Stuttgart zeigt „Triptychon in der Moderne“

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Deutsche Presse-Agentur

Ist es die Sehnsucht nach Spiritualität? Oder nach Vollkommenheit, dem Meisterwerk? Im traditionsreichen Bildformat des Triptychons ruht eine Faszination, die Künstler aller Generationen packt.

Den Beweis dafür liefert die einzigartige Ausstellung „Drei. Das Triptychon in der Moderne“ im Kunstmuseum Stuttgart. Ob sie nun Otto Dix, Max Beckmann, Francis Bacon oder Damien Hirst heißen - das dreiteilige Bild hat nicht nur als Altar- oder Andachtsbild aus dem Mittelalter seine Bedeutung, sondern auch in der zeitgenössischen Kunst. Auf 2000 Quadratmetern zeigt das Kunstmuseum vom 7. Februar bis zum 14. Juni 60 moderne Triptychen, als Gemälde, Objektcollage oder Videoinstallation.

Die Geschichte des Triptychons reicht bis ins Mittelalter zurück. Aus dieser Zeit stammt aber nur ein einziges Ausstellungsstück: ein kleiner Flügelaltar aus Oberschwaben. Er sei quasi die einzige direkte Verbindung zur Tradition, sagte Direktorin Marion Ackermann. Direkt daneben hängt das Werk „O.A.S.“ der Französin Niki de Saint-Phalle, die auf ihrem altarbildartigen Holzmodell Kruzifixe und Revolver, Spielzeugsoldaten und Madonnen, Herzen und Totenschädel arrangiert. Auch andere Künstler, wie etwa Dieter Roth, laden ihren Triptychen säkularisierte Themen mit viel Pathos auf.

Ausgangspunkt für die ungewöhnliche Ausstellung war das Triptychon „Großstadt“ von Otto Dix, einem Hauptwerk der städtischen Sammlung Stuttgart. Ackermann fiel eine Lücke auf: „Uns erstaunte, dass zu diesem zentralen Thema noch keine spezielle Ausstellung gemacht worden war.“ Seit mehr als zwei Jahren buhlte sie um zahlreiche Leihgaben aus Tokio, Barcelona, Rom oder London. Max Beckmanns „Argonauten“ etwa kam von der National Gallery in Washington, sein Triptychon „Beginning“ vom Metropolitan Museum in New York.

Beckmann, Dix aber auch Bacon nutzten das traditionsbeladene Format, um Eindrücke von Kriegen und dem damit verbundenen menschlichem Leid zu verarbeiten. Picassos „Guernica“ gilt als berühmtestes Triptychon dieser Art. Auch Dix' „Der Krieg“ ist zwar nicht aus Dresden nach Stuttgart gekommen, doch zeigt das Kunstmuseum zahlreiche Studien und Entwürfe dazu. Davor liegt Joe Colemans „War Triptych“. „Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 suchte er eine Form, die Dämonen dingfest zu machen - und entschied sich für das Triptychon“, berichtete Ackermann. Für den Katalog hat sie zahlreiche Künstler zu ihrer Beziehung zum Triptychon befragt.

Auch DDR-Künstler Willi Sitte hat sie befragt, der mit seinem „Höllensturz in Vietnam“ Ende der 60er Jahren an die Tradition historisch-politischer Gemälde anknüpfte. Sitte wählte die Darstellung des Jüngsten Gerichts von Rubens zum Vorbild. Im Westen malte Markus Lüpertz wenig später sein monumentales Werk „Schwarz-Rot-Gold I-II-III“ und setzt dabei auf die Vieldeutigkeit seines sich dreimal fast identisch wiederholenden Kriegs-Stilllebens sowie auf die symbolische Bedeutung der im Bild verwendeten Nationalfarben. Der Betrachter werde da quasi „überrollt“, sagte Ackermann. Auch das sei eine der besonderen Wirkungen von Triptychen.

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