Suhrkamp-Werkausgabe zu Nelly Sachs geplant

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Deutsche Presse-Agentur

Im Suhrkamp Verlag erscheint im nächsten Jahr eine dreibändige kommentierte Ausgabe des Werks der Literaturnobelpreisträgerin Nelly Sachs (1891-1970).

Es sind Gedichte von den frühen „Grabschriften“ bis zu den späten „glühenden Rätseln“, die szenischen Dichtungen, die „Briefe aus der Nacht“ und Übersetzungen von Dichtern der schwedischen Moderne. Zeitgleich will das Jüdische Museum in Berlin im Sommer 2010 (und danach an sieben weiteren Ausstellungsorten wie Stockholm und Zürich) eine Ausstellung mit zahlreichen zum Teil bisher unveröffentlichten Manuskripten, Fotos, Dokumenten sowie Film- und Tonaufnahmen präsentieren.

Die Ausstellung soll einen neuen Einblick in das Leben der vor den Nazis ins schwedische Exil geflohenen, tiefreligiösen Dichterin geben, wie der Suhrkamp Verlag betonte. In der Berliner Repräsentanz des Verlags wurden am Donnerstagabend beide Projekte vorgestellt. Dabei betonte Geschäftsführer Thomas Sparr die „enge und innige Verbindung“ zwischen Sachs und dem Verlag. „Ihr Werk ist nach ihrem Tod 1970 nicht in Vergessenheit geraten, es hat aber nicht die Aufmerksamkeit gefunden, die es verdient.“

Die schwedische Botschafterin in Berlin, Ruth Jacoby, nannte Leben und Werk von Nelly Sachs „einen wichtigen Teil der deutsch- schwedischen wie natürlich auch deutsch-jüdischen Geschichte“. Jacoby erinnerte in diesem Zusammenhang an andere deutschsprachige Emigranten wie Willy Brandt, Peter Weiss oder Bruno Kreisky. „Viele machten das Land zu ihrer neuen Heimat, das prägt die Beziehungen zwischen Deutschland und Schweden bis heute.“ Die Schwedische Botschaft werde sich an dem Ausstellungsprojekt, eine von der Bundeskulturstiftung unterstützte Kooperation mit dem Suhrkamp Verlag und dem Jüdischen Museum, beteiligen, kündigte Jacoby an.

Zu den wichtigsten Werken von Nelly Sachs gehören „In den Wohnungen des Todes“ (1947), „Sternverdunkelung“ (1949) und das Mysterienspiel „Eli“ von 1950. Die erbarmungslose Verfolgung der Juden im Dritten Reich, der sie selbst nur mit knapper Not entkommen konnte, war das Trauma ihres Lebens, das vor allem in ihrem lyrischen Werk mit hymnischer Sprachgewalt, oft dem Ton biblischer Psalmen nahekommend, seinen Niederschlag gefunden hat. Dennoch trat Sachs nach dem Krieg immer wieder für Vergebung und Versöhnung ein und meinte 1965 bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, sie sei gekommen, um „der neuen Generation zu sagen, daß ich an sie glaube; über alles Entsetzliche hinweg, was geschah, glaube ich an sie“.

www.suhrkamp.de

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