Tod und Sterben in der Rockmusik

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Deutsche Presse-Agentur

Eine blutverschmierte Brille liegt vor der Skyline von New York, der Stadt, in der Beatle John Lennon 1980 ermordet wurde.

Eine Porträt-Kollage zeigt das Letzte Abendmahl, doch außer Jesus haben alle Jünger die Gesichter von gestorbenen Rock-Musikern wie Elvis Presley, Janis Joplin oder Jim Morrison. Der Tod ist in der Rockmusik seit Mitte der 50er Jahre immer wieder Thema. Europas erstes Rock- und Popmuseum im westfälischen Gronau zeigt vom 1. März bis zum 26. April eine Ausstellung über die Vergänglichkeit und zeichnet damit ein Spiegelbild der Gesellschaft mit ihren Befindlichkeiten.

Die Hülle mit der blutverschmierten Brille zur Platte „Season of Glass“, die Lennons Frau Yoko Ono nach seinem Tod herausgegeben hat, und die Plattenhülle zu „The Last Supper“ der Bollock Brothers mit der Abendmahl-Szene sind nur zwei der rund 200 Platten- und CD-Cover, die die Schau zeigt. Daneben dokumentiert die Ausstellung mit dem Titel „The Sun Ain't Gonna Shine Anymore - Tod und Sterben in der Rockmusik“ etwa 30 Videos und rund 60 Liedtexte von Musikern wie den Rolling Stones, Doors-Sänger Jim Morrison („Light My Fire“) und US- Rocker Alice Cooper. Ergänzt wird die Schau durch 16 großformatige Porträt-Malereien des norddeutschen Malers Ole Ohlendorff, der gestorbene Rock'n'Roll-Größen wie Sid Vicious von den Sex Pistols oder Falco („Der Kommissar“) malt.

Die Schau will den Besucher mitnehmen auf eine „verdichtete“ Reise durch die Rockgeschichte: „Es mangelte nicht an Exponaten, die Auswahl war schwierig“, sagte der Initiator der Schau, Josef Spiegel, am Donnerstag. Der vielleicht auf den ersten Blick eher überraschende Titel der Schau zeige die Entwicklung des Todesmotivs. „The Sun Ain't Gonna Shine Anymore“ sei ursprünglich der Titel eines Liedes der Walker Brothers über eine sehnsüchtige Liebe gewesen. Später aber habe die Gruppe Joy Division nach dem Selbstmord ihres Sängers Ian Curtis eine Platte mit diesem Titel herausgebracht und so das ursprüngliche Liebeslied verdüstert.

„Wenn Musik das flüchtigste Medium ist und der Tod der größte Gleichmacher, dann liegt die Verbindung von Tod, Sterben und Musik auf der Hand“, sagte der Mitherausgeber des Ausstellungskataloges, Roland Seim. Noch zu Beginn der 60er Jahre habe der Tod in der Rockmusik bis auf wenige Ausnahmen kaum eine Rolle gespielt. Erst Jahre später habe sich das durch den Vietnam-Krieg und den Drogen-Tod vieler Musiker wie Jim Morrison, Jimi Hendrix und Janis Joplin geändert. Im Hardrock hätten dann vor allem Schock- und Horroreffekte im Vordergrund gestanden.

Auf rund 7000 Besucher hofft der Kurator des Rock- und Popmuseums, Thomas Mania, in der Geburtsstadt von „Panik“-Rocker Udo Lindenberg. Im vergangenen Jahr seien rund 40 000 Besucher gezählt worden. An der Entstehung des im Sommer 2004 eröffneten Ausstellungshauses hatte der wohl bekannteste Sohn der 47 000-Einwohner-Stadt maßgeblich mitgewirkt.

www.rock-popmuseum.de

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