Süße Schokolade – bittere Arbeit

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Kakaofrüchte werden oft unter menschenunwürdigen Umständen angebaut und geerntet. Kinderarbeit gehört zur Regel. (Foto: imago)
Deutsche Presse-Agentur
Iris Frieling und Margret Scholtyssek

Sie gehört weltweit zu den beliebtesten Süßigkeiten: Schokolade. Wer sie nascht, denkt vielleicht über Geschmack und Kalorien nach, aber kaum über die Arbeitsbedingungen auf den Kakaoplantagen. Zahlen und Fakten:

Wann wurde Kakao entdeckt?

Ursprünglich stammt der Kakaobaum aus Zentralamerika. Seine Früchte wurden bereits von den Olmeken, Maya und Azteken genutzt. Kakao diente nicht nur als Nahrung, sondern wurde auch als Zahlungsmittel, bei religiösen Riten und als Heilmittel verwendet. Als die Spanier Mittelamerika eroberten, lernten sie von den Azteken „cacahuatl“ kennen – einen Trank aus Kakao und Wasser. Vermutlich Mitte des 16.Jahrhunderts brachten sie ihn erstmals nach Spanien. Unverarbeitet war er aber ungenießbar. Erst nach der Zugabe von Honig und Rohrzucker wurde daraus ein Getränk mit wachsender Beliebtheit.

Wieviel Kakao wird produziert und wo wird er angebaut?

Weltweit wurden 2013 etwa vier Millionen Tonnen produziert. Nachhaltig erzeugter Kakao ist derzeit nur in geringen Mengen verfügbar (weniger als fünf Prozent). Etwa 70 Prozent der Weltkakaoernte stammen aus Westafrika, vor allem aus der Elfenbeinküste und Ghana. Mehr als zehn Prozent werden allein in Deutschland verarbeitet; 2013 wurden hier rund eine Million Tonnen Schokoladewaren produziert.

Wie ist die Situation in den Kakaoanbauländern?

„Hungerlöhne, ausbeuterische Kinderarbeit und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen gehören zum Alltag der Kakaobauern“, sagt Evelyn Bahn, Leiterin der Kampagne „Make Chocolate fair!“. Die Situation in Westafrika sei besonders verschärft. Die Mehrheit der Bauern lebt dort in Armut und hat weniger als 1,25 Dollar am Tag. Etwa zwei Millionen Kinder arbeiten in der Region auf Kakaoplantagen, davon mehr als 500000 unter menschenunwürdigen Bedingungen – sie müssen mit gefährlichen Maschinen und Chemikalien hantieren, schwere Säcke tragen und können nicht oder nur sehr unregelmäßig zur Schule gehen.

Was wird dagegen getan?

Von 2001 bis 2011 investierte die Industrie weltweit mehr als 75 Millionen US-Dollar in verschiedene Programme und Projekte zur Förderung eines nachhaltigen Kakaoanbaus – zum Beispiel in die Bildung von Kooperationen, um Marktzugang und Dienstleistungen für die Bauern zu verbessern, in Schulungsangebote über moderne Anbaumethoden oder Projekte zur Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Wie wird Schokolade hergestellt?

Kakaomasse ist Basis für Schokoladenerzeugnisse. Grundstoff sind die Kakaobohnen, die geröstet und zermahlen werden. Die Kakaomasse wird mit Zucker, Kakaobutter und – je nach Schokoladenart – mit Milch- oder Sahnepulver vermischt. Dann wird die Masse feingewalzt und so lange geknetet, gerührt und temperiert, bis sie glatt und gießfähige ist. Dunkle Schokolade kann einen Kakaoanteil von 70 Prozent oder mehr haben. Weiße Schokolade enthält keine Kakaomasse, sondern Kakaobutter, die bei der Bearbeitung des Rohkakaos freigesetzt wird.

Wie hoch ist der Schokoladenkonsum?

Die Schweiz ist für ihre Schokolade berühmt. Sie steht auch mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 12 Kilogramm im Jahr 2013 an der Spitze der Schleckermäulchen. Deutschland belegt mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von schätzungsweise 9,7 Kilogramm den zweiten Platz. Besonders zu Ostern ist Schokolade sehr beliebt. In diesem Jahr wurden etwa 200 Millionen Schoko-Hasen produziert – mehr als 40 Prozent davon fürs Ausland.

Macht Schokolade glücklich und ist sie gut für die Gesundheit?

„Sicherlich haben die Fettkomponenten, die das tolle Mundgefühl erzeugen, einen glücksbringenden Effekt. Aber ob Schokolade definitiv glücklich macht, ist wissenschaftlich schwer belegbar“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Einige Studien beschreiben allerdings, dass kakaohaltige Lebensmittel den Blutdruck oder das Risiko für Schlaganfall und Herzerkrankungen senken können. Diese positive Wirkung wird den Flavonoiden, bestimmten sekundären Pflanzenstoffe, zugeschrieben.

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