Sieben Jahre Haft für Mordversuch mit VW-Bus

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Krachte mit einem Auto ins Haus seiner Ex-Freundin: Mike G. bekommt eine lange Haftstrafe. Vor Gericht verbirgt der 33-Jährige s
Krachte mit einem Auto ins Haus seiner Ex-Freundin: Mike G. bekommt eine lange Haftstrafe. Vor Gericht verbirgt der 33-Jährige sein Gesicht hinter einem Aktenordner. In der Reihe hinter ihm seine Anwältin Regina Rick und sein Anwalt Klaus Wittmann. (Foto: PAtrik Stäbler)
Patrik Stäbler

Es ist ein ungewöhnlich kühler Abend im Juni 2018 – ein Glück für Tanja H. und ihren Lebensgefährten. Andernfalls hätte sich das Paar gegen 21.30 Uhr vielleicht auf der Terrasse seines Hauses in Markt Indersdorf bei München aufgehalten. Und in diesem Fall wären die zwei heute womöglich nicht mehr am Leben.

Denn an jenem Abend – während Tanja H. und ihr Freund im Bad sind – rauscht ein 1,8 Tonnen schwerer VW-Bus durch die Hecke des Anwesens, brettert über die Veranda und kracht durch die Terrassentür ins Wohnzimmer des Hauses. Am Steuer sitzt Mike G., der Ex-Freund von Tanja H., die wenige Wochen zuvor die Beziehung beendet hat. Aus diesem Grund wollte der 33-Jährige den neuen Partner seiner Ex-Freundin mit dem Kleinbus töten.

Zu diesem Schluss ist das Landgericht München am Freitag gekommen und hat Mike G. daher unter anderem wegen versuchten Mordes zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Der 33-Jährige nimmt die Entscheidung so auf, wie er fast die gesamte Verhandlung verfolgt hat – regungslos, mit gesenktem Kopf. Allein bei seinem letzten Wort, das jedem Angeklagten vor dem Urteil zusteht, hebt Mike G. den Kopf und blickt in die Zuschauerreihen – dorthin, wo Tanja H. und ihr Freund sitzen. „Dass ich einen Fehler gemacht habe, das weiß ich“, sagt er. Aber: „Ich hatte niemals die Absicht, jemanden zu verletzen.“

Mehr als zwei Jahre sind Mike G. und Tanja H. ein Paar; acht Monate lang leben sie zusammen in jenem Haus, in das später der Kleinbus krachen wird. Dann jedoch beendet die 30-Jährige die Beziehung, da sie einen anderen Mann kennengelernt hat. Mike G. habe daraufhin eine „fast schon krankhafte Eifersucht“ entwickelt, sagt der Staatsanwalt. Er habe seine Ex-Freundin gestalkt und ihr Nachrichten voller Wut, Hass und „purer Verachtung“ geschrieben. Ganz anders klingt das beim Verteidiger des Abservierten, wonach zwischen den beiden „nur ein paar SMS hin- und hergeschrieben wurden“, so Anwalt Klaus Wittmann. Und: „Eifersucht war da überhaupt nicht im Spiel.“

Am Tag der Tat fordert der 33-Jährige von Tanja H. seinen Sky-Receiver zurück, der sich noch in deren Haus befindet. Die Übergabe auf einem Parkplatz erledigt jedoch nicht sie, sondern ihr neuer Freund – ein 1,95 Meter großer und 115 Kilo schwerer Hüne.

Beim Anblick des ihm so verhassten Mannes seien bei Mike G. „vollkommen die Sicherungen durchgebrannt“, sagt der Staatsanwalt. So habe er bei diesem Treffen versucht, den Mann anzufahren, was ihm aber nicht gelingt. Eine Viertelstunde später – der neue Freund von Tanja H. ist inzwischen wieder daheim – lenkt der 33-Jährige den VW-Bus mit einer Geschwindigkeit von knapp 50 Stundenkilometern durch die Hecke und weiter auf die Terrassentür zu, wo das Gefährt im Eingang zum Wohnzimmer stecken bleibt.

Eine ganze Familie auslöschen

Mike G. sei davon ausgegangen, dass sich Tanja H. und ihr Freund im Haus aufhalten, sagt der Staatsanwalt. „Er wollte nur eins: Töten. Punkt, Ende, Aus.“ Überdies habe der 33-Jährige „billigend in Kauf genommen“, dass auch der Tochter von Tanja H. etwas zustoße, von der er annehmen musste, dass sie im ersten Stock schlafe – wobei das Kind in Wahrheit nicht zu Hause, sondern bei ihrem Vater, einem früheren Partner von Tanja H., war. Der Plan aber sei es gewesen, „eine ganze Kleinfamilie auszulöschen“, sagt der Staatsanwalt, der in seinem Plädoyer eine Freiheitsstrafe von elf Jahren fordert.

Die zwei Verteidiger von Mike G. plädieren dagegen für weit niedrigere Strafen sowie eine Verurteilung bloß wegen Körperverletzung und Zerstörung eines Bauwerks – „weil keine Tötungsabsicht bestand“, sagt Anwalt Klaus Wittmann. Vielmehr habe sein Mandant an dem Abend ein „Abschiedsgespräch“ gesucht. „Das ist ihm verweigert worden, und da ist er in eine affektive Erregung gekommen.“

Das Gericht jedoch schließt sich dieser Auffassung nicht an. Zwar weist der Vorsitzende Richter Thomas Bott die Argumentation des Staatsanwalts zurück, wonach Mike G. bei seiner Attacke auch die Tochter von Tanja H. habe töten wollen. Bei dem Freund der 30-Jährigen sei dies aber sehr wohl der Fall gewesen, und zwar auf heimtückische Art und Weise – daher die Verurteilung wegen versuchten Mordes. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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