Schlafen und schlemmen im Schloss

Redakteurin

Leben wie Gott in Frankreich lässt es sich auch in Österreich. Logieren wie ein Gutsbesitzer oder Schlossherr noch besser. Zum Beispiel in Kärnten. Dort stehen sechs Unterkünfte (welch banales Wort!), die zum Verbund „Schlosshotels und Herrenhäuser“ gehören. Dies ist eine der ältesten Hotelkooperationen überhaupt, wurde vor 56 Jahren gegründet und hat sich „gelebte Geschichte“ auf die Fahne geschrieben, wie es der heutige Präsident der Vereinigung, Franz Ladinser, ausdrückt. Eines ist den insgesamt 86 Häusern in Österreich, Deutschland, Kroatien, Ungarn, Slowakei, Tschechien, Italien, Slowenien und der Schweiz gemein: Sie sind allesamt historisch. Sprich, bestens renovierte Überbleibsel aus der guten alten Zeit, als Hochwohlgeborene und Betuchte noch in die Sommerfrische reisten und auch dort auf Komfort und Luxus nicht verzichten wollten. Schlösser sind selbstverständlich dabei, aber auch Burgen, Festungen, Ansitze, Wein- und Landgüter, Jagd- und Herrenhäuser sowie Villen. Die meisten von ihnen haben mindestens 100 Jahre auf dem Bu-ckel, versprühen Charme und vor allem: Authentizität – eines der Kriterien für die Aufnahme in die Kooperation.

See-Villa in Millstatt

Der gemeinsame Nenner der Betriebe ist ihre historische Individualität, der Charme des Vergangenen und Gelebten, die regionale Verwurzelung, der persönliche Führungsstil, die individuelle Gastfreundschaft und der Mix aus Modernität und Tradition“, erzählt Ladinser. Dem entspricht das Hotel See-Villa in Millstatt am gleichnamigen See zu 100 Prozent. Es ist heute im Besitz der Familie Tacoli, italienischer Uradel. Das gelbe Schlösschen mit 42 Zimmern, einem Restaurant, einem Bootshaus und einer großen Terrasse steht in einem gepflegten Park direkt am Wasser. Gäste können vom Garten aus direkt in den glasklaren Millstättersee hüpfen oder sich mit hauseigenen Brettern im Stand-up-Paddling üben. Der Blick gleitet über die ruhige Wasserfläche hinüber ans andere Ufer und hinauf zu den prächtigen Gipfeln, die auf diesen zweitgrößten See Kärntens herabschauen.

Erbaut wurde das Hotel Ende des 19. Jahrhunderts von den Architekten Mayreder und Köchlin. Auftraggeber war der wohlhabende Verleger und Sohn eines böhmischen Glasindustriemagnaten, Rudolf Schürer von Waldheim. Trotz der idealen Lage am See war es für Schürer nicht einfach, Gäste anzulocken. Erst nachdem Erzherzog Carl und Prinz Ludwig von Österreich, der jüngere Bruder des österreichischen Kaisers Franz Josef I., die See-Villa besucht und in höchsten Tönen gelobt hatten, kamen die adeligen Sommerfrischler in Scharen. Heute kennt die See-Villa viele Stammgäste, die vor allem die Eleganz der Vergangenheit und den Komfort der Gegenwart sowie das mehrfach ausgezeichnete Essen des Restaurants schätzen. Hier kommen vor allem Fisch aus dem See und Wild aus heimischer Jagd auf den Tisch.

Millstatt erlebte im Fin-de-Siècle einen wahren Boom. Weitere Bauherren entdeckten das Örtchen. Viele Adelige ließen hier ihren Sommersitz errichten. So entstanden Zug um Zug Schlösschen und Herrenhäuser. Noch heute prägen die Villen aus der Gründerzeit sowie das große Stift Millstadt das Ortsbild.

Seeschlössl in Velden

Am Wasser liegt auch das Seeschlössl in Velden. Hier ist es der Wörthersee, Kärntens größter, der die Kulisse für den herrschaftlichen Sommersitz mit seinen zehn Gästezimmern bildet. Das Doppelzimmer kostet hier ab 105 Euro, und somit zählt dieses Haus zu den günstigeren der Schlosshotels. Erbaut wurde das Seeschlössl 1915 in einem schattigen, grünen Hain. Der romantische Bau mit seinen Jugendstilelementen, seiner original Zirbenstube und seiner stilvollen Inneneinrichtung steht nicht direkt am Ufer, sondern etwas zurückgesetzt am Hang. Ganz vorne am Wasser nämlich lädt das hübsche und mit gemütlichen Sofas und Liegen ausgestattete weiße Bootshaus zu ausgiebigem Badevergnügen im See. Das Seeschlössl firmiert als Garni, sprich, bietet kein Mittag- oder Abendessen. Dafür allerdings ist das üppige und exquisite Frühstück erwähnenswert. In so manchem Internet-Kommentar wird es als das beste ganz Österreichs bezeichnet.

Und während im Seeschlössl am Ortsrand die noble Vergangenheit in aller gebotenen Ruhe noch mal auflebt, gilt Velden selbst als Lifestyle-Bühne des Wörthersees. Schicke Boutiquen, coole Bars und gemütliche Straßencafés prägen das Ortsbild und laden zum Flanieren und Gustieren ein. Nicht zu vergessen Schloss Velden, dessen Kulisse aus der deutsch-österreichischen Fernsehserie „Ein Schloss am Wörthersee“ bekannt ist.

Lerchenhof in Hermagor

Nicht am Wasser, sondern mitten im Gailtal zwischen Karnischen Alpen und Lienzer Dolomiten steht der Lerchenhof bei Hermagor, der als das besterhaltene Gebäude der Biedermeierzeit Österreichs gilt. Das 1848 errichtete herrschaftliche und heute unter Denkmalschutz stehende Haus war einst als Hochzeitsgeschenk gedacht. Der junge Bräutigam allerdings verstarb viel zu früh – die Liebe aber ist geblieben. Mit viel Hingabe führt die Familie Steinwender das 40-Betten-Hotel, in dem der 33-jährige Juniorchef höchstselbst den Kochlöffel schwingt. Er hat sich der Slow-Food-Bewegung verschrieben und verwöhnt seine Gäste ausschließlich mit Produkten aus der Alpe-Adria-Region. Mit Liebe wird nicht nur das Haus selbst, sondern auch das Drumherum geführt. Dazu gehören der Kräuter- und Gemüsegarten genauso wie die nahen Kraftorte, der große Obstgarten und die Herstellung von eigenem Speck und Brot. „Gib dem Guten Zeit“ lautet das alles beherrschende Motto im Lerchenhof. Und die Gäste verstehen sehr schnell, was damit gemeint ist.

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