Tod eines Brandstifters: Zum Tod von Keith Flint

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 Keith Flint beim Auftritt Ende November 2018 in Berlin: Der britische Sänger war das Gesicht von The Prodigy.
Keith Flint beim Auftritt Ende November 2018 in Berlin: Der britische Sänger war das Gesicht von The Prodigy. (Foto: Imago)

Elektropunk, Klangpionier, Bühnenderwisch: Keith Flint gehörte in den 1990er-Jahren mit seiner Band The Prodigy dank Hits wie „Firestarter“ zu den einflussreichsten Musikern der Welt. Jetzt ist der britische Sänger und Tänzer gestorben. Er wurde nur 49 Jahre alt.

Die Polizei hatte den 49-Jährigen am Montagmorgen leblos in seinem Haus in der englischen Grafschaft Essex gefunden. Zur Todesursache hatte die Polizei sich nicht geäußert, aber mitgeteilt, sie stufe den Tod als „nicht verdächtig“ ein – es handele sich also nicht um ein Verbrechen.

Wer im Jahr 1996 den deutschen Musiksender Viva oder MTV einschaltete, den erwischten The Prodigy kalt: Zwischen Eurodance der Marke DJ Bobo und Boybands à la Backstreet Boys lief die Hitsingle „Firestarter“. Keith Flint tanzte in dem Schwarzweiß-Clip wie besessen herum, streckte provokativ die Zunge heraus und war mit seiner Frisur – wenn man die Mischung aus kahlrasiertem Schädel und zu Teufelshörnern gestylten Haaren so nennen kann – ein wahrer Bürgerschreck. Der Song verschaffte der britischen Band rund um den Globus Aufmerksamkeit, und mit dem nicht weniger kontroversen Ekel-Clip zu „Breath“ war der kommerzielle Durchbruch geschafft. Das dazugehörige Album „The Fat of The Land“ avancierte zum meistverkauften Album 1997 und schaffte es in 27 Ländern auf Platz eins der Charts, auch in Deutschland. Mit ihrem innovativen Sound trafen The Prodigy einen Nerv: Die Musik kombinierte Rave und Electro mit harten Gitarren, punkiger Außenseiter-Attitüde und bissigen Breakbeats – und war härter als so manche Rockband. Als die deutsche Musikzeitschrift „Metal Hammer“ sich damals neuen Stilrichtungen öffnete, sich in „New Rock und Metal Hammer“ umbenannte und Keith Flint aufs Cover nahm, rebellierte die Leserschaft und warf dem Blatt Anbiederung an den Kommerz vor. Ein Elektropunk, der harten Metallern nicht geheuer war – The Prodigy provozierten nicht nur in deutschen Mittelschichtwohnzimmern.

Keith Flint war mit seinem diabolischen Äußeren das Gesicht und mit seiner ekstatischen Live-Performance das Aushängeschild der Band, hatte aber eigentlich als Tänzer in der Band angefangen. Gegründet wurde The Prodigy 1990 von Liam Howlett, der als musikalischer Kreativkopf der Band gilt, gemeinsam mit Flint und Leeroy Thornhill. Der DJ Maxim Reality komplettierte die Band. Bereits fünf Jahre später standen The Prodigy beim englischen Glastonbury-Festival auf der Bühne.

Auf den Erfolg mit „The Fat of The Land“ folgte eine längere Pause. Erst 2004 kam ein neues Album. Auch in den darauffolgenden 14 Jahren brachte die Band regelmäßig neue Studioalben heraus, zuletzt im November vergangenen Jahres „No Tourists“. Während in England der erste Platz in den Charts quasi abonniert war, konnten The Prodigy den Erfolg der 1990er in anderen Ländern aber nie wiederholen. 2009 gelang der Band mit ihrem Album „Invaders Must Die“ der größte Erfolg seit 1997 (Platz drei in den deutschen Charts). Ihre Shows auf großen Festivals mobilisierten immer wieder die Massen. Auch abseits der Bühne liebte Flint, der im Londoner Stadtteil Redbridge geboren wurde, den Adrenalinstoß: Er war Motorradfahrer und besaß ein eigenes Motorsport-Team, mit dem er sogar einige Siege verbuchen konnte.Über sein Privatleben ist ansonsten nicht allzuviel bekannt.

In Süddeutschland waren The Prodigy mehrfach zu Gast. Beim Southside Festival in Neuhausen ob Eck (Kreis Tuttlingen) traten The Prodigy 2010 und 2018 auf. Die Band hatte vergangenes Jahr den etwas undankbaren Auftritt am Abend des letzten Festivaltags, riss die übernächtigten Konzertbesucher aber mit einer irrwitzigen Show nochmal mit. 2016 war die Band als einer von mehreren Headlinern bestätigt. Doch als das Festival bereits wenige Stunden nach dem Auftakt von einem heftigen Unwetter getroffen wurde, unterbrachen die Veranstalter das dreitägige Open Air zunächst und beendeten es Samstagfrüh vorzeitig. Kein Hauptact kam zum Zug, auch The Prodigy konnten nicht auftreten.

Die Nachricht von Flints Tod rief im Netz Trauer hervor. „Zutiefst geschockt und mit Traurigkeit bestätigen wir den Tod unseres Bruders und Freundes Keith Flint“, hatten The Prodigy am Montag via Twitter bekannt gegeben. Auf dem offiziellen Instagram-Profil von The Prodigy postete Howlett, dass sich Flint am Wochenende das Leben genommen habe. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es bislang allerdings nicht.

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