Tödliche Schüsse nahe Synagoge: Terrorverdacht in Halle - Menschen sollen Öffentlichkeit meiden

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Schwäbische Zeitung

Wie die Polizei vermeldet, haben bislang unbekannte Täter in Halle (Sachsen-Anhalt) in der Nähe einer Synagoge um sich geschossen, dabei wurden ein Mann und eine Frau getötet

Der Mann sei in einem Imbiss erschossen worden, die Frau in der Humboldtstraße in der Nähe eines Friedhofs. 

Eventuell weitere Täter flüchtig

Die Polizei geht aktuell von mehreren Tätern aus und erklärt, dass diese mit einem Fahrzeug geflüchtet seien.

Lage weiter unklar - Menschen sollen in Gebäuden bleiben

Ein Tatverdächtiger konnte mittlerweile festgenommen werden. Die Fahndung läuft dennoch weiter auf Hochtouren. „Bleiben Sie trotzdem weiterhin wachsam“, twitterte die Polizei. 

Auch eine Sprecherin der Stadt betonte am Nachmittag, aufgrund der unklaren Lage, sollten die Menschen im gesamten Stadtgebiet in Sicherheit in Gebäuden bleiben. 

Gegen Nachmittag wurden bekannt, dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernimmt, was auf Terrorverdacht hindeutet. 

Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Der Schritt sei wegen der „besonderen Bedeutung des Falls“ erfolgt, sagte ein Sprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Es gehe hier um „die innere Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland betreffende Gewaltdelikte“.

Die Stadt Halle sprach nach den tödlichen Schüssen zunächst von einer Amoklage. „Im Zusammenhang mit einer Amoklage hat Oberbürgermeister Dr. Bernd Wiegand den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen“, teilte die Stadt mit.

Verdacht auf Terroranschlag - Synagoge mögliches Ziel

Der Angriff in Halle hat sich nach Angaben des Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, direkt gegen die Synagoge gerichtet.

„Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen“, sagte Privorozki am Mittwoch der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“.

Es hätten sich wegen des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur 70 bis 80 Menschen in der Synagoge aufgehalten.

Die Jüdische Gemeinschaft begeht derzeit ihren höchsten Feiertag Jom Kippur (Versöhnungstag).

Ein Zeuge berichtet im Fernsehsender n-tv, dass ein mit Sturmmaske und Helm bekleideter Mann mit einem Sturmgewehr in ein Dönerrestaurant geschossen habe.

Zuvor habe der Angreifer eine Art Sprengsatz geworfen, der aber an der Fassade abgeprallt und explodiert sei.

In dem Dönerimbiss hätten sich insgesamt fünf bis sechs Gäste aufgehalten, sagte der Zeuge. Er selbst habe sich in der Toilette versteckt.

Der Vorfall hatte sich in der Nähe einer Synagoge im Paulus-Viertel zugetragen. Das Viertel liegt nördlich der Innenstadt. Die Polizei wurde kurz nach 12.00 Uhr alarmiert. 

Schüsse auch in Landsberg

Die Polizei bestätigte zudem, dass auch in Landsberg, rund 15 Kilometer von Halle entfernt, Schüsse gefallen sind. Nähere Angaben machte die Polizei nicht.

Ob beide Ereignisse in Zusammenhang stehen, ist deshalb unklar. Anwohner in Landsberg werden ebenfalls aufgefordert, Gebäude und Wohnungen nicht zu verlassen.

Politik äußert Bestürzung

Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von „schrecklichen Nachrichten“. Es sei „entsetzlich“, dass es Tote gegeben habe. Die Gedanken der Bundesregierung gingen an Freunde und Familie.

Auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) äußerte sich „entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat“. Dabei seien nicht nur Menschen getötet worden, es sei auch „ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land“.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) gab bekannt, dass auch die Polizei in dem Bundesland in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden sei. Zudem sei der Schutz jüdischer Einrichtungen ausgeweitet.

Das baden-württembergische Innenministerium hat nach den tödlichen Schüssen in Halle reagiert. „Wir haben bis auf Weiteres die Schutzmaßnahmen bei allen jüdischen Einrichtungen hochgefahren“, sagte ein Sprecher am Mittwoch in Stuttgart. Ähnliche Maßnahmen wurden auch in München getroffen.

Außerdem seien Landeskriminalamt und Ministerium in engem Kontakt mit den Behörden in dem ostdeutschen Bundesland.

Die Leipziger Polizei hat ihre Kräfte vor der Synagoge ebenfalls verschärft. Einer dpa-Reporterin zufolge stehen etwa fünf Polizisten vor dem Gebäude in der Innenstadt, davon sind mit Maschinenpistolen bewaffnet.

Weitere Maßnahmen seien bislang noch nicht getroffen worden, so ein Sprecher. Man wolle das weitere Geschehen abwarten und dann entscheiden.

Das für Mittwochabend vorgesehene Lichterfest anlässlich des 30. Jahrestages der friedlichen Revolution in Leipzig finde wie geplant statt.

Auf Twitter bittet die Polizei die Bevölkerung, Haus oder Wohnung nicht zu verlassen. Wer gerade unterwegs sei, solle einen sicheren Ort aufsuchen

Amtliche Gefahrenmeldung für die Region

Zudem appelliert die Polizei, über Soziale Medien keine Spekulationen zu verbreiten. Den Notruf solle man nur wählen, wenn es sich tatsächlich im einen Notruf handelt.

Das mobile Warn- und Informationssystem Katwarn hat eine Gefahrendurchsage an die Bevölkerung verschickt.

„Gebäude und Wohnungen nicht verlassen. Von Fenster(n) und Türen fern bleiben!“, hieß es am Mittwochmittag auf der Website.

Die Bürger sollten Rundfunk und Fernsehen einschalten und sich „über alle verfügbaren Medien“ informieren. Weiter hieß es: „Suchen Sie sofort eine Deckung auf. Meiden Sie Glasflächen.“

Der Bahnhof von Halle ist nach Angaben der Deutschen Bahn wegen polizeilichen Ermittlung gesperrt. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch über Twitter mit. Es komme zu Verspätungen.

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