„Slumdog Millionär“ ist Märchen und Drama zugleich

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Deutsche Presse-Agentur

„Slumdog Millionär“ ist nur auf den ersten Blick die Geschichte zweier Brüder, die in einem Slum in Bombay aufwachsen. Der Film ist auch viel mehr als die märchenhafte Geschichte von einem der Brüder, der Jahre später bei einer Quizshow nach dem Vorbild von „Wer wird Millionär?“ abräumt.

„Slumdog Millionär“ ist ein Drama über Liebe, Verrat und Elend. Es ist ein schonungsloser Bericht über die Gesellschaft in einem aufstrebenden Indien, in der Ungerechtigkeit und Armut immer noch eine der Hauptrollen spielen.

In Zentrum des Films steht Jamal Malik, der zusammen mit seinem Bruder den Mord an seiner Mutter beobachten muss. Später landen sie in einem „Heim“, in dem sie zum Betteln gezwungen werden. Dort lernt Jamal seine große Liebe Latika kennen, die er den ganzen Film für sich zu gewinnen versucht, die ihm aber immer wieder entrissen wird. Regisseur Danny Boyle erzählt die Geschichte Jamals anhand einer Quizshow, in der er als Jugendlicher landet. Die Fragen weiß Jamal (gespielt von Dev Patel) nur deshalb zu beantworten, weil sie einen Bezug zu seinem Leben haben. Doch das Quiz-Talent wird der Schummelei verdächtig, verhört und gefoltert.

Der Film besticht zum einen durch seine Aktualität und politische Bedeutung. Er reißt aber zum anderen vor allem durch seine schnellen Schnitte, farbenprächtigen Bilder und atemberaubende Musik mit. Mit dieser Rastlosigkeit und Getriebenheit erinnert Boyle auch an seinen Drogenfilm „Trainspotting“. Dass keiner der Schauspieler bisher ein weltberühmter Kinostar war, trug sicher als „Sympathiebonus“ zum Erfolg des Streifens bei.

„Slumdog Millionär“ ist ein Film, der trotz seiner Brutalität auf eigenartige Weise gute Laune macht. Nach dem Happy End ist fast vergessen, dass hier ein kleiner Junge buchstäblich durch eine Kloake tauchte, Kindern Augen ausgebrannt wurden und ein Mensch gefoltert wurde. Zwar fällt das Ende so kitschig aus, dass der Zuschauer annehmen muss, dass der Regisseur hier die gesamte Filmbranche auf die Schippe nehmen will. Doch nur durch diese Extra-Ladung Romantik konnte das Drama wohl erst zum Oscar-Gewinner und Kinoknüller werden.

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