Skandal-„Lohengrin“ gerät zum vollen Erfolg

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Deutsche Presse-Agentur

Am Ende ist es ein Sieg für den Dirigenten: Nicht einmal eine Woche vor der Premiere des „Lohengrin“ im Stuttgarter Opernhaus hatte Generalmusikdirektor Manfred Honeck sich so sehr mit Regisseur Stanislas Nordey überworfen, dass dieser das Handtuch warf.

Gleichzeitig entließ Honeck auch den Darsteller der Titelrolle, Lance Ryan. Als am Sonntagabend aber schließlich der letzte Vorhang für die vierstündige Wagner-Oper fällt, scheint der Trubel vergessen: Sänger, Musiker und vor allem Honeck werden mit minutenlangem Applaus begeistert gefeiert.

Der Streit zwischen musikalischem Leiter und Regisseur hatte sich darüber entbrannt, wie der rund 100 Mann starke Chor des Dreiakters in Szene gesetzt werden soll. Während Nordey für seinen Stuttgart- Einstand eine statisch-sitzende Inszenierung vor Augen hatte, schien dies für Honeck nicht möglich: Die akustische Wahrnehmung des Chores im Zuschauerraum würde zu sehr leiden.

Am Sonntag nun wurde das Stück laut Pressetext „nach dem Konzept“ Nordeys, jedoch mit leichten Veränderungen, gegeben. Der Chor saß und stand, meist in vier langen Reihen übereinander, auf der von Emmanuel Clolus sehr nüchtern gehaltenen Bühne. Im Laufe des Stücks werden die Chorsänger immer sichtbarer: Scheinen ihre weißen Gesichter bei dunkler Kleidung zu Beginn wie Büsten vor dem schwarzen Hintergrund zu schweben, stehen sie schließlich im Schlussakt mit weißem Brustpanzer (verantwortlich für die stets deutlich in Gut und Böse einteilenden schwarz-weißen Kostüme: Raoul Fernandez) unübersehbar auf der Bühne.

Einen glänzend-weißen Anzug mit langem Mantel trägt auch Lohengrin Scott MacAllister. Er wird am Ende für die Darstellung des Ritters, nach dessen Namen niemand fragen darf, mit starkem Applaus belohnt. Dies könnte nach Meinung einiger Zuschauer aber auch an seinem kurzfristigen Einspringen gelegen haben - zu deutlich scheint er seinem Gegenspieler Wolfgang Koch in der Bühnenpräsenz unterlegen. Dessen energischer Friedrich von Telramund bekommt dann auch den kräftigsten Beifall und die meisten „Bravo“-Rufe des Abends.

Mit einer sanften, beinahe naiven Elsa von Brabant gibt zudem Mary Mills ein gut aufgenommenes Debüt in Stuttgart. Als sie ihr Versprechen bricht und den unbekannten Ritter Lohengrin doch nach seinem Namen fragt, ist die Spannung im Zuschauerraum greifbar. Besonders hier scheint Nordeys Idee, das Stück auf die Beziehungen der Hauptfiguren zu konzentrieren, aufzugehen. Auch das Zusammenspiel Elsas mit ihrer Feindin Ortrud, von Barbara Schneider-Hofstetter ausdrucksstark grimassierend interpretiert, kommt sehr gut bei den Zuschauern an.

Ein voller Erfolg also? Teils-teils: Die Reduziertheit bei Bühne und Kostümen habe ihm gut gefallen, sagt ein Zuschauer hinterher. „Es ist aber die Frage, ob das als Idee für eine große Oper reicht“.

www.staatstheater.stuttgart.de/oper

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