Rund 4000 Biker beim „Elefantentreffen“

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Deutsche Presse-Agentur

„Kölle Alaaf“ im Bayerischen Wald - Günter Schaaf wiederholte am Wochenende hundertfach den Karnevalsgruß. Damit wurde der 81-jährige Rheinländer bei Europas größtem und ältesten Wintertreffen von Motorradfahrern schnell zum Maskottchen.

Rund 4400 Biker aus allen Ecken des Kontinents waren zum „Elefantentreffen“ nach Thurmansbang gekommen. Teilweise waren die harten Männer und Frauen mit großem Gepäck tagelang gefahren, um in dem Talgelände im Landkreis Freyung-Grafenau - als „Hexenkessel“ bekannt - bei bis zu minus zehn Grad in Zelten zu campieren. Das Traditionstreffen fand in diesem Jahr zum 53. Mal statt.

Schaaf war einer der ältesten Teilnehmer des Spektakels, obwohl er selbst betonte, dass er „81 Jahre jung“ sei. Auf dem Weg nach Bayern hatte er nahe Limburg eine Karnevalssitzung besucht, das Outfit trug er dann natürlich auch beim „Elefantentreffen“. So wurde der Kölner mit seinem Narrenkostüm der bunte Vogel des Treffens, und das lag nicht nur an dem Vogelkäfig auf seinem Kopf. Hundertfach wurde Schaaf von den anderen Teilnehmern für Erinnerungsfotos abgelichtet, er genoss dies sichtlich. Trotz seines Alters ist er jedes Jahr noch bis zu neun Monate auf seiner 650er Honda unterwegs - der Tacho bewegt sich auf die 300 000-Kilometer-Marke zu. Die restliche Zeit lebt er bei seinem Sohn in einem Zimmer. „Ich bin ein motorisierter Landstreicher“, meint Schaaf über sich selbst.

Solche Teilnehmer sind bei dem eisigen Bikertreff das Salz in der Suppe. Denn es gibt es kein großes Programm, im Mittelpunkt steht das gegenseitige Kennenlernen und Fachsimpeln am Lagerfeuer. Zum Aufwärmen gibt es nur kleine Wettbewerbe wie Tauziehen oder Brennholz sägen. Im Gegensatz zu früheren Jahren fehlte manchen Teilnehmern diesmal nur der Schnee. Weil davon zu wenig lag, fiel das ansonsten beliebte Schneeskulpturenbauen aus. Da aber auch tagsüber die Temperaturen frostig blieben, wurde das Zweiradfest wenigstens nicht zur Schlammschlacht - auch das hatte es früher schon gegeben. „Wir haben gute Bedingungen, die Leute sind zufrieden“, meinte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Motorradfahrer, Michael Lenzen.

Zudem gab es wieder einiges zu bestaunen, seien es Oldtimer oder spektakuläre Umbauten auf zwei Rädern. Manche Basteleien waren aber einfach nur zweckmäßig, wie die Handwärmer am Lenker eines Italieners - betrieben mit der Wärme des Motorblocks. Ein anderer Südländer hatte dafür viel zu erzählen, nachdem er mit einem kleinen Vespa-Roller über die Alpen geknattert ist.

In Thurmansbang waren Kennzeichen aus Russland, Skandinavien, England, Spanien, Frankreich, Slowenien oder dem benachbarten Tschechien zu sehen. „Das Elefantentreffen hat einen legendären Ruf, es ist einmalig in Europa“, sagte Lenzen. Der Rekordteilnehmer Horst Hartmann aus Heidesheim war wie immer gern gesehen. Er hatte wie üblich die 475 Kilometer lange Strecke in den Bayerwald mit einem selbstgebauten BMW-Gespann zurückgelegt. „Ich hatte es 50 mal hintereinander geschafft, dann konnte ich die letzten beiden Jahre nicht kommen“, erzählte der 74-Jährige.

Das erste „Elefantentreffen“ gab es 1956 bei Stuttgart. Damals kamen zunächst nur Fahrer der Zündapp-Gespanne KS 601. Diese Maschinen wurden von den Liebhabern auch als „Grüne Elefanten“ bezeichnet, daher der Name des Treffens.

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