„The Spirit“ - Comic-Held mit schwarzem Humor

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Schwäbische Zeitung

Berlin (dpa) ­ Lautlos gleitet er durch die Nacht. Schwarz sind Hut, Augenmaske und Umhang. Nur sein Erkennungszeichen, ein leuchtend roter Schlips, hebt ihn von der Umgebung ab. Er klettert und springt von Haus zu Haus - und stolpert.

Der Held in Franks Miller Comic-Verfilmung „The Spirit“ ist ein Tollpatsch ohne Superkräfte, dafür mit ausgeprägter Vorliebe für schöne Frauen und einem trockenen Humor. Nach „Sin City“ bringt Miller nun Will Eisners Comic-Klassiker als „Film noir“ in die Kinos.

Der junge Polizist Denny Colt, der bei einem Einsatz getötet wird, kehrt unter mysteriösen Umständen als maskierter Geist ins Leben zurück und ist seitdem unverwundbar. Für die Rolle hat Miller ein neues Gesicht gesucht und sie mit dem 37-jährigen Gabriel Macht besetzt, bekannt bisher nur aus „Lovesong für Bobby Long“. Dem Regisseur gefiel Machts „körperliche Präsenz - eine Männlichkeit, die es auf der Leinwand heutzutage nur selten gibt“.

Spirits Gegenspieler in Central City ist „Octopus“, gespielt von Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“). Er will die Stadt auslöschen und selbst unsterblich werden. In Eisners Original sind nur die Augen und weißen Handschuhe des Bösewichts sichtbar. Nicht so im Film. Comic-Fan Jackson tritt geschminkt und im Kostüm auf, stets für einen Scherz zu haben. Als ultimativer Bösewicht ist er mal mordender Samurai, mal Nazi.

Der Film wurde - wie schon „Sin City“ - mit Green-Screen-Technik produziert. Die Schauspieler agierten vor einer grünen Wand in einem Spezialstudio in New Mexico. Sämtliche Hintergründe wurden nachträglich mit Computertechnik eingefügt, Spielfilm und Comic verschmelzen zu einem Bild.

Zwischen 1940 und 1952 erschienen Will Eisners „Spirit“-Comics als Zeitungsbeilage. Sie vereinten düstere Melancholie mit rasantem Witz. Vor allem in den USA gelten sie als Klassiker. Für Miller war Eisner ein Mentor. In ihrer langjährigen Freundschaft teilten sie die Liebe für Comics, schöne Frauen und die Stadt New York. Eisner starb 2005 im Alter von 87 Jahren.

Bei „The Spirit“ führte Miller zum ersten Mal alleine Regie. Erfahrung hinter der Kamera sammelte der Grafic-Novel-Spezialist bei dem Gemeinschaftsprojekt „Sin City“ mit Regisseur Robert Rodriguez. Damals waren Romantik und Witz Fremdwörter, die Gewaltszenen reichten bis an die Grenze des Erträglichen. Und während „Sin City“ düster war, ist „The Spirit“ verspielt, auch wenn die Bilder auch hier vor allem in schwarz-weiß gehalten sind. Produziert wurde das 102 Minuten lange Werk von Deborah Del Prete und Michael Uslan, der mit Tim Burtons „Batman“ 1989 die Ära von Comic-Verfilmungen für Erwachsene einläutete.

Viel Erotik und gefährliche Kurven - Männer dürften bei „The Spirit“ auf ihre Kosten kommen. Auch die prominente Besetzung lässt kaum Wünsche offen. Eva Mendes („Training Day“, „Hitch“) spielt die atemberaubend schöne Sand Saref, einst Jugendliebe des Titelhelden, die zur männermordenden Juwelendiebin wird. Die 34-Jährige versichert, kein Double eingesetzt zu haben: „Ich habe alles selbst gemacht, auch alle Stunts. Und wenn Sie meinen Hintern sehen, ist das auch mein Hintern.“ Scarlett Johansson („Lost in Translation“) als Octopus' Komplizin Silken Floss gibt sich als eiskalter Engel. „Es ist nicht schlecht, ein Bösewicht zu sein“, sagt die 24-Jährige.

In der Schlüsselszene treten Octopus und Floss als Nazis auf. Während deutsche Zuschauer schockiert sein könnten, war die Szene für Jackson eher spaßig. „Das ist Teil dessen, was die Figuren jeden Tag machen: Die stehen auf und verkleiden sich. Eines Tages verkleiden sie sich eben als Nazis.“ Miller wollte auf die Entstehungszeit des Spirit-Comis in den 40er Jahren anspielen. „Die Gefahr des Faschismus lauerte damals überall“, sagt der Regisseur.

Amerikanische Kritiker waren von der 50-Millionen-Dollar-Produktion (36 Millionen Euro) nicht begeistert. „Keine Spur von menschlichen Gefühlen“, hieß es etwa in der „Chicago Sun-Times“. Die „New York Times“ sprach von einer missglückten und sinnlosen Comic-Adaption. Womöglich liegt es an der eher dürftigen Handlung, die weit hinter den Möglichkeiten der Comic-Vorlage zurückbleibt.

www.thespirit-derfilm.de/index.html

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