Schneller Zugang zu einer „Schreckensgestalt“

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«Hitler. Die 101 wichtigsten Fragen»
Der Historiker Volker Ullrichgibt auf 160 Seiten klare, prägnante Antworten zu Adolf Hitler. (Foto: C.H.Beck / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Oliver Pietschmann

Adolf Hitler mal kurz erklärt. Wem die zahlreichen, Hunderte Seiten starken Hitlerbiografien über Leben, Aufstieg und Verbrechen des deutschen Diktators zu detailgetreu sind oder zunächst einmal abschrecken, hat jetzt eine schmalere Alternative.

Der Historiker Volker Ullrich hat kurz nach dem zweiten Band seiner Hitlerbiografie nun „Hitler. Die 101 wichtigsten Fragen“ vorgelegt. „Bücher über Hitler und den Nationalsozialismus füllen mittlerweile ganze Bibliotheken, und jedes Jahr kommen neue hinzu“, schreibt Ullrich. Auf 160 Seiten gibt er nun klare, prägnante Antworten von einer Länge von maximal zwei Seiten und zeichnet so ein rundes Bild von Hitler, das zwar nicht alle Facetten des Diktators in einer Gesamtdarstellung erfasst, aber einen schnellen Einblick bietet.

Die Intention des Autors ist den auch, gerade jungen Menschen, für die die zwölf Jahre NS-Diktatur ferne Vergangenheit sind, eine Orientierung zu geben. So solle auch eine Anregung geschaffen werden, zu einer der zahlreichen, umfassenden Hitlerbiografien zu greifen. Ullrich listet denn auch in seinen Literaturhinweisen die neuesten und wichtigsten Biografien auf.

Trotz der Kürze seines Buches begrenzt der Historiker und Journalist Ullrich seine Darstellung in neun Kapiteln nicht ausschließlich auf den Aufstieg der „Schreckensgestalt“ Hitler, den Mythos um seine Person, Krieg, Holocaust und Untergang. In Fragen und Antworten zeichnet er auch seine Herkunft oder Hitlers Verhältnis zu Frauen im Allgemeinen und zu Eva Braun im Speziellen nach. Er fragt nach den Hobbys, nach den Fremdsprachenkenntnissen und der Lebensführung.

„Nach allem, was bislang bekannt ist, scheint Hitler eine ziemlich normale Kindheit verbracht zu haben“, schreibt Ullrich. Er sei kein Asket gewesen und habe den Luxus geschätzt. Sein Verhältnis zu Frauen sei spekulativ, da es darüber keine Aufzeichnungen gebe. Eva Braun sei allerdings die Frau gewesen, die nach seiner Mutter die wichtigste Rolle in seinem Leben gespielt habe. Die Hochzeit angesichts der nahenden Niederlage im Führerbunker einen Tag vor dem gemeinsamen Selbstmord überraschte selbst seine nächsten Gefolgsleute. „Die Eheschließung in letzter Stunde war seine Form des Dankes an die Frau, die ihm gegenüber stets bedingungslos loyal gewesen war und nun auch gemeinsam mit ihm Selbstmord verüben wollte.“

Auch immer wieder gestellte Fragen zur sogenannten Machtübernahme, zur Kriegswende oder zu einem Holocaust-Befehl beantwortet Ullrich. „Hätte Hitler von der Macht ferngehalten werden können? Wann kann von einer Wende des Krieges gesprochen werden? Gab es einen Befehl Hitlers zur „Endlösung der Judenfrage“?

Hitlers Weg zur Macht sei keineswegs ein ununterbrochener Siegeszug gewesen. „Selbst Ende Januar 1933 war die Übertragung der Macht auf Hitler nicht alternativlos“, schreibt der Wissenschaftler. Entgegen der gängigen Meinung, die Niederlage von Stalingrad habe die Kriegswende eingeleitet, datiert Ullrich diesen Punkt viel früher. Schon im Scheitern der Offensive vor Moskau und in den Kämpfen in der Folgewochen Ende 1941, Anfang 1942 sieht er den eigentlichen Wendepunkt. Und eines Befehls Hitlers zum Holocaust bedurfte es nicht. Er habe seine Wünsche geäußert und damit gleichzeitig seine Gefolgschaft ermuntert, diese mit allen mörderischen Konsequenzen mit „Fantasie und Ehrgeiz“ umzusetzen. „Eines schriftlichen Befehls Hitlers bedurfte es nicht.“

- Volker Ullrich: Hitler. Die 101 wichtigsten Fragen, Verlag C.H.Beck, München, 160 Seiten, 10,95 Euro, ISBN 978-3-406-73525-7.

Hitler. Die 101 wichtigsten Fragen

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