Ruhrtriennale startet mit Marthaler-Uraufführung

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Stefanie Carp
Stefanie Carp, Intendantin der Ruhrtriennale, stellte das neue Programm vor. (Foto: Caroline Seidel / DPA)
Deutsche Presse-Agentur

Die Ruhrtriennale hat sich für die Eröffnungspremiere am 21. August zur Abwechslung mal kein Industriedenkmal ausgesucht. Der Schweizer Regisseur Christoph Marthaler, „Artiste associé“ des Festivals, hat sein Musiktheater „Nach den letzten Tagen. Ein Spätabend“ vielmehr für den Audimax der Ruhr-Universität Bochum kreiert.

Der 67-Jährige verwandelt den riesigen Saal in ein futuristisches Weltparlament, in dem die Zuschauer aus der Gegenwart auf ein zerstörtes Europa blicken. Der Verlust von Demokratie in Vergangenheit und Gegenwart ist das Thema.

Mit insgesamt 35 hochkarätigen Produktionen und Projekten will das Kulturfestival Ruhrtriennale im Spätsommer das Publikum wieder in das Ruhrgebiet locken, zumeist in stillgelegte Werkhallen, Kokereien und Maschinenhäuser. Darunter seien 14 Ur- und Erstaufführungen, sagte Triennale-Intendantin Stefanie Carp (63). Bis zum 29. September stehen fast 150 Veranstaltungen aller Genres wie Musiktheater, Schauspiel und Tanz auf dem Programm des nordrhein-westfälischen Vorzeige-Kulturfestivals. Auch fünf Installationen sind geplant. Im Jugendprogramm kommt die Performance „(.....) - Ein Stück, dem es scheißegal ist, dass sein Titel vage ist“ des niederländischen Regisseurs Jetse Batelaan auf die Bühne.

Uraufgeführt wird auch Jan Lauwers Schauspiel-Performance „All the good“, Sharon Eyals Tanztheater „Chapter 3“ und die Tanz-Kreation „New Creation“ des brasilianischen Choreografen Bruno Beltrão. Thema ist die aktuelle politische Situation Brasiliens.

Ebenfalls zum ersten Mal kommt die Musiktheater-Produktion „Evolution“ des ungarischen Regisseurs Kornél Mundruczó auf die Bühne. Im Zentrum der Aufführung steht György Ligetis Requiem aus dem Jahr 1965, das gleich drei Mal sehr unterschiedlich aufgeführt wird. Anhand des Schicksals eines Mannes und seiner Nachkommen geht es um das Grauen der Vergangenheit, das Schweigen der Gegenwart und die Ahnung von der Zukunft, in der künstliche Intelligenz eine große Rolle spielt.

So gut wie keine Rolle spielten am Dienstag die heftigen Diskussionen des vergangenen Jahres, die Carp fast ihren Job als Intendantin gekostet hätten. Dabei ging es um den wankelmütigen Umgang Carps mit der Pop-Band „Young Fathers“ und deren Unterstützung der umstrittenen BDS-Kampagne („Boycott, Divestment and Sanctions“), die sich für einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik einsetzt. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte daraufhin 2018 keine einzige Triennale-Veranstaltung besucht. Laut Carp will Laschet in diesem Jahr bei der Eröffnungspremiere und der anschließenden Feier dabei sein - wenn es die Zeit erlaubt. Auf die Frage, ob die Zusammenarbeit mit dem Land normal sei, antwortete die Intendantin mit einem knappen „Ja“.

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