Titus Andronicus: Laut und ungestüm

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Deutsche Presse-Agentur

Titus Andronicus haben mit ihrem Debütalbum „The Airing of Grievances“ ein Ventil gefunden, ihrem Frust freien Lauf zu lassen. Die wuchtigen, mit Herzblut geschriebenen Hymnen treiben den Puls aller Punk- und Folkrock Fans in die Höhe.

Was hat ein idyllisches, in Nordamerika gelegenes Städtchen wie Glen Rock, New Jersey mit weniger als 12 000 Einwohnern für Jugendliche zu bieten? Gewöhnlich träumen Mädchen davon, Cheerleader zu werden, und Jungs posen mit ihrem Pick-up vor der Highschool. So stellt man sich das vor.

Nur eine Band unbeugsamer College-Studenten lässt sich nicht von dem kleinstädtischen Idyll trügen: Titus Andronicus. Der Name ist passend in Anlehnung an die tragischen Gestalt des rachsüchtigen römischen Feldherrn aus dem gleichnamigen epischen Werk William Shakespears gewählt. Er unterstreicht das brachial existentialistisch anmutende Konzept des Albums, in dem die Band mit der Bürgerlichkeit abrechnet und eine zerbrochene Welt hinterlässt.

Als folgten sie einer Handlungsanleitung bei South Park, wandeln Titus Andronicus scheinbar aussichtslos in der lähmenden Eintönigkeit. Und als wäre es das einzige Ventil, konzentrieren sich die fünf Musiker aus New Jersey auf gewaltvolle Punkriffs mit nihilistisch anmutenden Songtexten. Es ist die Fortsetzung dessen, was die Punkwelle als Antihaltung gegenüber den beharrlich gepflegten Normen einer Generation formulierte - jedoch mit poetisch zwinkerndem Blick.

Kopf und Songwriter der Jungs ist der 23-jährige Sänger, Gitarrist und Keyboarder Patrick Stickles. Er will mit „No Future“ provozieren und Abgründe menschlichen Daseins überzeichnen, indem er polarisiert. Fast jeder Song beginnt mit ruhigen, einfachen volkstümlichen Melodien. Im Opener „Fear and Loathing in Mahwah, NJ“ wird diese mit einem schreiendem „Fuck you“ des Sängers unterbrochen und entlädt sich explosionsartig in dem halsbrecherischem Crescendo der Band.

Gesanglich lassen sich im überdrehten Sinn durchaus Parallelen zu Bright-Eyes-Sänger Conor Mullen Oberst ziehen, aber auch musikalische Einflüsse der bissig-exzentrischen Pogues sind durchaus nachvollziehbar. Dramatischer Höhepunkt des Albums ist die selbstbetitelte Untergangs-Hymne „Titus Andronicus“, in der donnernd „Your life is over“ skandiert wird.

www.titusandronicus.net

www.myspace.com/titusandronicus

www.beggarsgroup.de

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