Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

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Three Billboards Outside Ebbing, Missouri
Mildred Hayes (Frances McDormand) will nicht hinnehmen, dass der Mord an ihrer Tochter ungesühnt bleibt. (Foto: -- / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Kristin Kruthaup

Für diesen Film muss man eigentlich keine Werbung machen. Als „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ 2017 erschien, war er ein großer Erfolg.

Der Thriller um die Suche einer Mutter nach Gerechtigkeit für ihre ermordete Tochter erhielt sieben Oscar-Nominierungen. Zwei nahm die Crew am Ende mit nach Hause - einer ging an Hauptdarstellerin Frances McDormand als beste Schauspielerin.

Doch überrascht der Film, wenn er nun im Ersten am Montag um 20.15 Uhr kommt, noch über die verbriefte Qualität hinaus: Lange vor den Vorfällen um die brutale Tötung des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz greift das Drama des Regisseurs Martin McDonagh den Rassismus bei der amerikanischen Polizei auf.

Dreh- und Angelpunkt des Films ist das Scheitern der Polizei, den Mord an Mildreds Tochter aufzuklären. Das Mädchen wurde in der fiktiven Kleinstadt Ebbing vergewaltigt, ermordet und verbrannt. Als die Polizei auch Monate später im Dunkeln tappt, kommt Mutter Mildred (McDormand) auf eine so einfache wie wirksame Idee. Sie mietet drei alte, fast verfallene Werbetafeln etwas außerhalb von Ebbing an und lässt darauf schreiben: „Raped While Dying“, „And Still No Arrests?“, „How come, Chief Willoughby?“ - in etwa: „Noch im Sterben vergewaltigt“, „Und immer noch keine Festnahme“, „Wie kann das sein, Kommissar Willoughby?“.

In den kommenden rund zwei Stunden verfolgt der Zuschauer, wie die Dinge ab diesem Zeitpunkt in der Kleinstadt völlig aus dem Ruder laufen. Man folgt gebannt dieser Mildred, die so viele Gründe hätte, ein Opfer zu sein und sich aufzugeben. Ihre Tochter, mit der sie bei ihrer letzten Begegnung furchtbar stritt: grausam getötet. Ihr gewalttätiger Ehemann: nach der Tat durchgebrannt mit seiner einfältigen jungen Geliebten. Die Polizei, die sich im Fall ihrer Tochter überhaupt keine Mühe zu geben scheint, stattdessen Schwarze wegen Lappalien verfolgt und Mildred selbst nach dem Aufstellen der Werbetafeln erst schmeichelt und dann droht.

Überhaupt diese Kleinstadt-Polizisten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die örtliche Polizei ein Rassismus-Problem hat - allen voran der Einfaltspinsel Officer Jason Dixon (gespielt von Sam Rockwell, ausgezeichnet mit einem Oscar als bester Nebendarsteller). Das Rassismus-Problem leugnet selbst der örtliche Polizeichef (gespielt von Woody Harrelson) nicht. „Wenn man alle Cops rausschmeißen würde, die ansatzweise rassistische Tendenzen hätten, hätte man nur noch drei Cops - und die wären alle Schwulenhasser“, sagt er in dem Film. Angesichts des Todes von George Floyd und der anschließenden Diskussion über Rassismus in der Polizei wird dem Zuschauer da noch einmal bewusst, wie alt diese Diskussion in den USA bereits ist.

Zurück zu Mildred: Statt an den Tiefschlägen zu zerbrechen, wird sie in dieser Situation, in der sie nichts mehr zu verlieren hat, immer sturer und unbeugsamer. Sie ist nicht mehr bereit, gegebene Machtverhältnisse still hinzunehmen. Und das ist trotz allen Kampfes immer wieder auch ziemlich witzig. Der Humor im Film ist ein bisschen wie seine Hauptfigur: Ziemlich herb, oft politisch unkorrekt und mitunter völlig daneben. Aber am Ende ist er in seiner Drastik oft auch ziemlich toll.

Längst sind übrigens die „Three Billboards“ nicht nur im Film, sondern auch in der Realität aufgestellt worden. So sind nach einem Massaker an einer High School unweit von Miami in den USA mit 17 Toten drei Tafeln vor dem Büro von US-Senator Marco Rubio in Miami aufgetaucht. „In der Schule abgeschlachtet“, „Und noch immer keine Gesetze zur Waffenkontrolle“, „Wie kommt's, Marco Rubio?“, war darauf zu lesen. Doch in der Realität reagierten wohl alle besonnener als im fiktiven Ebbing, Missouri.

© dpa-infocom, dpa:200723-99-896576/5

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