Sprunghafter Anstieg neuer Coronavirus-Infektionen in China: Das steckt dahinter

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Coronavirus - China
Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. (Foto: Hao Yuan / dpa)
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Deutsche Presse-Agentur

Zuletzt war die Zahl neuer Coronavirus-Infektionen etwas zurückgegangen, doch plötzlich werden wieder deutlich mehr Fälle in der Statistik erfasst. Wir erklären, was es damit auf sich hat.

Wie haben sich die Zahlen verändert?

Die Zahl erfasster Todesfälle habe sich mit 254 landesweit innerhalb eines Tages mehr als verdoppelt, berichtete die Gesundheitskommission am Donnerstag in Peking.

Damit sind schon mehr als 1.300 Tote zu beklagen. Die Zahl neuer Infektionen versiebenfachte sich im Vergleich zu den Tagen davor: Mehr als 15.100 Fälle kamen hinzu.

Landesweit steigt die Zahl der Fälle auf fast 60.000. Allein in der schwer betroffenen Provinz Hubei stieg die Zahl der offiziell erfassten Infektionen um mehr als 14 800 auf 48 200.

Wie kommt es zur dem sprunghaften Anstieg?

Wie die Gesundheitskommission der Provinz mitteilte, wurde die Erfassung von Diagnoseergebnissen nach einer Untersuchung „überarbeitet“. Das heißt konkret:

  • Auch klinische Diagnosen - ohne die Bestätigung durch ein Labor - gehen nun in die Statistik ein.
  • Ärzte können eine offizielle Diagnose stellen, die auf Lungenbildern, physischen Zuständen und der Vorgeschichte beruht.
  • Mit den bisher erforderlichen Tests wurden viele der schweren Erkrankungen mit Corona Sars-CoV-2 erst nach drei oder vier Tests erkannt.

Nach Angaben der Pekinger Gesundheitskommission handelt es sich allein um gut 13.300 neue Fälle mit klinischen Diagnosen. Unklar war zunächst, wie weit sie zurückgehen.

Könnte die Zahl noch höher sein?

Generell vermuten Experten eine sehr hohe Dunkelziffer im Land. So sind die Möglichkeiten für Labortests begrenzt. Zudem erscheint das sich wandelnde Berichterstattungssystem Chinas mit unterschiedlichen Definitionen der einzelnen Fälle kompliziert.

Die täglich berichteten Zahlen repräsentieren laut Experten somit eher die Fähigkeiten, Fälle zu identifizieren und zu melden, als das wirkliche Ausmaß der Epidemie.

Wie gefährlich ist das Coronavirus?

Das lässt sich derzeit nicht konkret beantworten. Die Ansteckungsgefahr und die Sterblichkeit sind beim Coronavirus nach Experteneinschätzung etwa gleich hoch wie bei der Influenza. „Corona ist auf keinen Fall gefährlicher als Influenza“, sagte etwa der Chefarzt Clemens Wendtner von der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing. Dort werden weiter sieben Infizierte in Deutschland behandelt.

Er gehe nicht davon aus, dass sich das Virus in Deutschland und Europa ähnlich epidemieartig ausbreiten werde wie in China, sagte Wendtner. „Wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem, um die Dinge früh einzudämmen. Wenn wir weiter an einem Strang ziehen, werden wir das in Deutschland im Griff behalten.“

Unklar sei aber, ob sich das Virus wie die Influenza weltweit halten könne oder wieder ganz verschwinde. „Die Frage ist: Wird es das Coronavirus schaffen, sich ähnlich wie die Influenza zu etablieren, so dass wir jedes Jahr eine Coronawelle bekommen. Ziel der weltweiten Maßnahmen - auch in Deutschland - ist es, das Virus im Idealfall ganz auszuschalten.“

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Auch diese Frage lässt sich zurzeit nur schwer beantworten. Klar ist, dass sich das Virus durch Tröpfcheninfektion - etwa beim Husten und Sprechen - verbreitet. "Der Erreger ist deutlich infektiöser als ursprünglich angenommen", sagt der Infektionsepidemiologe Lars Schaade, Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI).

Viele Details der Infektion seien noch ungeklärt, sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité. "Das lässt sich nicht genau rekonstruieren. Man bekommt das Virus vermutlich ähnlich, wie man sich eine Erkältung einfängt."

Im Verdacht steht auch eine sogenannte Schmierinfektio", eine Übertragung etwa beim Anfassen von Türklinken.

Dass auch symptomfreie Menschen infektiös sein können, wie vereinzelt berichtet, hält Drosten für eher unwahrscheinlich.

 

Welche Symptome verursacht das neue Coronavirus?

Der Erreger infiziert vor allem Zellen der unteren Atemwege. Dadurch scheinen manche Symptome einer Erkältung wie etwa Fließschnupfen nicht aufzutreten. Generell sind die Symptome der neuen Lungenkrankheit unspezifisch.

Fieber, trockener Husten und Atemprobleme können auch bei einer Grippe auftreten. "Es reicht nicht aus, nur fieberhafte Personen zu testen", sagt Drosten. "Manche Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen."

Mitunter können Patienten auch Kopfschmerzen oder Durchfall haben.

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt 2 bis 14 Tage. Deshalb werden Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert. Nachgewiesen wird eine Infektion meist durch den Nachweis von Erbgut des Coronavirus im Sputum, dem schleimigen Auswurf beim Husten.

Wie kann man sich schützen?

Grundsätzlich sei das Coronavirus ähnlich ansteckend wie das Influenzavirus - aber deutlich weniger infektiös als die Masern, meint Chefarzt Clemens Wendtner. Abstand halten und regelmäßiges Händewaschen reduziere das Risiko erheblich.

Krankheiten wie Grippe, Keuchhusten oder Magen-Darm können durch einfache Regeln vermieden werden. Deswegen jetzt: 5 Tipps zum Schutz vor Keimen.

Niemand müsse im Alltag Mundschutz tragen. „Das bringt gar nichts“, sagte der Mediziner auch mit Blick auf die extrem niedrige Zahl von Infizierten in Deutschland. Die Wahrscheinlichkeit, sich hierzulande mit Corona zu infizieren, sei anders als bei der Grippe, die alljährlich mehrere Hunderttausend Menschen trifft, sehr gering.

Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung.

Gibt es einen Impfstoff?

Nein, bislang nicht. Doch es wird vor allem in den USA gerade daran gearbeitet. In Deutschland soll die Tübinger Biotechfirma CureVac eine führende Rolle bei der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus übernehmen. Dafür bekommt das Unternehmen zusätzliche Gelder.

Über die internationale Impfstoffinitiative CEPI (Coalition for Epidemic Preparedness Innovations), an der auch Deutschland beteiligt ist, werde CureVac 8,3 Millionen US-Dollar (rund 7,5 Millionen Euro) „für die beschleunigte Impfstoffentwicklung und -herstellung sowie klinische Studien“ erhalten, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung beider Seiten und des Bundesforschungsministeriums in Berlin.

Einen Überblick über die Zahl der weltweit mit dem Coronavirus Infizierten, der Todesopfer und der Genesenen liefert übrigens ein Online-Werkzeug der Johns Hopkins Universität im US-amerikanischen Baltimore.

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