So stehen die Chancen auf weiße Weihnachten

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Weiße Weihnachten bleiben ein Traum
Dieser Dezember hat beste Aussichten, der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden.. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/Archiv / DPA)

Unsere Karte mit historischen Daten aller DWD-Wetterstationen im Südwesten zeigt: Schnee an Heilig Abend ist die Ausnahme. Wie wahrscheinlich eine weiße Weihnacht in diesem Jahr ist, erläutert Wetterexperte Roland Roth im Interview mit Dominik Prandl.

So häufig gab es seit 1981 an Heiligabend Schnee (min. 1cm)

Herr Roth, wie gut stehen die Chancen auf weiße Weihnachten?

Aus heutiger Sicht nicht besonders gut. Wir haben schon seit Wochen eine dominante Hochdruckwetterlage und die wird uns wohl bis Ende dieser Woche erhalten bleiben. Allerdings deutet sich eine Änderung zu Weihnachten an. Weil es an Weihnachten aber wohl mildere Temperaturen geben wird, würde es in den Niederungen dann vorwiegend regnen. Allerdings: Kleine Hoffnungen auf Schnee gibt es noch. Denn immerhin tut sich ja etwas Richtung Weihnachten. 

Also lohnt es sich noch zu hoffen?

In den Niederungen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass es schneit, bei höchstens 30 Prozent, ab 800 Meter Höhe sind es vielleicht 50 bis 60 Prozent.

Wird es in diesem Winter denn überhaupt noch richtig schneien?

Im gesamten Winter 2013/14, also vom 1. Dezember bis zum 28. Februar, ist in der Region keine einzige Schneeflocke gefallen – etwas, das ich heute noch nicht begreifen kann. Dabei war ich mir immer sicher, der Schnee wird schon noch kommen. Aber es kam auch im Frühjahr kein Schnee mehr. In diesem Winter bin ich mir aber trotzdem wieder sicher, dass es noch schneien wird.

Warum schneit es eigentlich in manchen Orten mehr, in anderen weniger?

Die Höhe spielt dabei eine Rolle, aber nicht allein. In Wangen fällt beispielsweise weitaus mehr Schnee als in Bad Schussenried, unabhängig von der Höhe. Ein ganz entscheidender Faktor dabei ist der Staueffekt der Alpen: Die Polarluft staut sich und führt dort zu viel mehr Niederschlägen als beispielsweise in Riedlingen. Je näher wir an die Alpen kommen, umso mehr Niederschlag gibt es, also auch umso mehr Schnee.

Stimmt es, dass eine weiße Weihnacht bei uns eher eine Seltenheit ist?

In den letzten 48 Jahren hatten wir 14 weiße, zehnmal „angezuckerte“ und 24-mal grüne Weihnachten. Das spricht eine deutliche Sprache. In den letzten zehn Jahren hatten wir sogar nur ein einziges Mal Schnee an Weihnachten – im Jahr 2010. Die Wahrscheinlichkeit einer weißen Weihnacht hat also weiter abgenommen.

Warum? Wegen des Klimawandels?

Nicht unbedingt. Es gibt einfach das berühmte Weihnachtstauwetter – das ist ein Regelfall wie etwa die Eisheiligen. Wir haben da eine milde Westwetterlage und häufig Regen. Allerdings gibt es in letzter Zeit nichts zu tauen, weil vorher ja kein Schnee gefallen ist. Die letzten Weihnachten waren extrem mild. 2013 hatten wir die wärmste Heilige Nacht seit Messbeginn, da war es um Mitternacht 15 Grad warm – das ist selbst im Hochsommer nicht der Regelfall. Aber es wird auch in Zeiten des Klimawandels weiter Schnee geben. Klimawandel heißt: Wetterextreme nehmen zu. Dabei wird es auch richtig kalte Winter mit Schnee geben. Nur nicht mehr so beständig und zuverlässig wie das früher war.

Was meinen Sie, warum liegt den Menschen eigentlich so viel an weißen Weihnachten?

Das hat einfach etwas Beschauliches und Besinnliches. Wenn die ganze Natur mit Schnee bedeckt ist, dann ist das für mich auch ein schöner Winter. Schlimm sind die nass-kalten Winter. In Oberschwaben haben wir ja das Problem, dass wir häufig in der grauen Nebelsuppe sitzen. Wenn es Schnee gibt, haben wir viel mehr Helligkeit, weil Schnee die Helligkeit reflektiert. Das ist natürlich gut für unser Gemüt.

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