Telekom vor Konzernumbau

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Deutsche Presse-Agentur

Die Telekom baut um: Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt will Vorstandschef René Obermann den Konzern offenbar noch einmal umkrempeln.

In Deutschland sollen Festnetz- und Mobilfunkgeschäft mittelfristig gebündelt werden, wie die Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch aus Konzernkreisen erfuhr. Offiziell wollte das Unternehmen keine Stellung nehmen.

Bislang werden das Festnetz- und Mobilfunkgeschäft getrennt und länderübergreifend geführt. Mit der nun angekündigten Integration würde Obermann im Prinzip fortführen, was 2006 schon in Teilen begann. Bereits damals hatte er die Bereiche Service und Vertrieb von T-Mobile Deutschland in die Hand von T-Home-Chef Timotheus Höttges gegeben. Mit der Verzahnung reagierte Obermann auf den harten Wettbewerb in Deutschland. Die gute Erfahrung sei auch der Hintergrund für das neue Vorhaben, hieß es nun aus dem Konzern. Wie die Integration genau aussehen soll, ist dem Vernehmen nach noch längst nicht entschieden, an Stelleneinsparungen sei aber zunächst nicht gedacht. Sollten die Bereiche aber tatsächlich zusammengelegt werden, dürften einige Posten im Management wegfallen.

Dabei würde die Telekom mit der Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk anderen europäischen Konzernen wie France Télécom und Swisscom folgen. „Das ist ein europaweiter Trend, der vor allem bei den Ex-Monopolisten zu beobachten ist“, sagt Telekom-Experte Roman Friedrich von der Unternehmensberatung Booz & Co. „Die Telekom- Konzerne haben damit die Möglichkeit, Kosten zu reduzieren und ihre Kunden besser zu bedienen.“ Mit der Zusammenlegung könne die Zahl der Kündigungen verringert werden, außerdem könnten die Unternehmen an bestehende Kunden einfacher zusätzliche Produkte vermarkten. Auf dem deutschen Markt hob Konkurrent Vodafone im vergangenen Sommer die Trennung nach Technologien auf und richtete sich nach Privat- und Geschäftskunden aus. Nach den Worten von Vodafone-Sprecher Jens Kürten zahlt sich das Konzept bereits aus: „Wir sehen die Neuordnung als sehr erfolgreich an.“

Nach Meinung von Gartner-Analystin Bettina Tratz-Ryan hat der deutsche Ex-Monopolist kaum eine andere Chance, denn gerade im Breitbandgeschäft differenzierten sich die Unternehmen inzwischen nur noch über den Preis. Mit einer Neuausrichtung könnte die Telekom auf den steigenden Preiswettbewerb reagieren und die Kunden statt über den Preis durch bessere Dienstleistungen an sich binden, so Tratz- Ryan. Der Bonner kämpften sowohl im Festnetz- als auch im Mobilfunkgeschäft in Deutschland zuletzt mit sinkenden Umsätzen.

Auf Produktseite will die Telekom getreu ihrem Motto „connected life and work“ in Zukunft nach Internet, Telefon und Fernsehen auch den Mobilfunk in ein Rundum-Angebot einbinden. Am Dienstag stellte der Konzern im Vorfeld der CeBIT entsprechende neue Produkte vor. Für seine neu gewonnenen Geschäftskunden will T-Home-Chef Höttges ebenfalls kombinierte Produkte aus Festnetz und Mobilfunk schneidern. Und in der Fernseh-Werbung setzt die Telekom bereits auf einen einheitlichen Markenauftritt. Sowohl bei T-Mobile als auch bei T-Home rieseln Rosenblätter vom Himmel.

Ob die Integration von Festnetz und Mobilfunk im deutschen Geschäft allerdings in einer Art „Superminister für die Telekom“ gipfelt und wie eng die beiden Bereiche tatsächlich verzahnt werden, ist Konzernkreisen zufolge noch nicht entschieden. Zunächst solle eine Projektstelle eingerichtet werden, hieß es. Eine interne Besetzung der Position gelte als wahrscheinlich. Es gebe eine ganze Reihe von Managern bei der Telekom, die sich für diesen Posten eignen würden. Der Chef der neuen Deutschland-Sparte wäre für rund die Hälfte des Konzernumsatzes von gut 60 Milliarden Euro verantwortlich und hätte im operativen Geschäft neben dem Vorstandsvorsitzenden Rene Obermann einen der wichtigsten Posten.

Marktteilnehmer spekulieren bereits, dass T-Home-Chef Timotheus Höttges mit einem Posten als „Mr. Germany“ für eine möglicherweise vergebliche Bewerbung als Finanzchef entschädigt werden könnte. In Konzernkreisen gilt allerdings inzwischen als sicher, dass Höttges bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag zum neuen Finanzvorstand ernannt wird. Er wird auch als Wunschkandidat von Obermann gehandelt. Der bisherige Finanzchef Karl-Gerhard Eick übernimmt Anfang März die Führung beim Essener Handelskonzern Arcandor.

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