Tierisches Wooferendum gegen den Brexit

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Deutsche Presse-Agentur

Hunderte Hundehalter haben am Sonntag mit ihren Tieren in London gegen den Brexit demonstriert. Unter dem Motto „Wooferendum“ forderten sie eine Volksabstimmung über das finale Abkommen zum EU-Austritt. Viele Herrchen und Frauchen hatten ihren Tieren EU-Fahnen auf den Rücken gebunden oder blaue Hundecapes mit gelben Sternchen umgelegt.

Mit Plakaten wie „Brexshit“ oder „Brexit is bollocks“ - „Brexit ist Mist“ zogen sie vom noblem St.-James-Viertel über den Trafalgar Square zum Parlament.

Der humorvolle Protest soll nach Angaben der Veranstalter zu Menschen durchdringen, die beim trockenen Thema EU-Austritt schon abgeschaltet haben. „Manchmal ist es besser, wenn man eine Botschaft mit ein bisschen Humor rüberbringt, als allzu moralisierend und ernst zu sein“, sagte Teilnehmerin Kim Milward der Deutschen Presse-Agentur. Die sehbehinderte 48-Jährige war mit ihrem Blindenhund Woody, einem schwarzen Labrador Retriever, extra aus Northampton angereist. Sie hofft, dass es zu einem zweiten Brexit-Referendum mit der Möglichkeit zur Abkehr vom EU-Austritt kommt.

Robert Stuhldreer, ein professioneller Hundetrainer für Film, Fernsehen und Theater, der gleich drei Hunde mitgebracht hatte, zeigte sich nicht so optimistisch. Trotzdem habe er das Gefühl, dass die Idee mehr Schwung bekommen habe, sagte der 57-Jährige Londoner. „Die Regierung ist in einem fürchterlichen Schlamassel zur Zeit.“

Großbritannien wird die EU voraussichtlich am 29. März 2019 verlassen. Doch die Brexit-Verhandlungen stecken in einer Sackgasse. Sollte kein Abkommen rechtzeitig zustande kommen, droht ein ungeregelter Austritt mit drastischen Folgen für die Wirtschaft und Chaos in vielen Lebensbereichen. Brüssel drängt auf Fortschritte zum nächsten EU-Gipfel Mitte Oktober.

In den vergangenen Tagen schien sich etwas zu tun. „Ich habe Grund zu denken, dass sich das Annäherungspotenzial zwischen beiden Seiten in den vergangenen Tagen vergrößert hat“, sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in einem gemeinsamen Interview der österreichischen Medien „Standard“, „Kurier“ und „Falter“, das am Samstag veröffentlicht wurde.

London hatte angekündigt, in Kürze neue Pläne vorzulegen, wie Zollkontrollen zwischen dem britischen Nordirland und dem EU-Mitglied Irland nach dem Brexit verhindert werden könnten.

Die Frage gilt als dickster Brocken in den festgefahrenen Verhandlungen. Befürchtet wird, Grenzkontrollen könnten zu einem Wiederaufflammen des Konflikts in der ehemaligen Bürgerkriegsregion führen. Brüssel fordert deswegen eine Notfallklausel im Austrittsvertrag, damit in keinem Fall Kontrollen stattfinden.

Britische Medien spekulierten zuletzt, London erwäge - anders als bisher angekündigt -, im Notfall ganz Großbritannien in der Zollunion zu belassen und Nordirland im Binnenmarkt. Dagegen meldete die nordirische DUP, auf deren Stimmen Premierministerin Theresa May im Parlament angewiesen ist, jedoch bereits Widerstand an.

Interview im "Standard"

Werbefilm für den Protestmarsch der Hunde

Website des Wooferendums

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