Sony rechnet mit Rekordverlust

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Deutsche Presse-Agentur

Die Lage beim japanischen Elektronikkonzern Sony spitzt sich zu.

Angesichts eines erwarteten operativen Verlusts für das noch bis zum 31. März laufende Geschäftsjahr von 260 Milliarden Yen (2,2 Milliarden Euro) kündigte Sony-Chef Howard Stringer am Donnerstag weitere drastische Kostensenkungen an. Der erwartete operative Verlust ist der erste seit 14 Jahren und der höchste in der Unternehmensgeschichte. Im Oktober hatte Sony noch mit einem Gewinn von 200 Milliarden Yen gerechnet. „Der massive wirtschaftliche Umbruch rund um die Welt spart niemanden in der Elektronikindustrie aus“, sagte Stringer. Die Fixkosten seien bei Sony noch immer zu hoch und die Lieferkette zu langsam. Der Konzern müsse sich dramatisch wandeln.

Statt jährlich 100 Milliarden Yen will Sony nun zum nächsten Geschäftsjahr 250 Milliarden Yen einsparen. Vor allem die LCD- Fernsehgeräte-Sparte muss darunter leiden: Eine von zwei heimischen TV-Fabriken wird geschlossen, wodurch rund 1000 Leiharbeiter ihren Job verlieren. Die Zahl der Entwickler wird um fast ein Drittel reduziert. Sony hatte bereits im Dezember den Abbau von 16 000 Stellen angekündigt. Für Festangestellte soll ein Vorruhestandsprogramm aufgelegt werden, während Manager Einbußen bei Boni und Grundgehältern hinnehmen müssen. Die Software für die Geräte soll fortan verstärkt aus Billiglohnländern kommen, etwa aus Indien.

„Wir müssen jetzt viele schwierige Entscheidungen angehen, um mit dieser neuen Realität unverzüglich umzugehen“, erklärte Stringer. Kaum hatte Sony nach schmerzhaften Umstrukturierungen angefangen, wieder auf die Beine zu kommen, reißen der gestiegene Yen, der verschärfte Preiskrieg und ein Einbruch der Kunden-Nachfrage angesichts der weltweiten Konjunkturkrise das Unternehmen wieder zu Boden. Zusätzlich belasten den Playstation-Hersteller die erhöhten Umstrukturierungskosten sowie die Talfahrt an der Börse.

Auch unter dem Strich rechnet das Unternehmen nun mit einem Verlust von 150 Milliarden Yen statt eines noch im Dezember veranschlagten Gewinns von 150 Milliarden Yen. An Umsatz rechnet Sony jetzt mit nur noch 7,7 Billionen Yen statt zuvor erwarteter neun Billionen Yen. „Wir haben einfach keine Alternative, als die Weise, wie wir unser Geschäft betrachten und wie wir unsere Produkte kreieren, herstellen und vertreiben, dramatisch zu ändern“, forderte Stringer. Es gebe „noch zu viel vom alten Sony und zu wenig vom neuen“. Der Konzern habe „zu oft zu spät“ neue Produkte auf den Markt gebracht.

Um den Konzernumbau zu beschleunigen, soll unter anderem die Integration von Produkten und Netzwerkdiensten verstärkt werden. Hier sieht Sony die Zukunft. Zu diesem Zweck sollen der Elektronikbereich und die Entertainmentsparte künftig effektiver zusammenarbeiten. Die Kosten für den Konzernumbau bezifferte Sony auf 60 Milliarden Yen im laufenden Geschäftsjahr und auf 110 Milliarden Yen im kommenden Jahr. Dass es der gesamten Elektronikbranche schlecht geht, zeigte am Donnerstag der südkoreanische Rivale LG. Er vermeldete für das Schlussquartal 2008 einen Rekordverlust und gab einen trüben Ausblick aufs nächste Jahr. Demnach hält die schwache Nachfrage nach Konsumelektronik an.

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