganze Zeit, dass dort etwas verborgen liegt. Finkel schaut auch nicht dahinter, sondern hoch zu Longo. Jonah Hill spielt den eitlen, überheblichen, aber doch naiven Journalisten. Seine Freundin Jill (Felicity Jones) ist es, die sich nicht von Longos Art um den Finger wickeln lässt.

Obwohl der Film auf einer wahren Begebenheit beruht, überzeugt die Geschichte nicht so ganz. Die Charaktere sind zu simpel angelegt, Spannung kommt kaum auf. Einzig kann sich der Zuschauer bis zum Ende fragen, auf welche Weise Longo wohl wirklich welche Taten begangen hat. Wohl nicht ohne Grund läuft der Film im Spätprogramm.

Nachdem er im August 2015 in die deutschen Kinos gekommen war, sahen ihn in den ersten beiden Monaten laut Filmförderungsanstalt auch nur gerade einmal 43 717 Besucher. Damit schaffte er es am Jahresende bei weitem nicht in die Jahreshitliste der beliebtesten 100 Kinofilme.

Wer sich wie Finkel auf Longo einlässt, kann dessen eiskalte Strategie verfolgen. Vom Profi lässt er sich beim Formulieren schulen: Keine doppelten Verneinungen nutzen etwa oder Dinge erzählen, die jeder nachvollziehen kann und die einen sympathisch machen - dass kleine Kinder Teddybären brauchen zum Beispiel. All das hört Finkel auf einmal wieder - diesmal aus dem Mund des Angeklagten. Und schon wieder scheint eine Welt zusammenzubrechen.

© dpa-infocom, dpa:200729-99-962307/3

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