Schluss mit der Opferrolle

Lesedauer: 2 Min
Schluss mit der Opferrolle
Schluss mit der Opferrolle (Foto: Falter, Klaus)

Marie Laguerre will nicht mehr schweigen. Sie hat ein Video online gestellt, in dem sie sexuell belästigt und – nachdem sie sich wehrt – geschlagen wird. Ein mutiges Signal. Der Fall der Studentin macht deutlich, dass sich die Zeiten geändert haben. Jahrzehntelang hatten die Französinnen anzügliche Sprüche und Berührungen stillschweigend hingenommen. Die Affäre um Dominique Strauss-Kahn steht stellvertretend für diese Praxis. Das Verhalten des früheren IWF-Chefs gegenüber Frauen war bekannt, bevor er wegen versuchter Vergewaltigung 2011 in New York festgenommen wurde. Doch damals wollte seine Opfer noch keiner hören.

Seither ist Frankreich einen weiten Weg gegangen. Dass die Zeiten sich geändert haben, zeigt auch das neue Gesetz gegen Sexismus, das die engagierte Staatssekretärin Marlène Schiappa rechtzeitig vor den Sommerferien durchs Parlament brachte. Der Text ist eher kosmetischer Natur, doch er hat eine starke symbolische Wirkung. Er stärkt die Stellung von Frauen wie Marie Laguerre. Die Studentin ist die beste Antwort auf das verstaubte Rollenbild einer Catherine Deneuve, die für Männer „die Freiheit, aufdringlich zu sein“ gefordert hatte. In Wirklichkeit macht sie damit Frauen auf Dauer zu Opfern. Und genau das wollen die Französinnen nicht mehr. Marie Laguerre hat das eindrucksvoll gezeigt.

journal@schwäbische.de

Mehr zum Thema
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen