Thursday beleben den Hardcore

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Deutsche Presse-Agentur

„Sie sind vielleicht keine Rockstars, aber die meisten Kritiker stimmen überein, dass sie sich zu Stellvertretern eines eigenen Sounds entwickelt haben, dem die Band selbst zutraut, die Schnelllebigkeit des Rock-Geschäfts zu überdauern“, schrieb die „New York Times“ einmal über Thursday.

Die elfjährige Bandgeschichte gibt dem Sextett aus New Jersey Recht. Mit ihrem fünften Studioalbum „Common Existence“ melden sich Thursday jetzt zurück und bleiben ihrem Sound auch dieses Mal treu. Obwohl ihre LP „Waiting“ bereits 1999 erschien, brachte erst ihr zweites Album „Full Collapse Thursday“ den Durchbruch. Sänger Geoff Rickly, die Gitarristen Tom Keeley und Steve Pedulla, sowie Bassist Tim Payne, Schlagzeuger Tucker Rule und Keyboarder Andrew Everding hatten Anfang des neuen Jahrtausends etwas geschafft, was nur sehr wenigen Bands in ihrer Karriere gelingt: Sie verhalfen einem fast vergessenen Genre, dem Hardcore, zu neuem Leben und beeinflussten dessen Stil maßgeblich. Die alternative Presse feierte mit dem Release 2001 „das Jahr, in dem Punk wieder auflebte“ und auch das „Spin“-Magazin war sich sicher, mit Thursday „das nächste große Ding“ entdeckt zu haben.

Mit dem Nachfolger „War All The Time“ ging es kommerziell weiter steil bergauf für die Band, doch damit erschien für Thursday vorerst der Gipfel erreicht zu sein. Das 2006 erschienene „A City By The Light Divided“ wurde mit dem neuen Produzenten Dave Fridmann aufgenommen und konnte an die guten Verkaufszahlen des Vorgängers nicht anknüpfen. Nach zahlreichen Nebenprojekten der Bandmitglieder und einer Split-EP mit der japanischen Screamo-Band Envy, verbarrikadierte sich die Band im letzten Jahr in einem klammen Lagergebäude, um einen neuen Anlauf zu wagen.

„Wir haben fast ein Jahr lang jeden Tag an dem Album gearbeitet“, erzählt Frontmann Rickly. „Der Schreibprozess war ein hartes Stück Arbeit, weil wir etwas kreieren wollten, das gleichzeitig progressiv aber auch näher am Kern des Thursday-Sounds ist.“ Und tatsächlich beinhaltet „Common Existence“ alles, wofür Thursday stehen: Klaustrophobische Song-Strukturen, kraftvolle Instrumental- Arrangements und einen Sänger, der sich irgendwo zwischen tiefer Verzweiflung und einem Fünkchen Hoffnung bewegt.

Gleich der Opener und erste Single-Auskopplung „Resuscitation of a Dead Man“ überzeugt mit der so typischen Gitarre, die durch die kurz angespielten Töne die Melodie des Stücks vorgibt. „I was dead now I'm back to life“, singt Rickly hier und macht damit eindrucksvoll deutlich, dass Thursday tatsächlich zurück sind. Auch bei „Last Call“ drischt eine düstere Gitarre wie ein Gewitter auf den Hörer ein. Unsicherheit und Einsamkeit thematisiert Texter Rickly in „As He Climbed The Dark Mountain“ und gibt damit zentrale Schwerpunkte der Lyrics des Albums wieder. Das Schreien der sogenannten „Crowd“ abwechselnd mit dem Gesang in „Subway Funeral“ ist eindeutiges Merkmal der Hardcore-Zugehörigkeit der Band. Der wohl ungewöhnlichste Song ist mit „Time's Arrow“ auf „Common Existence“ zu finden. Hierbei begleitet lediglich eine einsame Akustikgitarre Ricklys glasklare Stimme. Erst später setzen die anderen Instrumente ein, die dieses Mal nicht durch schnelle Melodien- und Rhythmus-Wechsel, sondern durch einen epischen Klangteppich mit langgezogenen Tönen hervorstechen.

Mit „Common Existence“ konzipieren Thursday zwar nicht erneut einen das Genre neu definierenden Sound, zeigen aber, dass Hardcore noch lange nicht in der Versenkung verschwunden ist. „Neben der vielen harten Arbeit, hatte ich bei den Aufnahmen so viel Spaß, wie noch nie zuvor.“, sagt Rickly. Und solange eine Hardcore-Band mit so viel Enthusiasmus bei der Sache ist, wird das Genre auch in Zukunft weiterleben können.

www.thursday.net

www.epitaph.com

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