„Rummelplatz“ in Berlin uraufgeführt

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Vom „wichtigsten unbekannten Werk der deutschen Nachkriegsliteratur“ sprach die Kritik überschwänglich, als Werner Bräunigs in den 60er Jahren in der DDR verbotener Roman „Rummelplatz“ 2007 erstmals vollständig erschien.

Der Uraufführung einer Bühnenfassung des Romans am Berliner Maxim Gorki Theater in der Bearbeitung und Inszenierung von Intendant Armin Petras wurde mit entsprechend hohen Erwartungen entgegen gesehen. Diese Erwartungen wurden allerdings nur zum Teil erfüllt.

Das Stück nutzt die Vorlage als Anregung. Erzählt wird von Menschen, die zwischen 1949 und 1953 in der von den Sowjets beherrschten Wismut AG im Uranbergbau der DDR geschunden wurden. Deren Leben ähnelte fast dem Dasein in einem Gulag. Wenn dies gelegentlich anklingt, gelingen berührende Momentaufnahmen vom düsteren Alltag von Leuten, die keinerlei Chance zur Selbstbestimmung haben, von Menschen, die von der Politik zu Schießbudenfiguren der Zeitgeschichte degradiert werden.

In dem Stoff steckt das Zeug zu einer großen, ergreifenden Tragödie. Das nutzt Petras mit seiner stilistisch zwischen Heiner Müller und Frank Castorf lavierenden Inszenierung jedoch nicht konsequent aus. Immer wenn es sinnlich werden könnte, wenn ein starker Augenblick im Zuschauer Gefühle für die Protagonisten und mit ihnen entwickeln könnte, baut der Regisseur eine Slapsticknummer oder einen schalen Witz ein und zerstört damit die mögliche Kraft.

Dadurch gerät der dreieinhalb Stunden lange Abend mehr und mehr zur oberflächlich unterhaltsamen Nummernrevue. Das passiert, weil sich die vielen Witzchen verselbstständigen und das Eigentliche überdecken: eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einer verlorenen Generation, deren Ideale von einem menschenverachtenden System mit Füßen getreten werden.

Von den Schauspielern, die fast alle mehrere Rollen spielen, fesselte insbesondere Regine Zimmermann als junge Arbeiterin Ruth, die verzweifelt um Anerkennung und Aufstieg kämpft. Hochachtung vor ihrer Leistung, der von Michael Klammer als Hauer Peter, Robert Kuchenbuch als Intellektuellem und Britta Hammelstein als Kellnerin, die gegen die Oberflächlichkeit der Regie anspielen, bestimmte den Schlussbeifall. Vor allem für die Akteure war der Applaus herzlich.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen