S.O.S. Amazonas

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S.O.S. Amazonas
Ein indigener Ureinwohner vom Stamm der Uru-Eu-Wau-Wau im Amazonas, der durch die Brandrodungen besonders betroffen ist. (Foto: Leandro Langoni/ZDF/Arte/dpa / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Klaus Braeuer

Die riesigen Regenwälder im Gebiet des Amazonas-Flusses in Brasilien haben im Sommer dieses Jahres unter gewaltigen Feuern gelitten. Wie es dazu kommen konnte und was die Folgen sind, berichtet die Doku „S.O.S. Amazonas - Apokalypse im Regenwald“.

Die Dokumentation wird an diesem Dienstag (20.15 Uhr) auf Arte gezeigt.

„Die Lunge der Welt brennt“ - so heißt es in diesem Film. Hauptursache für die mittlerweile leicht zurückgegangenen Brände scheinen die von Menschen verursachten Brandrodungen zu sein, hinzu kommt eine dort seit Monaten andauernde Dürre.

Der Amazonas ist der wasserreichste Fluss und beheimatet die größte Artenvielfalt weltweit, die Region ist die Heimat vieler indigener Ureinwohner, deren Lebensraum nun stark bedroht ist. Doch die Feuer stellen eine Bedrohung für die ganze Erde dar, denn ohne den Erhalt einer intakten Amazonasregion wird ein geradezu existenzielles Problem auf unseren Planeten zukommen.

Der Film reflektiert die aktuelle ökologische und humanitäre Katastrophe und sucht nach den Gründen für den verheerenden Umgang mit dem einzigartigen Ökosystem. Der Raubbau wird von dem seit Jahresbeginn amtierenden Staatspräsidenten Jair Bolsonaro geradezu gefördert, was der Film ziemlich deutlich darstellt. Bolsonaro kommt mit seiner einseitigen Sichtweise zu Wort, doch die Satellitenbilder des INPE, des brasilianischen Instituts für Weltraumforschung, zeigen einen drastischen Anstieg der illegalen Abholzung allein in diesem Jahr. Der renommierte Wissenschaftler und Institutsleiter Ricardo Galvão war vom Präsidenten entlassen worden, mit der Begründung, die wissenschaftlichen Daten seien nicht korrekt und schadeten dem Image des Landes.

Autor Albert Knechtel („Rio, wunderbare Stadt“, „Brasiliens Asphaltcowboys“) macht eine Bestandsaufnahme am Ort der Katastrophe: Einmal quer durch Brasilien reist er, von der bolivianischen Grenze bis zum Xingu, und trifft dabei auf Kritiker und Betroffene, die die Lage aus ihrer jeweils sehr persönlichen Sicht darstellen.

Aber auch Experten kommen zu Wort: Ein Forstingenieur, ein Agrarprofessor und ein Staatsanwalt äußern sich im Film ebenso besorgt wie eine Ordensschwester und Vertreter der Indigenen Vereinigung. Junge Häuptlinge berichten von ihren Sorgen mit dem „Weißen Mann“ und dass sie obendrein mit Morddrohungen zu kämpfen haben. Ein Landwirt und ein Unternehmer behaupten, dass sich die Natur in wenigen Jahren doch ohnehin wieder erholt haben wird und das ganze leidige Thema viel zu hoch gehängt werde. Die Polizei vor Ort gibt sich weitgehend machtlos, weil die Strukturen ihrer Gegner mafiöse Züge angenommen haben.

Knechtel spricht von „einem zündelnden Präsidenten“. Er stellt fest, dass die Brände am Amazonas eine direkte Folge von illegalem Abholzung und dreistem Landraub sind, die vermutlich erst dann aufhören werden, wenn die Verursacher nicht länger straffrei ausgehen.

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