Schiller in Marbach: Vom Hut bis zur Schuhschnalle

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Deutsche Presse-Agentur

Er liebte Schnupftabak und schwäbische Knödel, konnte beim Arbeiten schon mal in Zorn geraten und dadurch Kopfschmerzen bekommen und er trug für das 18. Jahrhundert recht normale Klamotten.

Kurzum auch der große Dichter Friedrich Schiller lebte - zumindest in Teilen - einen ganz normalen Alltag. Neue Einblicke in das Leben des deutschen Nationaldichters gewährt die Ausstellung „Autopsie Schiller“, die von Sonntag (1.3.) an im Literaturmuseum der Moderne (LiMo) in Schillers Geburtsstadt Marbach am Neckar gezeigt wird. Selten gab es so viel Schiller an einem Fleck: sein Hut, sein Handspiegel, seine Tabakdose, sein Handwärmer, seine Strümpfe - fast 400 Exponate aus seinem aber auch aus Nachlässen andere Dichter des 18. und 19. Jahrhunderts. Friedrich Schiller (1759-1805) wurde am 10. November vor 250 Jahren in Marbach geboren.

Erstmals wird damit der gegenständliche Nachlass des deutschen Shakespeares und Schöpfers der „Räuber“, von „Wilhelm Tell“ oder „Kabale und Liebe“ in seiner ganzen Fülle präsentiert. „Wir wollen Schiller komplett zeigen - alles, was in den vergangenen 200 Jahren hier in Marbach gesammelt wurde“, sagte Ulrich Raulff, Direktor des Deutschen Literaturarchivs, und nannte die Ausstellung eine „posthume Biografie“. Auffällig sei, dass der Nachlass von Schiller eben nicht nur die üblichen Reliquien wie Brille, Kerzenleuchter oder Briefbeschwerer umfasse, sagte Museumsleiterin Heike Gfrereis. „Schiller haben wir als ganzen Körper - von Kopf bis Fuß.“ Vom Hut bis zu den Schuhschnallen.

Ähnlich einer Autopsie als pathologisches Verfahren zerlegt die Ausstellung diesen Körper systematisch. Jedes der neun Kapitel nimmt einen Gegenstand aus Schillers Leben und kombiniert es spielerisch mit anderen Exponaten - und dem Werk. Schließlich lautet der Untertitel „Eine literarische Untersuchung“. Welche Bedeutung hatten die Spuren, die Schiller hinterlassen hat? Viele Dinge wirkten, als seien sie gesammelt worden, eben weil sie über Assoziationen auch zu Zitaten, Bildern oder Figuren im Werk Schillers passten, sagte Heike Gfrereis. So führt der Weg von den Schuhschnallen zum „Wallenstein“, vom Spazierstock zum „Spaziergang“, von den Handwärmern zu den „Räubern“, vom Hut zu „Wilhelm Tell“ und von der Taschenuhr zu „Kabale und Liebe“.

Die Lebenszeugnisse laden dazu ein, sich den Dichter vorzustellen. Auch die vielen überlieferten Locken - ob nun tatsächlich von seinem Haupt oder einem x-beliebigen anderen - seien in erster Linie Zeugnisse der Dichterverehrung, sagte Gfrereis. Inklusive der Anleihen bei der Heiligenverehrung der Katholiken. Die „Autopsie“ gelinge, „weil der Betrachter zumindest glauben darf, dass sie tatsächlich von Schiller sind“. Mit einem guten Teil der Reliquien wird das Schiller Nationalmuseum bestückt, das an Schillers 250. Geburtstag im November nach zweijähriger Sanierung wiedereröffnet wird.

„Autopsie Schiller. Eine literarische Untersuchung“ ist bis zum 4. Oktober im LiMo zu sehen. Das Museum ist täglich außer montags von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt inklusive Dauerausstellung kostet für Erwachsene 7 Euro.

www.dla-marbach.de

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