Sony Reader kommt auf den Markt

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Deutsche Presse-Agentur

Auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Oktober wurde der Sony Reader erstmals in Deutschland vorgestellt: Zur Leipziger Bücherschau kommt das mobile elektronische Lesegerät nun am Mittwoch (11.3.) auf den Markt.

Der japanische Elektronikkonzern, der mit seinem Modell vor allem Vielleser anvisiert, hat sich mit der Thalia-Buchhandelskette und dem Buch-Großhändler Libri zwei potente Partner ins Boot geholt. Allerdings setzen Branchenexperten zur weiteren Verbreitung bereits auf die Geräte der nächsten Generation.

„Der Sony Reader ist nur ein Zwischenschritt“, sagt Michael Justus, kaufmännischer Geschäftsführer des S. Fischer Verlags. In der „Pipeline“ sind bereits Lese-Geräte, die anders als der Sony Reader schnurlosen Zugang zum Internet bieten. Damit kann man jederzeit Bücher „downloaden“, ohne den Umweg über einen PC machen zu müssen. Außerdem können auch Zeitungen und Zeitschriften heruntergeladen werden. Die Benutzer solcher Geräte könnten dann auch Zugang zu E-Mails und Blogs haben. „Dann kann ein Gerät sehr erfolgreich sein“, glaubt Ronald Schild, E-Book-Fachmann beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt.

Um nicht nur eine Minderheit anzusprechen, muss ein digitales Lesegerät eben noch viele andere Funktionen erfüllen. Lesegeräte und Smartphones scheinen da ohnehin zusammenzuwachsen. So wird das mit einer speziellen Software mögliche Lesen etwa auf dem iPhone von Apple immer beliebter. Vor wenigen Tagen hat der Online-Buchhändler Amazon, der mit seinem Lesegerät Kindle in den USA Erfolg hat, die Kindle-Software auch für das iPhone zur Verfügung gestellt.

Unbestritten ist, dass die derzeit gängigen Lesegeräte wie Kindle und Sony Reader viel lesefreundlicher sind als die ersten E-Book-Geräte vor zehn Jahren. Die neue Generation hat neben einer großen Speicherkapazität auch eine konstant hohe Bildschirmqualität: Dank einer elektronischen Tinte können sie überall - ob am Strand oder am Sofa zu Hause - gelesen werden.

Der Sony Reader kommt für 299 Euro in Deutschland in die Läden - mit sieben vorinstallierten Leseproben aktueller Bücher und zwei kompletten Romanen inklusive. Für den US-Markt hat Sony, das nach eigenen Angaben bisher rund 300 000 elektronische Lesegeräte weltweit verkauft hat, bereits ein Nachfolgemodell angekündigt.

Dort muss sich Sony mit Amazon messen, das dort seit wenigen Tagen mit dem technisch verbesserten Kindle 2 auf dem Markt ist. Wie beim Vorgänger-Gerät können die Bücher beim Kindle 2 direkt über Mobilfunk-Verbindung von Amazon heruntergeladen werden. Unklar bleibt weiter, wann Amazon mit dem Kindle nach Europa kommt.

Die Verlage scheinen inzwischen die digitale Herausforderung anzunehmen: „Seit der Frankfurter Buchmesse hat ein Umdenken eingesetzt“, sagt Schild. In vielen Verlagen sei das Thema E-Book jetzt zur Chefsache erklärt worden. Als Dachverband der deutschen Buchbranche will der Börsenverein auf seiner Online-Plattform libreka.de künftig E-Books verkaufen. Der Startschuss soll dafür ebenfalls diese Woche, am Donnerstag (12. März), auf der Leipziger Buchmesse fallen. Knapp 100 000 digitale Titel können dann im Internet gekauft werden. Den Preis dafür legt der Verlag fest.

S. Fischer macht dagegen bei libreka.de nicht mit. Ein Grund sei, dass die Plattform nur das für E-Book-Reader wenig lesefreundliche PDF-Format unterstütze, sagt Michael Justus. S. Fischer will im kommenden halben Jahr selbst ein „ausgewachsenes Programm“ mit mehreren hundert digitalen Titeln auf den Markt bringen.

Beim E-Book sind derzeit aber nicht nur die Formate strittig, auch der Kopierschutz ist noch offen. Als Lehre aus den leidvollen Erfahrungen der Musikindustrie mit den Raubkopierern befürwortet der Börsenverein ein „elektronisches Wasserzeichen“ beim E-Book. Elektronische Bücher können dann wie jedes andere Buch an Freunde weitergegeben werden, sagt Schild. Wenn sie jedoch bei illegalen Tauschbörsen auftauchen, kann der Weg zum Absender über das Wasserzeichen zurückverfolgt werden.

Auch für E-Books soll künftig die Buchpreisbindung gelten - dies ist in der Branche allerdings nicht unumstritten. Das muss aber nicht heißen, dass E-Books genauso teuer verkauft werden wie herkömmliche Bücher. Dass digitale Titel künftig langfristig billiger werden, da ist S. Fischer-Geschäftsführer Justus skeptisch. „Die Herstellung und der Vertrieb von E-Books sind mindestens genauso teuer“, sagt er.

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